Ein Tauschgeschäft braucht mindestens zwei Beteiligte, die es wollen. Beim vermeintlichen Deal Viktor Gyökeres gegen Julián Álvarez sind es derzeit: keiner.
Die Meldung läuft seit Tagen durch die englische und spanische Presse. Arsenal, frisch gekrönter Premier-League-Meister, wolle Atléticos Julián Álvarez – und sei bereit, Gyökeres als Teil des Pakets nach Madrid zu schicken. Die Times berichtet, die Gunners seien dazu grundsätzlich willens, um die Barsumme zu drücken. Was daraus in manchen Aggregatoren geworden ist, hält der Prüfung nicht stand.
Wer was behauptet
| Quelle | Behauptung | Belastbarkeit |
|---|---|---|
| The Times | Arsenal wäre bereit, Gyökeres in ein Spieler-plus-Geld-Paket einzubringen | hoch |
| Cadena SER | Atlético sieht Arsenal als einzig realistisches Ziel, falls Álvarez geht | hoch |
| Fabrizio Romano | Álvarez lehnte Annäherungen von Arsenal und PSG ab | hoch |
| Fichajes | Arsenal habe den Tausch bereits vereinbart | gering – Aggregator ohne eigene Recherche |
| „Berichte aus Spanien“ | 50 Mio. € bzw. 51,7 Mio. £ zusätzlich zu Gyökeres | widersprüchlich, keine Primärquelle |
Drei Vetos, ein Gerücht
Das erste kommt aus der Chefetage am Metropolitano. Miguel Ángel Gil Marín hat öffentlich klargestellt, dass Atlético nicht verkauft: Ein 100-Millionen-Angebot des FC Barcelona wurde abgelehnt, 150 oder 200 Millionen würden ebenfalls abgelehnt. Álvarez‘ Vertrag enthält eine Ausstiegsklausel über 500 Millionen Euro.
Das zweite kommt vom Spieler selbst. Nach Argentiniens WM-Sieg gegen Österreich sagte Álvarez, „das Beste für alle ist ein Transfer“ – er wolle sich einen Traum erfüllen. Dieser Traum heißt Barcelona. Laut Fabrizio Romano beschied er Arsenal und PSG gleichlautend: danke, aber er wolle nach Katalonien.
Das dritte liefert Arsenal ungewollt selbst. Gyökeres kam vor einem Jahr für 64 Millionen Pfund von Sporting, traf 21-mal in seiner Debütsaison und war Arsenals bester Torschütze auf dem Weg zum Titel. Ihn nach zwölf Monaten als Verhandlungsmasse anzubieten, ist kein Zeichen von Stärke. Geholt hatte ihn Sportdirektor Andrea Berta – in dessen erstem Transferfenster in London, direkt nach seinen Jahren in exakt derselben Rolle bei Atlético Madrid.
Die Zahl, über die kaum jemand spricht
Acht. So viele Ligatore erzielte Álvarez vergangene Saison in 29 Einsätzen. Für einen Angreifer, dessen Preisschild in Madrid dreistellig gehandelt wird, ist das eine sehr überschaubare Ausbeute – erklärbar durch Simeones Spielweise, aber eben doch: acht.
Die Frage ist deshalb nicht, ob sich Arsenal diesen Tausch leisten könnte. Sie könnten. Die Frage ist, warum ein Meister, der gerade erst 64 Millionen für einen funktionierenden Neuner ausgegeben hat, ihn gegen einen Spieler eintauschen soll, der weniger trifft und woanders hinwill.
Álvarez wird am 10. August zur Vorbereitung bei Atlético erwartet. Bis dahin bleibt der Mega-Tausch das, was er ist: ein Vorschlag, den bisher niemand angenommen hat.

