Vinicius Junior strahlte. Überglücklich wurde der Matchwinner von Antonio Rüdiger Huckepack über den Platz getragen, die Stars von Real Madrid ließen sich ausgiebig feiern. Und als Vinicius irgendwann vom Rücken des Nationalspielers geklettert war, rief der Brasilianer seinen Kollegen das Motto für das Viertelfinale in der Champions League zu: Und jetzt die Bayern.
„Lasst sie uns packen“, sagte Vinicius nach seinem Doppelpack beim 2:1 (1:1) im Achtelfinal-Rückspiel bei Manchester City über die Münchner, die ihr Hinspiel gegen Atalanta Bergamo 6:1 gewonnen hatten. Und so fieberten die Königlichen bereits dem ewig jungen Gigantenduell mit dem einstigen Angstgegner („Bestia Negra“) entgegen. „Wir sind bereit für mehr, für alles, was kommt“, sagte Vinicius.
Real will jetzt auch Bayern einheizen
Während die Madrilenen im Pokal bereits ausgeschieden sind und in der Liga vier Punkte hinter dem Erzrivalen FC Barcelona liegen, laufen Vinicius und Co. in der Champions League zur Hochform auf. Wie beim 3:0 im Hinspiel hatte City mit dem entzauberten Teammanager Pep Guardiola auch in Manchester keine Chance. Madrid und die Champions League, das passt einfach. „Wenn Real Madrid in diesem Wettbewerb spielt, ändert sich alles“, schwärmte Vinicius.
Und so wittern sie ihre Chance, eine ansonsten verkorkste Saison in der Königsklasse zu retten. „Wenn wir so spielen, können wir jedes Team schlagen“, sagte Mittelfeldmann Aurélien Tchouaméni nach der Partie: „Mit Real Madrid ist alles möglich.“
Harry Kane, Joshua Kimmich und all die anderen Bayern-Stars sollten sich also auf etwas gefasst machen. Zumal der Mythos von der „Bestia Negra“ zuletzt bröckelte, seit dem Halbfinal-Aus 2012 setzte sich Real viermal gegen den deutschen Rekordmeister durch: Im Halbfinale 2014 (1:0/4:0), im Viertelfinale 2017 (2:1, 5:4 n.V.), im Halbfinale 2018 (2:1, 2:2) und im Halbfinale 2024 (2:2, 2:1). „Real Madrid stirbt in Europa einfach nicht“, schrieb die Marca. Und La Vanguardia meinte: Real sei in der Champions League „nahezu unzerstörbar“.
Das bekam erneut auch Guardiola zu spüren. Schon zum vierten Mal innerhalb der vergangenen fünf Jahre zerstörte Real den Traum des Startrainers vom (neuerlichen) Champions-League-Sieg mit City. Die Kritik in England an dem Spanier wird immer lauter.
„Jeder will mich feuern“, sagte Guardiola gewohnt sarkastisch, sein Vertrag in Manchester läuft noch bis 2027. Und so will der 55-Jährige nächste Saison erneut versuchen, Real und all den anderen Topklubs zu trotzen, um nach 2023 erneut Europas Fußball-Thron zu besteigen. „Ja“, sagte Guardiola dem spanischen Sender Movistar auf die Frage, ob er die Kraft habe, weiterzumachen und erneut gegen Madrid anzutreten, „das wird auf jeden Fall so kommen.“

