Das Copa-del-Rey-Finale zwischen Atlético Madrid und Real Sociedad ist ein Duell zweier unterschiedlicher Wege. Während Atlético unter Diego Simeone wieder zur typischen K.o.-Maschine geworden ist, reist Real Sociedad mit neuem Schwung und einer besonderen Geschichte nach Sevilla. Für beide Klubs geht es um deutlich mehr als nur einen Pokal.
Für Atlético ist es die Chance, eine fünfjährige Titelflaute zu beenden und eine ohnehin starke Saison zu krönen. Das Halbfinale in der Champions League ist erreicht, im Pokal könnte der erste Titel seit 2013 folgen. Simeone hat den Klub über Jahre geprägt und genau diese Erfahrung könnte im Finale entscheidend sein. „Wir wissen, wie besonders ein Finale ist“, sagte der Argentinier, betonte aber auch: „Der schwierigste Kampf findet im Kopf statt.“
Atlético: K.o.-Erfahrung trifft auf Formhoch
Die Ausgangslage spricht zunächst für Atlético. In direkten Duellen ist man seit Jahren überlegen, dazu kommt die enorme Stabilität in K.o.-Spielen. Gerade das Halbfinale gegen Barcelona hat gezeigt, wie gefährlich dieses Team sein kann: ein 2:0 im Hinspiel und im Rückspiel überstanden. Genau diese Mischung aus Effizienz und Leidensfähigkeit macht Atlético aus.

Offensiv ruhen die Hoffnungen auch weiterhin häufig noch auf Antoine Griezmann, der vor einem emotionalen Abend steht. Ausgerechnet gegen seinen Jugendklub (202 Spiele, 52 Tore, 18 Assists) könnte er seinen letzten großen Titel mit Atlético holen. „Ich bin einfach glücklich, ein Finale zu spielen“, sagte der Franzose, ohne sich von der Last-Dance-Erzählung treiben zu lassen. Neben ihm sorgen Spieler wie Julián Álvarez oder Ademola Lookman für Tempo und Tiefe. Entscheidend wird aber sein, ob Atlético das Spiel kontrollieren oder, wie so oft, bewusst abgeben will, um über Umschaltmomente zuzuschlagen.
Real Sociedad: Matarazzo bringt neuen Glauben
Auf der anderen Seite steht ein Team, das es so vor wenigen Monaten noch nicht gab. Seit Ex-Bundesliga-Trainer Pellegrino Matarazzo im Winter übernommen hat, wirkt Real Sociedad wie verwandelt. Elf Siege in 18 Spielen, dazu ein klarer spielerischer Plan und plötzlich ist aus einem Team im unteren Tabellenbereich ein ernstzunehmender Finalist geworden.
Matarazzo selbst gibt sich betont selbstbewusst: „Ich bin sehr optimistisch. Ich glaube fest daran, dass wir es schaffen können.“ Diese Haltung hat sich auch auf die Mannschaft übertragen. Real Sociedad spielt mutiger, direkter, mit klaren Abläufen im letzten Drittel. Zentral wird dabei Mikel Oyarzabal sein. Schon 2021 entschied er das Finale, auch diesmal könnte er der Schlüssel werden. Unterstützt wird er von einer variablen Offensive, die über Flügel und Halbräume immer wieder Lösungen findet.

Schlüsselduell: Kontrolle gegen Mut
Taktisch treffen zwei Philosophien aufeinander. Atlético wird versuchen, das Spiel in kontrollierte Bahnen zu lenken, Räume eng zu machen und gezielt Nadelstiche zu setzen. Real Sociedad hingegen will genau diese Struktur aufbrechen mit Tempo, direkten Pässen und mutigen Läufen in die Tiefe.
Ein entscheidender Faktor könnte das erste Tor sein. Geht Atlético in Führung, dürfte das Spiel sofort in den gewohnten Simeone-Modus kippen: kompakt, diszipliniert, kaum zu knacken. Trifft hingegen Sociedad zuerst, wird das Finale offener und genau das wäre die große Chance für den Außenseiter.
Mehr als nur ein Finale
Die Geschichten rund um dieses Spiel machen es zusätzlich besonders. Auf der einen Seite Griezmann gegen seinen Jugendklub, auf der anderen Seite ein Trainer, der erst seit wenigen Monaten im Amt ist und direkt Geschichte schreiben könnte. Matarazzo hätte die Chance, als erster US-Coach einen Titel in einer europäischen Topliga zu gewinnen. Dazu kommt die emotionale Wucht von Real Sociedad selbst. Über 30.000 Fans werden in Sevilla erwartet, die Stadt färbt sich blau-weiß. Für den Klub wäre es der vierte Pokalsieg und ein weiterer Meilenstein in einer über 100-jährigen Geschichte.

