Ein 16-Jähriger absolviert den Medizincheck, und das Netz diskutiert seinen Oberkörper. Ein offizieller Barça-Post über ihn sammelt binnen Tagen fast 600.000 Aufrufe. Ebrima Tunkara ist zur Projektionsfläche geworden, bevor er ein Pflichtspiel für die Profis bestritten hat.
Was tatsächlich in der Akte steht
Geboren am 10. März 2010 in Lamoi, Gambia. 2017 zog die Familie nach Mataró, ein Jahr später holte Barcelona ihn in die eigene Nachwuchsstruktur, 2021 zog er nach La Masia. Offensiver Mittelfeldspieler, 1,78 Meter, linker Fuß. Am 23. Januar 2026 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag, wirksam ab dem 16. Geburtstag, Laufzeit bis 30. Juni 2029 – Fabrizio Romano hatte die Einigung Tage zuvor gemeldet. Sein Debüt für Barça Atlètic gab er noch mit 15, laut Klubumfeld als drittjüngster Spieler der Reserve-Geschichte.
Dazu kommt der internationale Beleg: Bei der U17-Europameisterschaft stand er in jeder Partie Spaniens in der Startelf, kam auf ein Tor und fünf Vorlagen und wurde nach spanischen Berichten zum Spieler des Turniers gewählt. Transfermarkt führt ihn bei rund fünf Millionen Euro Marktwert. Für einen Jahrgang 2010 ist das eine Hausnummer.
Warum der Yamal-Vergleich in die Irre führt
Der Vergleich klingt gut und trägt trotzdem nicht weit. Lamine Yamal debütierte mit 15 Jahren in LaLiga – im Pflichtspielbetrieb, gegen einen Erstligagegner, unter Wettbewerbsdruck. Tunkara ist inzwischen 16 und stand bislang in Testspielen auf dem Platz: ein Treffer gegen CE Europa, drei Minuten nach der Einwechslung, und einer von zehn Debütanten beim Trainingslager-Spiel in Birmingham. Das sind gute Vorzeichen, aber keine vergleichbare Kategorie.
Auch die Profile passen nicht übereinander. Yamal ist Flügelspieler, Tunkara wird intern als Zehner geführt und nur wegen seiner Dribbelstärke außen eingesetzt – die Trainer in La Masia benennen Spielkontrolle und zentrale Wirkung ausdrücklich als Baustelle. Wer beide gleichsetzt, vergleicht einen fertigen Spielertyp mit einem, der seinen Platz auf dem Feld noch sucht.
Barcelona rechnet nüchterner als die Timeline
Bezeichnend ist, wie zurückhaltend der Klub selbst plant. Trotz aller Vorbereitungseindrücke gilt Barça Atlètic als Tunkaras Station für diese Saison. Hansi Flick nahm ihn in den großen Nachwuchs-Kader der Vorbereitung auf, weil nach der WM zahlreiche Nationalspieler verspätet zurückkehrten – eine Gelegenheit, die der Kalender geschaffen hat, nicht ein Kaderplatz, den er sich erkämpft hätte. Dass europäische Scouts das Turnier verfolgt haben, weiß man in Barcelona. Der Vertrag bis 2029 ist die Antwort darauf.
Und wenn er wirklich so gut ist?
Dann wird man es in zwölf Monaten an Minuten ablesen können, nicht an Aufrufzahlen. Der Weg von der Juvenil A über die Reserve in eine Barça-Startelf ist einer der schwersten im europäischen Fußball, und die Zahl der La-Masia-Talente, die dort hängengeblieben sind, ist deutlich größer als die Zahl derer, die es geschafft haben. Tunkara hat den Vertrag, den Körper und die Turnierauszeichnung. Was ihm fehlt, ist das, was sich nicht posten lässt: Zeit.

