Dreimal ist Marcel Hartel aus der 2. Bundesliga aufgestiegen, mit drei verschiedenen Vereinen. Nur einmal hat er anschließend auch in der Bundesliga gespielt. Hannover 96 hat ihn bis 2029 unter Vertrag genommen – und damit ein Muster im Blick.
Die Meldung war seit über einer Woche unterwegs
Offiziell verkündet wurde der Transfer am Dienstagabend. Überraschend war er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Bereits Anfang August berichtete die „Bild“ vom Vollzug als Formsache, Hartel und die Niedersachsen waren schon länger einig, und der 30-Jährige hatte St. Louis City nach übereinstimmenden Berichten selbst um die Freigabe gebeten. Zur Ablösesumme haben beide Klubs nichts mitgeteilt; kolportiert wird ein niedriger Betrag.
Was tatsächlich bemerkenswert ist: Hartel soll für die Rückkehr nach Deutschland deutlich auf Gehalt verzichtet haben. Ein Spieler, der in der MLS zu den Bestverdienern seines Klubs gehörte, geht in die zweite Liga.
Drei Aufstiege, drei Vereine – und eine Bundesliga-Saison
Die Vita liest sich wie ein Werbeprospekt für genau diesen Wechsel. 2018/19 gehörte der gebürtige Kölner zu den Spielern, die Union Berlin erstmals nach oben brachten; in beiden Relegationsspielen gegen den VfB Stuttgart stand er auf dem Platz. Ein Jahr später stieg er mit Arminia Bielefeld auf. 2023/24 lieferte er beim FC St. Pauli unter Fabian Hürzeler 17 Tore und 13 Vorlagen – seine beste Saison.
Nur: Aufsteigen und oben ankommen sind bei ihm zwei getrennte Vorgänge.
| Saison | Klub | Danach |
|---|---|---|
| 2018/19 | 1. FC Union Berlin | Wechsel nach Bielefeld – keine Bundesliga mit Union |
| 2019/20 | Arminia Bielefeld | 2020/21 Bundesliga, 22 Einsätze |
| 2023/24 | FC St. Pauli | ablösefrei in die MLS |
Zweimal hat er den Ertrag der eigenen Arbeit einem anderen überlassen. Das war jeweils eine bewusste Entscheidung, keine Aussortierung – aber es erklärt, warum Hannover ihm einen Dreijahresvertrag gibt statt eines Zweijahresvertrags mit Aufstiegsklausel im Hinterkopf.
Was er in St. Louis produziert hat
Die Sorge, dass hier jemand nach zwei Jahren USA erst wieder Spielpraxis aufbauen muss, ist unbegründet. In zwei MLS-Spielzeiten kam Hartel auf 67 Partien und 24 Tore. In der laufenden Saison 2026 stand er vor dem Wechsel bei sechs Ligatoren und drei Vorlagen aus 16 Einsätzen.
Sportdirektor Ralf Becker hebt Spielintelligenz, technische Qualität und Entscheidungsfindung hervor, dazu die Standards, bei denen Hartel „eine hohe Qualität“ mitbringe. Geschäftsführer Jonas Boldt begründet den Zugang damit, dass sich der Klub intern auf eine weitere Verstärkung festgelegt habe. Hartel selbst nannte die Gespräche mit Hannover „extrem gut“ und verwies auf Stadt, Fans und Stadion.
Ein Zugang nach einem missratenen Auftakt
Der Zeitpunkt hat einen Grund. Hannover beendete die vergangene Saison auf Rang vier und verpasste den Aufstieg auf der Zielgeraden. In die neue Spielzeit startete das Team von Christian Titz am 9. August mit einem 1:3 beim Aufsteiger Energie Cottbus – vor 18.361 Zuschauern, nach vielen eigenen Chancen und einem Torwartfehler, der den Elfmeter zum 1:2 verursachte. Für einen Kader, der als Topteam der Liga gehandelt wird, war das der denkbar schlechteste Einstand.
Beim Heimauftakt am 16. August könnte Hartel bereits im Kader stehen. Er kommt nicht als Projekt, sondern als Spieler, der die Liga kennt, sofort Verantwortung übernehmen soll und dafür sein Gehalt reduziert hat.
Aufsteigen kann Marcel Hartel. Ob er diesmal auch oben bleibt, steht in einem Vertrag, der bis 2029 läuft.

