Como hat sich sportlich in die Champions League gespielt: vierter Platz, 71 Punkte, ein Zähler vor Milan. Ob der Klub dort auch zu Hause spielen darf, entscheidet nicht die Tabelle, sondern eine Baustelle am Seeufer.
Der Modus ist nicht neu – nur die Aufmerksamkeit
Vorweg eine Einordnung, die derzeit oft verrutscht: Die Ligaphase mit 36 Teams ist keine Neuerung für 2026/27. Sie läuft seit 2024/25, die kommende Spielzeit ist die dritte in diesem Format. Veröffentlicht wurden zuletzt das Teilnehmerfeld und die Töpfe, nicht ein neuer Modus.
Die Mechanik bleibt: 36 Klubs, eine gemeinsame Tabelle, acht Gegner pro Team – je zwei aus jedem der vier Töpfe, vier Heim-, vier Auswärtsspiele. Die Plätze eins bis acht ziehen direkt ins Achtelfinale, die Ränge neun bis 24 spielen im Februar Play-offs. Ausgelost wird am Donnerstag, 27. August, ab 18 Uhr in Monaco, einen Tag nach den letzten Qualifikations-Rückspielen. Die Ligaphase läuft vom 8. September bis 27. Januar, das Finale steigt am 5. Juni 2027 im Estadio Metropolitano in Madrid.
29 der 36 Startplätze standen schon im Mai fest, sieben werden in den Play-offs am 18./19. und 25./26. August vergeben. Aus der Bundesliga sind Bayern, Dortmund, Leipzig und Stuttgart dabei – vier statt der fünf Plätze der Vorsaison. Spanien und England bekommen über den Koeffizienten je einen Zusatzstarter.
Platz vier, 71 Punkte, ein historischer Nachmittag
Comos Qualifikation fiel am letzten Spieltag der Serie A. Ein 4:1 gegen Cremonese, dazu Milans unerwartete Heimniederlage gegen Cagliari – und der Klub vom Lago di Como zog an den Rossoneri vorbei. Es ist der erste Europapokalstart der Vereinsgeschichte und die beste Serie-A-Platzierung überhaupt; der bisherige Rekord stammte aus der Saison 1949/50, ein sechster Rang.
Der Weg dorthin war kurz und steil. Vor sieben Jahren spielte Como in der Serie D. 2024 endete ein über zwei Jahrzehnte langes Exil aus dem italienischen Oberhaus. Cesc Fàbregas, der 2022 als Spieler kam und über die Eigentümerstruktur zum sportlich Verantwortlichen wurde, hat das Team mit einem auffällig jungen Kader nach oben geführt – 15 Profis im Kader sind nach seinen Angaben unter 23.
Nebenbei sorgt der Aufstieg für eine Fußnote, die es so noch nicht gab: Weil auch die Roma den Sprung schaffte, wird 2026/27 die erste Champions-League-Saison ohne Milan und ohne Juventus.
Ein Stadion von 1927 und ein Regelwerk von heute
Und hier beginnt das eigentliche Problem. Das Stadio Giuseppe Sinigaglia liegt direkt am See, wurde 1927 eröffnet und ist eine der schönsten Kulissen des europäischen Fußballs. Es ist außerdem nicht gebaut für das, was die UEFA von einem Kategorie-4-Stadion verlangt.
An der Kapazität scheitert es nicht: Rund 8.000 Sitzplätze reichen der UEFA, und Bodø/Glimt spielt mit gut 8.000 Plätzen europäisch. Der Haken sind die Konstruktionen. Zuschauerränge müssen dauerhaft und tragend verbaut sein – Rohrgerüste sind nicht zulässig. Genau daraus bestand Comos Kurve.
Am 18. Mai, einen Tag nach dem letzten Heimspiel der Saison, begann der Abriss. Seither entsteht dort ein Rang aus Betonfertigteilen. Der Rasen wurde komplett erneuert, das Spielfeld von 65 bis 66 auf die vorgeschriebenen 68 Meter verbreitert, Trainerbänke und Spielertunnel mussten weichen. Dazu kommen Rasenheizung, Medienarbeitsplätze, Mixed Zone, Kommentatorenpositionen, Behindertenplätze.
| Sinigaglia nach dem Umbau | Wert |
|---|---|
| Kapazität Serie A | 12.379 Plätze |
| Kapazität bei UEFA-Spielen | rund 10.900 Plätze |
| Spielfeldbreite | 68 statt 65–66 Meter |
| UEFA-Mindestanforderung Kategorie 4 | ca. 8.000 feste Sitzplätze |
Der Unterschied zwischen den beiden Kapazitäten erklärt sich aus den Rohrsegmenten in den Distinti- und Monumento-Rängen, die bei internationalen Spielen geschlossen bleiben. Como wird also im eigenen Stadion europäisch kleiner sein als in der Liga.
Reggio Emilia statt Seeufer
Der Klub will den Umbau im September abschließen und arbeitet mit einem beschleunigten Bauzeitenplan, finanziert aus eigener Kasse. Für die ersten drei Ligaspiele weicht Como ohnehin aus – der Saisonstart am 22. August bei Udinese ist der erste von drei Auswärtsspielen in Folge.
Für die Champions League gilt nach dem aktuellen Stand das Mapei Stadium in Reggio Emilia als vorgesehener Spielort. Sassuolos Arena war schon in den Planspielen vom Frühjahr die bevorzugte Lösung, auch weil Udines Bluenergy Stadium für die eigenen Fans deutlich weiter weg liegt. Sollte der neue Rang rechtzeitig abgenommen werden, hofft Como, den ersten Ligaphasen-Spieltag vom 8. bis 10. September doch noch am See auszutragen.
Ganz reibungslos läuft das Tempo nicht. Ein lokales Bürgerkomitee stellt die Rechtmäßigkeit des Verfahrens infrage und fordert eine Prüfung. Und im Juli fiel Beobachtern auf, dass die neue Tribüne offenbar ohne Dach errichtet wird – der Klub hat das nicht kommentiert.
Der zweite Engpass sitzt im Kader
Fàbregas selbst hat schon im Sommer eingeräumt, dass sein Kader für eine Dreifachbelastung dünn ist. Como spielt neben Serie A und Champions League auch die Coppa Italia, mit einem Team, das im europäischen Vergleich kaum Routine besitzt. Acht Ligaphasen-Gegner aus allen vier Töpfen bedeuten mindestens acht Spiele gegen Klubs, die diesen Rhythmus seit Jahren kennen.
Was am 27. August in Monaco gezogen wird, verändert daran wenig. Die Auslosung bestimmt die Form der Hürde, nicht ihre Höhe. Für Como entscheidet sich die erste europäische Saison an zwei Fragen, von denen nur eine mit Fußball zu tun hat.
Ein Verein kann sich das Recht erspielen, in der Champions League zu stehen. Das Recht, sie zu Hause zu spielen, muss er sich bauen.

