27 Millionen Euro Ablöse, drei Pflichtspieltore, keine Rückennummer. Sportlich ist Niclas Füllkrugs Zeit bei West Ham United längst vorbei – vertraglich läuft sie noch bis 2028. Und genau darin liegt sein Problem.
Einig mit dem Klub, gescheitert am Klub
Der FC Venedig, in dieser Saison zurück in der Serie A, hatte alles vorbereitet: Dreijahresvertrag, laut Sky drei Millionen Euro netto pro Spielzeit, eine Rolle als erster Stürmer. Füllkrug war einverstanden. West Ham war es nicht. Rund fünf Millionen Euro Ablöse verlangten die Londoner – zu viel für einen Aufsteiger, der seinen Etat in den nächsten Wochen noch an anderer Stelle braucht. Die Bild meldete das Aus der Verhandlungen zuerst.
Bemerkenswert ist die Konstellation. West Ham selbst ist abgestiegen und spielt in der Championship. Ein 33-jähriger Mittelstürmer mit hohem Gehalt und dünner Torbilanz gehört dort zu den Posten, die man normalerweise abgibt, fast egal zu welchem Preis. Stattdessen hält der Klub an einer Summe fest, die den Spieler faktisch bei sich einschließt.
Die Kette der gescheiterten Ausstiege
Venedig war nicht der erste Versuch. Eine Rückkehr zu Werder Bremen zerschlug sich, das Interesse von Lazio Rom verlief im Sand. Davor die Leihe zur AC Mailand ab Januar 2026, gedacht als Bewerbung für den WM-Kader: ein Tor in 20 Einsätzen, keine Kaufoption gezogen, keine Nominierung durch Julian Nagelsmann. Die Weltmeisterschaft fand ohne ihn statt.
Wie ernst es der Klub meint, lässt sich an Kleinigkeiten ablesen. Beim Media Day für die neuen Saisonfotos fehlte Füllkrug. Beim Pokalauftakt gegen Portsmouth stand er nicht im Kader. Eine Rückennummer trägt er nicht mehr – die 11 ist inzwischen vergeben.
Drei Wochen, ein enger Markt
Bis Anfang September ist das Transferfenster offen. Interessenten gibt es: Mehrere Bundesliga-Klubs sollen die Lage beobachten, ohne bislang konkret geworden zu sein. Nur ändert sich an der Grundrechnung nichts, solange West Ham eine Ablöse aufruft, die kein Käufer für einen Spieler zahlt, der seit anderthalb Jahren nicht mehr trifft. Realistisch wird der Deal erst, wenn die Hammers die Forderung senken oder Gehalt subventionieren.
Wer wartet, verliert doppelt
Für Füllkrug geht es nicht mehr um die Bühne, sondern um Spielzeit an sich. Ein Stürmer, der ein Jahr lang keine Rolle spielt, kommt mit 34 nicht zurück – er hört auf. West Ham kassiert derweil keine fünf Millionen, sondern zahlt weiter ein volles Gehalt für einen Mann ohne Nummer. Zwei Seiten, die dasselbe wollen. Und eine Summe, die beiden im Weg steht.

