Im letzten Testspiel vor der WM hat die deutsche Nationalmannschaft einen 2:1-Sieg über Gastgeber USA gefeiert. Das DFB-Team zeigte im Soldier Field von Chicago eine keinesfalls überragende, aber insgesamt stabile Vorstellung und gewann letztlich verdient.
Dabei erwischte die Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann einen Auftakt nach Maß. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, als Kai Havertz eine Freistoßflanke von Joshua Kimmich völlig freistehend zum 1:0 einnickte. In der Folge nahm Deutschland jedoch merklich das Tempo aus der Partie und wurde noch vor dem Pausenpfiff dafür bestraft: Mit einem Sonntagsschuss traf Antonee Robinson aus etwa 18 Metern zum 1:1.
In der zweiten Halbzeit zeigte sich die DFB-Elf verbessert, besaß mehr Spielanteile und ging folgerichtig erneut in Führung: Eine feine Kombination über Jamal Musiala und Havertz vollendete Leroy Sané mit einem präzisen Linksschuss zum 2:1. Mit Ausnahme zweier Versuche aus der Distanz geriet dieser Vorsprung anschließend nicht mehr in Gefahr. Defensiv trat die deutsche Mannschaft über weite Strecken sehr stabil auf, doch gerade offensiv besteht im Hinblick auf den WM-Auftakt noch reichlich Steigerungspotenzial.
Die DFB-Stars in der 90PLUS-Einzelkritik:
Oliver Baumann: Lange beschäftigungs- und beim Traumtor von Antonee Robinson dann völlig chancenlos. Gegen die Distanzschüsse von Joe Scally und Brenden Aaronson in der Schlussphase aber glänzend zur Stelle. Note: 2
Joshua Kimmich (bis zur 61.): Mit einer mustergültigen Freistoßflanke bereitete der Kapitän das frühe 1:0 vor. Im Aufbauspiel durchaus riskant, aber letztlich fehlerfrei. Sein Tempodefizit konnte er im Duell mit Cristian Pulisic problemlos kompensieren. Ein ordentlicher bis guter Auftritt. Note: 2-
Jonathan Tah: War gegen den schnellen Folarin Balogun immer wieder im Laufduell gefordert und erledigte diese Aufgabe zumeist souverän. In den letzten zehn Minuten durfte er die Kapitänsbinde tragen. Note: 2-
Nico Schlotterbeck: Ball- und passsicher sowie kompromisslos im Zweikampfverhalten, dazu dominant in der Luft. An seiner Leistung gab es absolut nichts zu beanstanden. Note: 2
Nathaniel Brown (bis zur 61.): Sehr aufmerksam in der Restverteidigung. Sein Tempo ist für das risikobehaftete DFB-Spiel ein wichtiger Faktor. Offensiv allerdings längst nicht so präsent wie gegen Finnland. Wich nach rund einer Stunde für seinen Konkurrenten David Raum. Note: 3+
Aleksandar Pavlovic (bis zur 81.): Als Ankerspieler auf der Doppelsechs nicht mehr aus der Startelf wegzudenken. Brachte 47 von 53 Pässen an den Mitspieler und präsentierte sich auch im Spiel gegen den Ball aufmerksam. Ein winziger Makel waren seine Distanzschüsse, die keine Gefahr für das US-amerikanische Tor darstellten. Note: 3+
Felix Nmecha (bis zur 81.): Das Statement-Spiel gegen Finnland konnte er nur bedingt replizieren, war zudem deutlich weniger in den Spielaufbau eingebunden. Einzig nennenswerte Aktion war ein Distanzschuss zu Beginn der zweiten Halbzeit. Note: 3-
Leroy Sané (bis zur 71.): Der Ersatz für den verletzt abgereisten Lennart Karl erlebte einen ersten Durchgang zum Vergessen. Umso stärker ist seine Reaktion hervorzuheben: Das Tor zum 2:1 könnte ein absoluter Brustlöser gewesen sein! Trotzdem muss im Laufe der nächsten Wochen noch mehr kommen. Note: 3-

Jamal Musiala (bis zur 81.): Auf den vermeintlichen Befreiungsschlag gegen Finnland folgte ein enttäuschender Auftritt. Agierte zögerlich und verlor satte 79 Prozent seiner Zweikämpfe. Hervorzuheben ist seine Beteiligung am 2:1 und ein Dribbling samt anschließendem Zuspiel auf Leweling, das allerdings keinen Abschluss zur Folge hatte. Trotzdem bleibt der Bayern-Star ein Sorgenkind. Note: 4
Florian Wirtz (bis zur 81.): Nach vielen starken Länderspielen blieb der Ausnahmekönner gegen die USA unauffällig. Einen nennenswerten Beitrag zum deutschen Offensivspiel konnte er nicht erbringen. Note: 4
Kai Havertz (bis zur 61.): Mit seinem Kopfballtreffer nach nur zwei Minuten fügte sich der Nachzügler nahtlos ins DFB-Team ein. Erzielte kurz darauf ein weiteres Abseitstor. In der zweiten Halbzeit legte er den Assist zum 2:1 nach und zeigte, dass mit Blick auf die WM-Startelf kein Weg an ihm vorbeiführt. Note: 2+
Die Joker:
Waldemar Anton (ab der 61.): Der Aushilfsrechtsverteidiger hinterließ nach seiner Einwechslung einen stabilen Eindruck. Trat sogar offensiv mit einer präzise Hereingabe für Amiri in Erscheinung. Note: 3+
David Raum (ab der 61.): In Erinnerung bleibt vor allem sein Einsteigen gegen Malik Tillman, das mit einer Gelben Karte bestraft wurde. Im Zweikampf mit Brown befindet sich der Leipziger aktuell im Hintertreffen. Note: 3-
Deniz Undav (ab der 61.): Nach seiner Gala gegen Finnland diesmal nur eine halbe Stunde gefragt. Sein Arbeitsnachweis: Ein Kopfball über das Tor in der 78. Minute. Note: Ohne Bewertung
Jamie Leweling (ab der 71.): Eine durchaus engagierte Joker-Leistung ohne die ganz große Highlights. Note: Ohne Bewertung
Angelo Stiller (ab der 80.): In rund 15 Minuten kam der Stuttgarter nur elfmal an den Ball. Note: Ohne Bewertung
Leon Goretzka (ab der 80.): Auch der 31-Jährige konnte in den Schlussminuten nicht mehr auf sich aufmerksam machen. Note: Ohne Bewertung
Nadiem Amiri (ab der 80.): Einen vielversprechenden Abschluss aus halbrechter Position setzte er nur knapp am Tor vorbei. Note: Ohne Bewertung
Maximilian Beier (ab der 80.): Sein immenses Tempo dürfte im Verlauf der WM noch gefragt sein. Gegen die USA war es das nicht. Note: Ohne Bewertung

