Noch neun Tage sind es bis zum Start der FIFA-Weltmeisterschaft. Das WM-Fieber steigt spürbar, aber wie ist das bei den gastgebenden Nationen? Wo herrscht gute Stimmung und welche Probleme gibt es?
Bandenkriminalität und eine Bevölkerung in Angst: Wie sicher ist Mexiko?
Ihren Start feiert die 23.Weltmeisterschaft am 11.Juni im legendären Aztekenstadion in Mexiko, mit dem Spiel zwischen Gastgeber Mexiko und Südafrika. Zwei Mal richteten die Mittelamerikaner bereits die WM aus, 1970 und 1986 taten sie das aber jeweils alleine. Die Stimmung vor dem Turnier ist aber dieses Mal arg getrübt. Die Mexikaner gelten gemeinhin als sehr fußballverrückt, aber gerade die Sicherheit sorgt sowohl bei der Bevölkerung, als auch bei anreisenden Fans für Zweifel. Das auswärtige Amt gab vor rund einem Monat eine Reisewarnung vor Mexiko heraus. Der Grund? Nach der Tötung des Kartellführers „El Mencho“ kam es im ganzen Land zu schweren Ausschreitungen. Es schwingt eine gewisse Angst mit, dass es zu Vergeltungsschlägen seitens der übrigen Kartellmitglieder kommen könnte.
Zwar sind touristische Regionen wie Mexiko-Stadt oder Monterrey, die auch Stadien für die WM stellen, weitestgehend von Angriffen der Jalisco Nuevo Generacion, des Kartells von „El Mencho“ verschont geblieben, aber trotzdem hat sich die mexikanische Regierung unter Claudia Sheinbaum dazu entschieden, die Sicherheitsvorkehrungen massiv zu verschärfen. Unter dem sogenannte Plan Kukulkan wurden mehr als 100.000 zusätzliche Sicherheitskräfte für kriminelle Hotspots eingeplant. Dazu wird auch das mexikanische Militär präsent sein. Große Sorgen herrschen dabei noch in der Stadt Guadalajara. Die Region gilt als Hochburg des erwähnten Kartells und auch Entführungen sind in der Gegend an der Tagesordnung.
Dazu sorgten einige Maßnahmen der mexikanischen Regierung bei den Menschen für Unmut. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft kam es allen voran in der Gegend rund um das Aztekenstadion zu zahlreichen Zwangsräumungen, um die Objekte während des Turniers für deutlich lukrativere Beträge vermieten zu können. Zudem gab es in den letzten Monaten vermehrt Berichte über Wasserknappheit in der Hauptstadt. Die Vorzeichen sind also eher schlecht. Man kann zwar damit rechnen, dass während des Turniers eine große Euphorie im Land aufkommen wird, gerade bei entsprechenden Ergebnissen, aber aktuell schwebt noch eine dunkle Wolke über dem sonnigen Mexiko.
Vorfreude in Kanada: Erste WM in The Great White North
Anders sind die Vorzeichen im nördlichsten Gastgeberland. Kanada richtet zum ersten Mal eine Fußball-WM aus und stellt mit dem BMO Field in Toronto und dem BC Place Stadium in Vancouver zwei Arenen. Viele Menschen in Kanada begreifen das Turnier als große Chance den Sport endgültig zu etablieren. Gerade an der Basis gilt Fußball als sehr beliebt, aber in der Spitze dominiert immer noch Eishockey das Bild in Kanada.
Nichtsdestotrotz herrscht eine große Vorfreude darauf, ein guter Gastgeber zu sein, gerade aufgrund der prekären Lage in den anderen beiden ausrichtenden Ländern. Auch Premierminister Mark Carney zeigt sich voller Euphorie und bat die Kanadier, die Straßen mit Flaggen zu behängen: Hängt eine kanadische Flagge an jedes Fenster, in jeder Wohnung, in jedem Restaurant, in jedem Auto – überall.“ Zudem lobte er den sportlichen Aufstieg des nordamerikanischen Landes in den letzten Jahren. 2012 stand man in der FIFA-Weltrangliste noch auf einem dreistelligen Platz. Kurz vor der WM ist man auf Platz 30. Auch der Sprung von Topstars wie Jonathan David und Alphonso Davies wirkte sich sehr positiv auf das Standing des Sports im Land aus.
USA: Horrende Ticketpreise und Krieg im nahen Osten
Den Großteil des Turniers werden die Vereinigten Staaten ausrichten. Für die USA ist es die zweite Weltmeisterschaft nach der WM 1994, die trotz eher nischenhaften Interesse zu der Zeit und weniger Spielen, aufgrund von nur 24 Teilnehmern bis heute die WM mit den meisten Stadionbesuchern ist. Ein Erfolg, den man natürlich auch 32 Jahre später wiederholen möchte. Die politischen Vorzeichen in den Staaten sorgen aber durchaus für Unbehaglichkeit. Nach dem Regierungswechsel von Joe Biden auf Donald Trump hat der republikanische Präsident die Einreisegesetze verschärft. Viele Menschenrechtsorganisationen warnen vor „gewaltsamer und verfassungswidriger Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen.“
Auch der anhaltende bewaffnete Konflikt zwischen den USA und dem Iran sorgt für Unmut. Die militärische Intervention der US-Streitkräfte im nahen Osten soll zwar auf die Sicherheit der iranischen Spieler und Funktionäre keine Auswirkungen haben, allerdings warnte US-Außenminister Marco Rubio Personen vor der Einreise, die Kontakte zur iranischen Revolutionsgarde pflegen.

Was die Amerikaner selbst betrifft, sind die enorm hohen Ticketpreise für Spiele während der WM. Viele Plätze kosten über 1.000 US-Dollar und auch bei Begegnungen, die sportlich eher nicht auf Topniveau sind, verlangt die FIFA horrende Preise. Wie schön ein großes Turnier im eigenen Land für die Bevölkerung sein kann, haben wir vor gerade zwei Jahren vor unserer eigenen Haustür gesehen. Und nun ist dieses Erlebnis bei vielen Personen, die in den USA leben, mit horrenden Kosten verbunden. Die Hyper-Kommerzialisierung dämpft die Euphorie in einem Land, das gerade aufgrund der jüngsten Entwicklungen eine immer größer werdende Fußballkultur entwickelt.
Sportliche Vorzeichen: Mexiko überzeugt, USA schwankend
Nun noch kurz zum Sportlichen. Mexiko gelang nach dem Aus in der Gruppenphase in Katar beim letzten Gold Cup der Titelgewinn im Finale gegen die USA. Auch in den letzten Testspielen gelangen El Tri mit Unentschieden gegen Portugal und Belgien Achtungserfolge. Unter Javier Aguirre wirkt Mexiko wieder deutlich stabiler und der defensive Fokus hat sich als sehr nützlich erwiesen. Beim Gold Cup-Sieg kassierte man beispielsweise in sechs Spielen gerade Mal drei Gegentore.
Kanada schied bei der letzten WM in einer schweren Gruppe mit Belgien, Kroatien und Marokko punktlos in der Vorrunde aus. Auch beim Gold Cup war bereits im Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen Guatemala Schluss. Trainer Jesse Marsch hat noch nicht das richtige Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive gefunden.
Die USA sind unter Mauricio Pochettino eine Wundertüte. Zuletzt verlor man gegen Portugal und Belgien mit 0:2, respektive 2:5. Aber auch Uruguay konnte man mit 5:1 zu schlagen. Am Samstag wartet dann die DFB-Auswahl in der Generalprobe.
Abschließend kann man festhalten, dass die drei Gastgebernationen mit komplett unterschiedlichen Vorzeichen auf das bevorstehende Turnier gucken. Während in Kanada eine nahezu unbeschwerte Euphorie durch die Straßen hallt, ist man in den USA und Mexiko eher zur Vorsicht geneigt.

