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90PLUS » Heidenheim und St. Pauli jagen eine 32-Prozent-Chance
2. BundesligaFußball News

Heidenheim und St. Pauli jagen eine 32-Prozent-Chance

Fritz Pecker
11.08.26, 16:42
Fritz Pecker
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1. FC Heidenheim
Foto: Getty Images

Vier Punkte aus zwei Spielen, sieben Gegentore in Heidenheim allein am ersten Spieltag, ein verpasster Auftaktsieg am Millerntor. Zwei Bundesliga-Absteiger sind in die zweite Liga gestartet – und der Topfavorit auf den Aufstieg heißt trotzdem weder Heidenheim noch St. Pauli.

Der FCH gewinnt so, wie der FCH immer gewinnt

4:3 gegen Aufsteiger VfL Osnabrück, und die Torfolge las sich wie ein Lehrstück in Heidenheimer Ökonomie. Zweimal glich der Drittliga-Meister aus, zweimal antwortete der FCH – Jan Schöppner per Kopf nach Ecke, Marvin Pieringer per Kopf nach Ecke. Standards, Wucht, ein später Punchball. Neuzugang Costly, im Sommer aus Ingolstadt gekommen, war an drei Treffern beteiligt.

Auffällig war die andere Seite der Rechnung: drei Gegentore gegen einen Aufsteiger, darunter ein Distanzschuss nach eigenem Ballverlust. Frank Schmidt steht seit fast 19 Jahren an dieser Seitenlinie und hat neun Zweitliga-Spielzeiten mit diesem Klub bestritten. Er wird wissen, dass eine Abwehr, die so verteidigt, im Aufstiegsrennen nicht weit kommt.

Rapps Idee braucht mehr als 90 Minuten

Am Millerntor sahen 29.218 Zuschauer bei Marcel Rapps Pflichtspieldebüt ziemlich genau das, was der neue Trainer angekündigt hatte: Ballbesitz, hohe Grundordnung, viel Kontrolle. Nur eben ohne den letzten Pass. Marcus Mathisen köpfte St. Pauli direkt nach der Pause in Führung, sechs Minuten später fälschte er den Ausgleichsschuss von Felix Klaus unhaltbar ab. Am Ende 1:1 gegen eine Fürther Mannschaft, die sich in der Vorsaison erst über die Abstiegsrelegation gerettet hatte.

St. Pauli geht in seine 33. Zweitliga-Saison, die zweitmeisten der Ligageschichte. Der Klub formuliert das Aufstiegsziel bewusst zurückhaltend – nach einer Rückrunde, in der man zeitweise Letzter war, ist das keine Koketterie, sondern Selbsteinschätzung.

Zwei Absteiger, drei Kandidaten, zwei Plätze

Hier liegt die eigentliche Schwierigkeit. Mit dem VfL Wolfsburg ist ein dritter Absteiger im Feld, der nach 29 Bundesliga-Jahren zweitklassig spielt und für Neuzugänge mehr investiert hat als jeder andere Ligakonkurrent – der Kaderwert wird auf rund 235 Millionen Euro taxiert. Dazu Hannover 96, das im Vorjahr knapp scheiterte, und ein Nürnberg unter Miroslav Klose. Direkt aufsteigen dürfen zwei. Der Dritte muss in die Relegation.

1. FC Heidenheim FC St. Pauli
Zweitliga-Saison 10. 33.
Trainer Frank Schmidt (seit 2007) Marcel Rapp (neu)
Auftakt 4:3 vs. Osnabrück 1:1 vs. Fürth
Stärke bislang Standards, Effizienz Ballbesitz, Struktur
Baustelle Restverteidigung Chancenverwertung
2. Spieltag bei Hertha BSC bei Holstein Kiel

Was die Statistik über Absteiger sagt

49 von 154 Bundesliga-Absteigern haben den direkten Wiederaufstieg geschafft – rund 32 Prozent. Zuletzt gelang das dem 1. FC Köln 2025. Die Quote klingt ordentlich, sie wurde aber überwiegend in Zeiten erzielt, in denen selten mehr als ein ambitionierter Absteiger gleichzeitig unten war. In dieser Saison konkurrieren drei davon, und einer bringt die Finanzkraft eines Erstligisten mit.

Zwei Wege, ein Nadelöhr

Heidenheim hat den Vorteil, dass sich auf der Ostalb nichts verändert hat: derselbe Trainer, dieselbe Spielidee, dieselbe nüchterne Betrachtung eines Abstiegs, den man dort als Betriebsrisiko verbucht. St. Pauli hat den Vorteil, dass ein Umbruch bewusst eingeleitet wurde, statt ihn auszusitzen. Beides kann funktionieren. Nur eben nicht bei beiden gleichzeitig, wenn Wolfsburg liefert. Die Frage ist deshalb nicht, ob einer der beiden aufsteigt – sondern welcher von ihnen im Mai überhaupt noch die Relegation erreicht.

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