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90PLUS » Spanien ohne Real Madrid: Der Topfavorit startet mit einer Kuriosität gegen einen Debütanten
WM 2026

Spanien ohne Real Madrid: Der Topfavorit startet mit einer Kuriosität gegen einen Debütanten

Klaus Hürbl
15.06.26, 16:16
Klaus Hürbl
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Real Madrid
Foto: Getty Images

Spanien eröffnet seine WM am Montag in Atlanta gegen Cabo Verde — als Topfavorit des Turniers, mit einer Statistik im Gepäck, die es seit 76 Jahren nicht gab: kein einziger Real-Madrid-Spieler im Kader. Gegenüber steht ein Inselstaat von einer halben Million Einwohner bei seinem allerersten WM-Auftritt. Ein nüchterner Blick auf ein Spiel, dessen Ausgang feststeht und dessen Vorzeichen trotzdem bemerkenswert sind.

Die Eckdaten sind eindeutig. Spanien steht in Gruppe H mit Cabo Verde, Saudi-Arabien und Uruguay; auf den Titel notiert die Mannschaft von Luis de la Fuente bei 5,50, gleichauf mit Frankreich an der Spitze des Marktes. Im Auftaktspiel ist die Quote eine Formalie — um 1,10 auf den spanischen Sieg, jenseits der 30,0 auf die Sensation. Die Qualifikation war eine Demonstration: fünf Siege, ein Remis, 21 erzielte Tore, zwei kassierte, inklusive eines 6:0 in der Türkei.

Die 1950er-Kuriosität und ihre Bedeutung

Die auffälligste Personalie des spanischen Kaders ist eine Abwesenheit. Zum ersten Mal seit 1950 steht kein einziger Spieler von Real Madrid im WM-Aufgebot — eine Folge aus Verletzungen, Formdellen und De la Fuentes Setzung auf einen Block, der stark von Barcelona und der Premier League geprägt ist. Kapitän ist Rodri, das kreative Zentrum bilden Pedri und Fabián Ruiz. Aus der Logik des Bewertens heraus ist das weniger ein Schwächezeichen als ein Stilmerkmal: Spanien gewinnt über Ballbesitz, Mittelfeldkontrolle und Flügeltempo, nicht über einzelne Galaktiker. Die Kuriosität verkauft sich als Schlagzeile, ändert an der Favoritenrolle aber nichts.

Cabo Verde: Das kleinste Fußballmärchen des Turniers

Der Gegner verdient mehr als die Statistenrolle, die ihm die Quote zuweist. Cabo Verde, ein Archipel von zehn Inseln im Atlantik mit rund einer halben Million Einwohnern, hat sich erstmals für eine WM qualifiziert — in der afrikanischen Qualifikation als Gruppenerster vor Kamerun, ein Resultat, das in seiner Dimension an Curaçaos Geschichte erinnert. Trainer Pedro Brito, genannt Bubista, baut auf einen kompakten Block; bekanntester Spieler ist Villarreal-Verteidiger Logan Costa. Die Blue Sharks werden in Atlanta nicht das Spiel machen, sondern verteidigen, Zeit nehmen, von einem Moment träumen. Es ist der Plan jedes Außenseiters — und gegen einen Gegner von Spaniens Kontrolle und Durchschlagskraft ein sehr unwahrscheinlicher.

Die Mannschaft hinter dem Teenager

Über allem schwebt die Frage nach Lamine Yamal, der nach einer Oberschenkelverletzung um seinen Startelf-Einsatz bangt — aber die eigentliche Stärke dieses Spaniens ist die Tiefe dahinter. Im Mittelfeld konkurrieren Rodri, Pedri, Gavi, Fabián Ruiz, Zubimendi, Baena und Merino um Plätze; vorne steht mit Mikel Oyarzabal der Held des EM-Finales von 2024, dazu Ferran Torres und Nico Williams. De la Fuente hat unter sich nur zwei Niederlagen in 42 Spielen kassiert. Das ist die belastbare Basis der Favoritenrolle — nicht ein einzelner 18-Jähriger, sondern ein Kader, der in fast jeder Position doppelt besetzt ist. Genau diese Tiefe erlaubt es dem Trainer, Yamal zu schonen, ohne den Sieg zu gefährden.

Was der Auftakt wirklich misst

An Spaniens Auftakt ist das Ergebnis die geringste Unbekannte. Die relevante Frage ist nicht, ob La Roja gewinnt, sondern wie der Favorit seine Ressourcen über ein Fünf-Wochen-Turnier verteilt — wie viel Yamal, wie viel Rotation, wie viel Tordifferenz für die Gruppenwertung. Cabo Verde schreibt mit der bloßen Teilnahme bereits Geschichte; alles Weitere wäre eine Sensation, die der Markt mit gutem Grund jenseits der 30,0 ansiedelt. Für Spanien gilt das, was für jeden Topfavoriten am ersten Spieltag gilt: Ein souveräner Sieg beweist wenig, ein Stolpern verriete viel. Die nüchterne Erwartung ist das Erste. Aber die WM hat schon am Eröffnungstag gezeigt, dass der erste Spieltag die schlechtesten Schlussfolgerungen des Turniers produziert.

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