Das Interesse an der Bundesliga nimmt ab: Zaghafte Schlichtungsversuche der DFL

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Die Bindung zwischen der Bundesliga und den Fans bröckelt. Die Frage nach der Schuld ist komplex. Die Suche nach Lösungen ebenfalls. Die DFL startet ab der kommenden Saison einen zaghaften Schlichtungsversuch.

Jeder wird es aus dem Bekanntenkreis oder von sich selbst kennen: Das Interesse an der Bundesliga scheint seit der Corona-Pandemie vielerorts geschwunden zu sein. Seit Monaten wird munter darüber fabuliert, dass sich der Profifußball immer weiter von seiner Basis entferne. Auf Dauer kann dies nicht gut gehen, heißt es in solchen Debatten oft.

Immer weniger Zuschauer gehen ins Stadion

Gefühlt war diese Diagnose schon immer richtig. Erfahrungen, bestehend aus zahlreichen Anekdoten, scheinen eindeutig zu sein, sind aber noch lange kein Beweis. Nun gibt es allerdings auch wissenschaftliche Evidenz, die der Frage nachgeht, ob das Interesse an der Bundesliga während der Corona-Pandemie nachgelassen hat. Und die Ergebnisse sind für die Deutsche Fußball Liga alarmierend.



Ein Report, der die Auslastung der Bundesliga-Stadien in der laufenden Saison mit den vergangenen Spielzeiten vergleicht, legt offen, dass die Zuschauerzahlen aktuell rückläufig sind. Ab dem siebten Spieltag, als die Corona-Einschränkungen gelockert wurden und wieder mehr Zuschauer in die Stadien durften, blieben pro Spieltag pro Stadion fast 5.000 Plätze unbesetzt. Die Auslastungsquote lag damit bei etwas mehr als 80%. Zum Vergleich: In den Saison 2017/18, 2018/19 und 2019/20 lag die Auslastungsquote durchschnittlich bei 90%.

Eine mögliche Erklärung dafür ist die höhere Vorsicht der Menschen. Nicht jeder geht inmitten einer Pandemie ins Stadion und feiert mit Tausenden von Menschen auf engstem Raum. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Auslastung wieder ansteigt, wenn sich die pandemische Lage wieder entspannt.

Ein Drittel der Fans hat weniger Interesse am Fußball

Noch frappierender ist eine andere Entwicklung. Die Studie „Fanrückkehr“ der Universität Würzburg stellte fest, dass das Interesse bei einem Drittel der Fans seit der Corona-Pandemie geringer geworden sei. Passend zum Rückgang der Stadionauslastung erklärten ebenfalls ein Drittel der Befragten, dass sie weniger Interesse an einem Stadionbesuch hätten. Gleichgeblieben sei das Interesse am Profi-Fußball nur bei etwas mehr als der Hälfte der Befragten, geht aus der Studie hervor.

Krösche besorgt wegen Zuschauerrestriktionen: „Es findet eine Abgewöhnung statt“
 

Prof. Harald Lange, der die Studie leitete, erklärt diese Entwicklung in einer Sportschau-Dokumentation damit, dass in den Jahren 2006 bis 2008 der Fußball in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Die Beliebtheitswerte und das Interesse seien demzufolge immer weiter gestiegen. Nun seien wir aber an einem Wendepunkt. Die Kritik am kommerziell ausgerichteten Profi-Fußball sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen, analysiert Lange – und das Interesse würde folglich nachlassen. Beweise für diese Erklärung hat er nicht. Seine Beobachtung ist trotzdem plausibel.

Eine weitere Entfremdung von den nationalen Fans droht

Die Folgen einer solchen Entwicklung könnten für den Profi-Fußball verheerend sein. Ticketverkäufe und TV-Gelder sind zwei der wichtigsten Einnahmequellen der Klubs. Der Quell dieser Gelder sind also die Fans. Das bedeutet, dass die Fans die Basis des Wirtschaftsfaktors Fußball bilden. Schwindet das Interesse, sinken die Einnahmen.

Und betrachtet man dieses Problem global, könnte ein schwindendes Interesse deutscher Fans an der Bundesliga bedeuten, dass sie den Anschluss an andere Ligen, etwa die Premier League, verliert. Ein schwindendes Interesse der Fans an der Premier League ist nämlich nicht festzustellen. Vor allem International steigt die Faszination an der englischen Top-Liga, etwa in den USA. TV-Verträge werfen Gelder in Rekordsummen ab, ein Ende dieser Entwicklung scheint nicht in Sicht. Ein Grund dafür ist die Vermarktungsstrategie der Premier League, die im Gegensatz zu der der Bundesliga, viel stärker auf internationale Märkte ausgelegt ist.

Sollte sich also die Entwicklung fortsetzen, dass das Interesse an der Bundesliga bei nationalen Fans weiter sinkt, könnte eine Strategie sein, die schwindenden Einnahmen auszugleichen, indem man der internationalen Vermarktungsstrategie der Premier-League nacheifert. Ehrlicherweise hat sich der Fokus der Bundesliga in den letzten Jahren bereits immer weiter vom nationalen, hin zum internationalen Markt entwickelt.

Dies könnte sich als Folge einer solchen Entwicklung zuspitzen. Die neue DFL-Chefin Donata Hopfen deutete im Interview mit der „Bild am Sonntag“ bereits an, dass alles denkbar sei und nannte sogar konkret „einen Supercup in Saudi-Arabien“. Dass eine solche weitere Expansion eine Entfremdung zwischen der nationale Fanbasis und der Bundesliga wohl eher verschärfen würde, als sie zu mindern, weiß auf die DFL. Eine solch gefährliche Spirale der Entfremdung wollen die Klubs verhindern.

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Ein halbherziger Schlichtungsversuch der DFL

Ein Schlichtungsversuch läuft bereits in der kommenden Saison an. Im Dezember haben die Profiklubs beschlossen, die DFL-Lizenzierungsordnung diesbezüglich zu reformieren. Zur Erklärung: In der DFL-Lizenzierungsordnung sind alle Vorgaben aufgelistet, die ein Verein erfüllen muss, um in der Bundesliga spielen zu dürfen. Sie sind also verpflichtend für alle Profiklubs.

Bisher wurden den Klubs nur nahegelegt, den Dialog mit den Fans zu suchen. Ab der kommenden Saison ist ein steter Austausch zwischen den Klubs und den Fans verpflichtend. Klingt prinzipiell vielversprechend. Wie dieser Dialog konkret aussehen wird und ob der Austausch über die Ebene des Miteinandersprechens hinausgeht, ist jedoch weitgehend unklar. Ob die Interesse der Fans tatsächlich in die Entscheidungen der Klubs und der Liga einfließen, ebenfalls. Fest steht bisher nur, dass an den Sitzungen der Fangruppen immer eine Fanbeauftragte oder ein Fanbeauftragter des Vereins teilnehmen muss und mindestens einmal pro Saison auch die Führungsebene des Klubs.

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Ob es sich bei dem Schlichtungsversuch um mehr als nur eine Satzungsänderung handeln wird, liegt also an den Klubs. Ein vertiefter Dialog ist nur fruchtbar, wenn sich beide Seiten gehört fühlen. Und die Fans werden sich nur gehört fühlen, wenn ihre Interessen in die Entscheidungsfindung der Klubs einfließen. Und dieser, der entscheidende Teil, ist weiterhin nicht verpflichtend.

(Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images)

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