Dieter Hecking fühlte sich bestätigt. Kein Selbstläufer werde die Relegation gegen den SC Paderborn, hatte der Trainer von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg gewarnt – und recht behalten. „Im Vorfeld habe ich gesagt, dass es zwei enge Spiele werden“, sagte Hecking nach dem ernüchternden 0:0 im Hinspiel: „Einige haben darüber gelächelt.“ Zum Lachen war bei den Wölfen hinterher niemandem mehr zumute.
Die Chance auf eine gute Ausgangslage für das alles entscheidende Rückspiel am Pfingstmontag in Paderborn (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) war verspielt worden. Zu viele technische Fehler, zu wenig Durchschlagskraft im letzten Drittel, wenige Tormöglichkeiten. Ein wirklicher Klassenunterschied gegen den defensiv starken Zweitliga-Dritten aus Paderborn war nicht zu erkennen.
Relegationskrimi wird immer spannender
So bleiben die Abstiegssorgen akut. Und es kommt zu einem Finale – schon wieder. „Es wird einen Sieger geben am Montagabend. Wir werden alles dafür tun, dass wir der Sieger sind“, sagte Hecking: „Beide Mannschaften werden dieses Spiel genauso spielen, wie ein Endspiel zu spielen ist.“
Finalerprobt sind die Wölfe ja, auch wenn es für sie zuletzt nicht um Pokale ging. Erst am 34. Bundesliga-Spieltag hatte der Sieg beim FC St. Pauli (3:1) die Relegation abgesichert. Die Vorzeichen vor dem Auswärtsspiel in Ostwestfalen sind nun ziemlich vergleichbar: Verliert Wolfsburg, ist das Bundesliga-Kapitel für die Niedersachsen nach fast 30 Jahren beendet.
„Es ist ein Endspiel, alles oder nichts“, sagte Kapitän Christian Eriksen. Der Däne weiß, wie man Finals gewinnt, er gewann Titel mit Inter Mailand und Manchester United. Nun zollte der 34-Jährige dem „kleinen“ SC Paderborn seinen Respekt: „Sie haben ein starkes Spiel gezeigt.“
Eriksen mühte sich, er holte sich Bälle aus der eigenen Abwehrreihe, gab Kommandos, verlagerte das Spiel, schoss aufs Tor. Die zündende Idee hatte aber auch der Taktgeber des VfL an diesem Abend nicht. „Wir haben ein paar gute Halbchancen gehabt, aber die hätten noch deutlich besser sein können“, sagte Hecking.
Mehr Mut zum Risiko, wünschte sich manch ein Beobachter in der ausverkauften Volkswagen Arena. Ein Tor hätte schließlich noch großen Wert haben können.
Er sei gefragt worden, warum er nicht volles Risiko gegangen sei, sagte Hecking. Die Antwort fiel pragmatisch aus: „Weil es zwei Spiele sind.“ Er sei heilfroh, „dass wir die Restverteidigung so gespielt haben, wie wir sie gespielt haben. Wir waren sehr konsequent, haben nicht aufgemacht, haben uns nicht locken lassen.“ Auch im Rückspiel dürfe man sich nicht überraschen lassen: „Es geht bei 0:0 los. nicht überraschen lassen: „Es geht bei 0:0 los. Am Ende werden wir wissen, wer wo spielt“, sagte Hecking.
In der Bundesliga will auch Paderborn wieder spielen. 2014 und 2019 hatte es der SCP bereits ins Oberhaus geschafft – jeweils als Direktaufsteiger. „Jetzt fahren wir zu uns nach Paderborn in unser kleines Schmuckkästchen. Es braucht die gleichen Zutaten, die wir heute gezeigt haben“, sagte Trainer Ralf Kettemann.
Ein Selbstläufer wird die Relegation für den VfL Wolfsburg nicht. Warnen muss Dieter Hecking niemanden mehr.

