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90PLUS » Türkei bei der WM 2026 im Fokus: Liefert die „goldene Generation“?
WM 2026

Türkei bei der WM 2026 im Fokus: Liefert die „goldene Generation“?

Till Gabriel
04.06.26, 11:12
Till Gabriel
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Türkei
Foto: Getty Images

Erstmals seit 24 Jahren ist die Türkei wieder bei einer WM dabei. Die namhaft besetzte Mannschaft lässt die Fans von Großem träumen.

2002 trat die türkische Nationalmannschaft zum bisher letzten Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft in Erscheinung. In Japan und Südkorea führten Spieler wie Torhüter Rüstü Recber und Stürmer Hakan Sükür die Mannschaft von Trainer Senol Günes bis ins Halbfinale. Dort scheiterte man nur knapp mit 0:1 am späteren Weltmeister Brasilien, sicherte sich im Spiel um Platz drei gegen Gastgeber Südkorea aber den starken Bronzerang. Auch 2026 träumen viele Anhänger der „Ay Yildizlilar“ von einem solchen Erfolg. Doch wie gut ist die Mannschaft wirklich?

Der Kader: Calhanoglu führt Talente-Auswahl an

Das 26-Mann-Aufgebot der Türkei muss sich im Vergleich zu den Top-Nationen nicht verstecken. Laut transfermarkt beträgt der kumulierte Marktwert 475 Millionen und bewegt sich damit auf einem Niveau mit anderen Geheimfavoriten wie Senegal und Marokko.

Fast ein Drittel dieses Werts machen die beiden größten Hoffnungsträger der „goldenen Generation“ des türkischen Fußballs aus. Arda Güler (21 Jahre) von Real Madrid und Kenan Yildiz (21) sind trotz ihres jungen Alters bereits die Unterschiedsspieler ihrer Nationalmannschaft und haben in der vergangenen Saison in ihren Klubs große Schritte nach vorn gemacht.

Türkei
Foto: Getty Images

Gemeinsam mit Frankfurt-Talent Can Uzun (20) sollen sie die Offensive der Mannschaft auf Jahre prägen und haben schon bei der WM 2026 das Potenzial, zu den Senkrechtstartern des Turniers zu zählen. Baris Alper Yilmaz (26, Galatasaray) und Kerem Aktürkoglu (27, Fenerbahce) sind weitere erfahrene Alternativen, die ordentlich Tempo und Torgefahr mitbringen.

In der Schaltzentrale zieht Hakan Calhanoglu (32, Inter) die Fäden. Der ehemalige Hamburger und Leverkusener ist einer der besten seines Fachs und führt die türkische Auswahl als Kapitän aufs Feld. Neben dem Spielmacher soll Orkun Kökcü (25, Besiktas) für die Balance sorgen.

Die Achillesferse der Mannschaft von Trainer Vincenzo Montella könnte jedoch die Defensive sein. Ferdi Kadioglu (26, Brighton) und Zeki Celik (29, Roma) sind auf den defensiven Außenbahnen gesetzt, gerade Kadioglu hat seine Stärken aber in der Offensive. Im Abwehrzentrum ist Merih Demiral erste Wahl, der 28-Jährige spielt bei Saudi-Klub Al-Ahli aber nicht auf höchstem Niveau. Um dem Platz neben dem ehemaligen Juventus-Star kämpfen unter anderem Ozan Kabak (26, Hoffenheim), Abdülkerim Bardakci (32, Galatasaray) und Ex-Freiburger Caglar Söyüncü (30, Fenerbahce).

Die Form: Sogar Spanien stolperte bereits

In der Qualifikation musste die Türkei zwar den Umweg über die Play-offs gehen, hatte sich in der regulären Gruppenphase aber wenig vorzuwerfen. In einer Gruppe mit Spanien, Georgien und Bulgarien ließ man nur gegen den Europameister Punkte liegen. Im letzten Quali-Spiel trotzte man der Seleccion sogar ein Remis ab. In den Play-offs reichten zwei 1:0-Siege gegen Rumänien und den Kosovo. Beim vorletzten Testspiel vor der WM sprang trotz Rotation ein 4:0 gegen Nordmazedonien raus.

Der Trainer: Montellas zieht seinen Stil durch

Schon seit September 2023 sitzt der Italiener Vincenzo Montella bei der türkischen Nationalmannschaft auf der Bank. Der 51-Jährige folgte damals auf Stefan Kuntz und führte die Mannschaft erfolgreich zur WM. Frei von Kritik ist er allerdings nicht. Montella lässt ohne echten Stürmer spielen, was dort, wo einst Hakan Sükür und später Burak Yilmaz für Tore sorgten, nicht überall gut ankommt.

Vincenzo Montella
Foto: Getty Images

Die Kritik wies er nun deutlich zurück und betonte, dass er gerne mit echtem Neuner spielen würde: „Ich bin auch kein Trainer, der es vorzieht, ohne Stürmer zu spielen. Wenn wir einen hätten, würde ich ihn natürlich gerne einsetzen. Ich habe jedoch immer so gehandelt, dass ich darüber nachgedacht habe, wie wir unter den gegebenen Umständen die maximale Leistung aus unserer Mannschaft herausholen können.“

Das ist ihm während seiner Amtszeit auch meistens gelungen. Bei der EM 2024 schaltete man überraschend Mitfavorit Österreich im Achtelfinale aus, ehe man selbst knapp an den Niederlanden scheiterte. Insgesamt gewann Montella 19 seiner 32 Spiele als Türkei-Coach und verlor nur acht.

Die Gegner: Vermeintlich kurzer Weg ins Achtelfinale

In der Gruppenphase muss sich die Türkei gleich mal in der Rolle des klaren Favoriten beweisen. Mit Paraguay und Australien trifft man auf zwei Gegner, die zwar unangenehm zu bespielen sind, aber nicht annähernd über die Qualität der türkischen Auswahl verfügen. In diesen Duellen müssen zwei Siege her, dann ist der Einzug ins Sechzehntelfinale sicher.

Um die Vorrunde als Erster abzuschließen und damit in der K.O.-Phase auf einen der Tabellendritten zu treffen, wird das dritte Gruppenspiel gegen die USA entscheidend sein. Dem Gastgeber fehlen zwar Akteure aus dem Regal Calhanoglu/Güler, mit erfahrenen Stars wie Weston McKennie und Christian Pulisic stellt Trainer Mauricio Pochettino aber ebenfalls eine äußerst schlagkräftige Mannschaft, die den Heimvorteil nutzen will.

Doch selbst, wenn die Montella-Elf nur Zweiter der Gruppe D wird, meint es der Turnierbaum gut, dann würde man auf den Zweitplatzierten der Gruppe G mit Belgien, Ägypten, Iran und Neuseeland treffen – allesamt machbare Aufgaben.

Türkei
Foto: Getty Images

Die Türkei blickt zurecht voller Euphorie auf ihre erste Weltmeisterschaft seit 24 Jahren. Der Kader ist trotz einigen Schwachstellen fantastisch besetzt, Trainer Montella ist zuzutrauen, im Spiel die richtigen Maßnahmen zu treffen und die Elf auf den Punkt einzuschwören. Der Pfad auf dem Turnierbaum lässt mindestens das Achtelfinale zu, wenn die Mannschaft einmal ins Rollen kommt, kann sie dort auch den Favoriten ein Bein stellen.

THEMENArda GülerHakan CalhanogluKenan YildizTürkeiWM 2026
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