Die „Silo Suite“ im deutschen WM-Quartier erstreckt sich über zwei Etagen und besticht laut Eigenwerbung „durch einen privaten Wendeltreppenturm“, der den Räumlichkeiten „burgähnliches Flair“ verleihe. Das Luxus-Zimmer mit der Nummer 703 hebt sich klar ab von den meisten anderen der DFB-Stars – und ist des Mannes würdig, dem seine Mitspieler die „Aura“ eines Königs bescheinigen.
Auf einem „Kingsize“-Schlafplatz im oberen Stock hat Manuel Neuer dort seine „Wade der Nation“ in den vergangenen Tagen auf „feinste“ Tücher gebettet – jetzt ist sie bereit für die Rückkehr des „ewigen“ Torwarts. 709 Tage nach seinem 124. und bislang letzten Länderspiel soll der Weltmeister von 2014 beim WM-Auftakt am Sonntag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) gegen Curacao wieder im deutschen Tor stehen: ein echter Kaltstart.
Neuer will direkt überzeugen
Und ein Problem? Julian Nagelsmann zuckt nur mit den Schultern. „Er muss sich in seinem Alter nicht eingewöhnen. Er kommt mit einer Drucksituation klar“, sagte der Bundestrainer. Neuer, schwärmte er, sei „über Jahre das Vorbild aller Torhüter“ gewesen – und es „heute mit 40 immer noch“. Im Nominierungsvideo rief er ihm zu: „Strahl den Manuel Neuer aus, mit allem was du hast! (…) Spiel noch mal ’ne tolle WM!“
Wie 2010, als Neuer erst kurz vor dem Turnier zur Nummer 1 aufstieg und seine herausragenden Fähigkeiten auch auf der Weltbühne sofort demonstrierte. Oder 2014, als „Manu, der Libero“ ein Garant war für den vierten Stern. Doch da waren auch 2018 und 2022, als selbst Neuer die jeweilige Vorrunden-Blamage nicht verhinderte.
Schon mehr als einmal schien seine Karriere zuende zu gehen, vor allem nach dem folgenschweren Skiunfall nach Katar. Neuer aber kämpfte sich immer zurück, stand auch bei der Heim-EM 2024 zwischen den Pfosten – und machte erst danach den Weg frei für seinen „ewigen“ Kronprinzen Marc-André ter Stegen. Dessen Ausfall ermöglichte nun sein Comeback.
Es wird begleitet von einer hitzigen Debatte um die Degradierung von Oliver Baumann zur „Weltklasse-1b-Lösung“ (Nagelsmann) – und leisen Zweifeln am Bayern-Kapitän. Beim DFB teilt sie niemand, das zeigt nicht nur die Zimmer-Zuteilung. „Wir reden hier über Manuel Neuer!“, stellte Sportdirektor Rudi Völler klar: „Er wird ein Super-Turnier spielen, davon bin ich überzeugt.“
Seine Mitspieler schwärmen in höchsten Tönen von König Manuel, dem I. Der junge Nathaniel Brown beschrieb das erste Treffen („ein besonderer Moment“), als wäre ihm ein Heiliger erschienen. Die besondere Aura gepaart mit einer extremen Ruhe beschreiben auch andere beinahe andächtig.
Die Gegner teilen diese Bewunderung. „Wenn ein Vinicius alleine auf Manu zuläuft“, sagte Lothar Matthäus, „hat er schon einen kleinen Strich in der Hose.“ Jonathan Tah bestätigte das. „Man hat einfach dieses Ehrfürchtige: Das ist Manuel Neuer.“ Das treffe sogar Weltstars wie Kylian Mbappé, die dann vielleicht am Tor vorbei schießen würden. Alles andere wäre ja auch: Majestätsbeleidigung.

