Vor der Bundesliga-Saison 1996/97 wechselte ein Stürmer zum Erstligisten Hansa Rostock, der in sich in den kommenden Jahren zu einem der konstantesten Stürmer der Liga-Geschichte entwickeln sollte. Sein Name: Sergej Barbarez. In den kommenden Jahren spielte er für Borussia Dortmund, den Hamburger SV und Bayer Leverkusen. In der Saison 2000/01 sicherte er sich sogar gemeinsam mit Ebbe Sand den Titel des Torschützenkönigs. Nach 95 Toren in über 300 Spielen war dann im Sommer 2008 Schluss für ihn.
Nach seiner Karriere wurde es erstmal ruhig um ihn. Anderthalb Jahre saß er im Aufsichtsrat des HSV, den er im Mai 2010 verließ. Dafür nahm er an durchaus namhaften Poker-Turnieren teil und das nicht gerade erfolglos. Im April 2024 übernahm er nach der nicht gelungenen EM-Qualifikation das Traineramt bei der Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina. Ein Posten, den er kurz nach Ende seiner Spielerlaufbahn noch ausgeschlagen hat. Grund dafür war die Leitung des Verbands. Das dreiköpfige Präsidium warf sich gegenseitig Korruption und Vetternwirtschaft vor. Etwas, dem Barbarez wenig abgewinnen konnte.
Bosnien: Über Höhen und Tiefen an den Tiefpunkt
Nachdem die 2010er-Jahre mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 wieder etwas besser liefen, stellte sich ab 2020 wieder eine sportliche Talfahrt ein. Ein enorm hoher Trainerverschleiß, der bosnische Trainerstuhl galt als Schleudersitz. Allein im Jahr 2023 hatte man vier verschiedene Coaches an der Seitenlinie. Man verpasste die EM und Barbarez übernahm. Trotz mangelnder Trainererfahrung genoss er das volle Vertrauen von Verbandspräsident Vico Zeljkovic. Barbarez krempelte einiges um, Emir Spahic wurde als neuer technischer Direktor angeheuert. Auch in seinen Coaching-Staff holte er interessante Namen. Darunter Ex-Bundesliga-Profi Zlatan Bajramovic.
Trotz Startschwierigkeiten: Barbarez krempelt Nationalmannschaft um
Auch auf dem Platz kam es zu deutlichen personellen Änderungen. Alleine bis Ende 2024 machten 14 Spieler ihr Debüt in der Nationalmannschaft, darunter viele Spieler unter 23 Jahren. Einige davon sind nun fester Bestandteil der Mannschaft, wie Esmir Bajrakterivic oder Tarik Muharemovic.
Sportlich machte sich das nicht wirklich bezahlt. Die ersten acht Spiele im Am wollte sich kein einziger Sieg einstellen. Tiefpunkt dabei war wohl die 7:0-Pleite in einem Nations League-Spiel gegen Deutschland. In die WM-Quali startete man dann aber fulminant: Die ersten vier Partien konnte man allesamt für sich entscheiden. Am Ende stand ein starker zweiter Platz mit 17 Punkten aus acht Spielen. Es ging in die Play-Offs. Erst gegen Wales, die man im Elfmeterschießen ausschalten konnte. Mit Italien wartete ein echtes Schwergewicht auf Barbarez und Bosnien-Herzegowina. Die Azzurri nahmen die Bosnier etwas auf die leichte Schulter und bekamen dafür die Quittung. Wieder gab es die Entscheidung vom Punkt, wieder mit einem besseren Ende für Bosnien-Herzegowina.

Barbarez entwickelte sich zum Nationalhelden. Nicht, dass er vorher ein unbeschriebenes Blatt war, aber mit der WM-Qualifikation nach dieser Ausgangslage einige Jahre zuvor zementierte er endgültig seinen Status als bosnische Fußball-Legende. Aber was zeichnet ihn als Trainer überhaupt aus?
Barbarez: Wie ist er als Trainer?
Einsatz und Disziplin sind zwei Dinge, die für Barbarez sehr wichtig sind. Beides war nun eher dürftig vorhanden, als er die Mannschaft im April 2024 übernommen hatte. Nach dem Spiel gegen Italien sprach er von „unpopulären Entscheidungen“, die er zu Beginn seiner Amtszeit traf. Viele Spieler wurden aussortiert, gerade wegen Disziplinlosigkeit oder schlechten Verhaltens.
Taktisch tritt er eher pragmatisch auf. Der Fokus liegt in erster Linie auf einer starken Defensive. Sieben Gegentore kassierte man in acht Spielen in der WM-Qualifikation. Häufig steht man hinten in einem tiefen Block, aus dem heraus man den Gegner aber immer wieder nervt und kleinere Nadelstiche setzt. Vorne dürfen die jungen Wilden wie Alajbegovic oder Bajraktarevic dann ihre technische Finesse, ihre Kreativität und ihr Tempo nutzen. Zudem stehen mit Haris Tabakovic und Top-Star Edin Dzeko zwei routinierte Torjäger im WM-Aufgebot.
Barbarez zeigt eines: In einer modernen Fußballwelt kann man auch manchmal einfach auf die Grundprinzipien zurückgreifen. Man muss nicht immer gleich nach seiner aktiven Profi-Karriere anfangen, weiter im Fußball-Geschäft zu arbeiten, um eine erfolgreiche Zeit nach seiner Laufbahn zu haben. Die Geschichte von Barbarez zeigt, dass sich Geduld, Vertrauen und die Bereitschaft auch unangenehme Entscheidungen zu treffen, sich auszahlen.

