„Bin halt kein Guardiola“ – als Klopp Götze ziehen lassen musste

Mario Götze 2014 im Trikot des FC Bayern
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News | Im Sommer 2013 wechselte Mario Götze von Borussia Dortmund zum FC Bayern. Der Transfer sorgte für Aufsehen und entpuppte sich für Spieler und Rekordmeister als Missverständnis. Götzes Berater gibt Einblick in die Hintergründe. 

Götze wollte zu Guardiola

Als Mario Götze (29) im Sommer 2013 für 37 Millionen Euro von Borussia Dortmund zum FC Bayern München wechselte, spielte Volker Struth eine ganz große Rolle: Er war der Spielerberater, der den spektakulären Transfer über die Bühne brachte. In seinem Buch „Meine Spielzüge. Aus der Kohlensiedlung zum erfolgreichsten Spielerberater Deutschlands“ (erscheint am 28. Oktober im Piper Verlag“, spricht er nun über die Hintergründe dieses und weiterer Transfers. Die Bild hat einige Passagen vorab veröffentlicht.



Es war Januar 2013, als Matthias Sammer, damaliger Sportvorstand der Bayern, sich laut Struths Schilderungen bei ihm meldete und sich nach Götze erkundigte. Einen Monat zuvor wurde der Wechsel von Pep Guardiola nach München bekannt gegeben. „Da würde Mario sofort hinwollen; nicht zum FC Bayern, aber zu Guardiola. Und ich fragte mich, ob das gut gehen konnte. Wo war der Platz für Mario in Guardiolas Bayern-Elf? Doch der Name Guardiola machte blind“, so Struth.

Bis März war über dieses Vorhaben nichts durchgesickert. Dann aber musste der Berater bei Michael Zorc, dem Sportdirektor des BVB, anrufen und ihn darüber informierten, dass er seine Ausstiegsklausel ziehen würde. Zorc reagierte geschockt. „Er sagte einfach nichts. Die Stille verweilte. Ich …“, begann Zorc, „ich muss jetzt erst einmal schlucken. Lass uns in fünf Minuten wieder telefonieren.“ Fünf Minuten später rief er wieder an. Er warf mir alle Beleidigungen an den Kopf, die die deutsche Sprache hervorgebracht hat, eine nach der anderen, minutenlang. Ich sagte nur einen Satz. „Ich kann deinen Zorn verstehen. Aber ich kann es nicht ändern.“

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„Ich bin halt kein Guardiola“

Wenige Tage später trafen sich Struth, sein Geschäftspartner Dirk Hebel und Götze mit BVB-Trainer Jürgen Klopp, Michael Zorc sowie Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Struth gestand in seiner Überlieferung, dass er heimlich gehofft habe, Klopp könne Götze von einem Verbleib in Dortmund überzeugen. Der Entschluss des damals 20-Jährigen stand aber fest: „Ich möchte das einmal erleben, für Guardiola zu spielen. Das bedeutet nicht, dass mich irgendetwas in Dortmund stört. Ich weiß bloß, das ist eine Chance, die nie mehr wiederkommt und die ich nutzen will“, soll er gesagt haben.

Struth betont in seinem Buch, dass er seinen Klienten „noch nie so selbstsicher, so emotional im Gleichgewicht“ erlebt hatte. Nach gut zwei Stunden sollen die Verantwortlichen des BVB gemerkt haben, dass Götze nicht umzustimmen war. „Ihre Wut traf mich. Denn ich hatte doch sicher Mario eingeimpft, was er zu sagen hatte, oder wieso trat der so unfassbar entschieden auf? Aber auch gegenüber Mario hielten die Dortmunder ihre Enttäuschung nicht mehr zurück“, erinnert sich der Berater. Klopp soll sogar gesagt haben: „Hab schon verstanden, Mario, ich bin halt kein Guardiola“, sagte Klopp und machte mit grimmig zusammengepressten Lippen ein paar komische Geräusche, pfff, phhh, paah, „ist halt der Guardiola, der spielt ja auch dieses Tikitaka.“

 

Struths Zweifel wurden bestätigt

Im April 2013 wurde Götze schließlich beim FC Bayern präsentiert. Kurz vor dem Medizincheck soll Struth gegenüber Götze und dessen Vater noch einmal seine Bedenken geäußert haben. „Es ist eure Entscheidung. Aber als Berater muss ich es so klar sagen: Ich habe Bauchschmerzen bei diesem Wechsel“, habe er gesagt. Götze aber war „ganz sicher“.

Struths Zweifel wurden schließlich bestätigt. Nach drei Jahren beim Rekordmeister kehrte er 2016 für 22 Millionen Euro zum BVB zurück. Seine beachtlichen Leistungen, die ihn in einst zu einem europäischen Shootingstar machten, konnte er aufgrund von Form- und Gesundheitsproblemen allerdings nie konstant wiederholen. 2020 wechselte er ablösefrei zur PSV Eindhoven.

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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