Bundesliga | „Müssen aufhören, jedes Mal alles nach Köln zu schieben“ – Die Stimmen zu Union Berlins Sieg gegen RB Leipzig

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News | 2:1 gewann Union Berlin das Topspiel des 3. Bundesligaspieltags gegen RB Leipzig. Nach der Partie sammelte Sky Stimmen ein.

Siebatcheu und Becker sorgen für Rekordstart – und verfinstern Leipzigs Saisonbeginn

Zwar begann RB dominant und hätte in der 12. Minute einen Elfmeter bekommen können, als Timo Werner im Zweikampf mit Christopher Trimmel zu Boden ging. Jedoch zeigten sie sich vor allem in der ersten Hälfte nicht durchschlagskräftig genug. Union hatte nicht viel Ballbesitz, wusste daraus aber das Maximum herauszuholen. 32. Minute, Sheraldo Becker machte einen Flachpass auf der rechten Seite fest und setzte im Zentrum Jordan Siebatcheu ein, der trocken vor Janis Blaswich vollendete. 13 Sekunden lagen zwischen Ballgewinn und 1:0.

12 Sekunden waren es in Minute 38. Diesmal dasselbe Spiel umgekehrt, Siebatcheu auf Sheraldo Becker, dessen Schlenzer oben links einschlug. RB Leipzig versuchte nach der Pause Union unter Druck zu setzen und zu hohen Ballgewinnen zu kommen. Bis auf eine Chance, die Julian Ryerson auf der Linie klärte, fehlte aber auch hier Kreativität und Präzision.

 



 

Also mussten sie sich den Weg zurück ins Spiel erzwingen. 83. Minute, Christopher Nkunku servierte Leipzigs elften (!) Eckball des Abends in die Mitte. Willi Orbán übersprang Gegenspieler Kevin Behrens und köpfte zentral ein, weil Frederik Rønnow zögerte und daher durchs Niemandsland irrlichterte. Werder Bremen hatte am heutigen Abend bereits gezeigt, wie ein Last-Second-Comeback geht. RB Leipzig wusste es allerdings nicht zu reproduzieren.

Damit stecken sie nicht nur auf Platz 12 fest und können von Eintracht Frankfurt (gegen den 1. FC Köln) und/oder dem VfL Bochum (gegen den FC Bayern) weiter durchgereicht werden. Sie gewinnen erstmals in ihrer Bundesligahistorie keines der ersten drei Spiele, sind seit vier Bundesligapartien sieglos, ein eingestellter Negativrekord. Außerdem war es in der Liga die vierte (1:2-)Niederlage gegen Union Berlin am Stück.

Die Eisernen hingegen springen mit den drei Zählern auf Platz 2, hinter Tabellenführer Borussia Mönchengladbach und haben mit sieben Zählern aus den ersten drei Partien den besten Start ihrer Ligahistorie. Sky sprach nach dem Spiel mit Siegern, Verlieren – und dem Unparteiischen.

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„Wollen gerne da oben bleiben“ – Union frohlockt nach Sieg über RB, Aytekin äußert sich zur Elfmeterszene

Bis lang nach Abpfiff blieben die Unioner Fans im Stadion und sangen „Deutscher Meister wird nur der FCU!“ Die Laune könnte in Berlin-Köpenick momentan kaum besser sein. Nach drei Spielen steht Union bei sieben Zählern, der beste Start ihrer Ligahistorie. Macht im Klassement Platz 2. Für Robin Knoche „eine schöne Momentaufnahme. Einfach diesen Moment genießen. Sowohl im Verein als auch im Umfeld. Das darf, glaube ich, schon gemacht werden. Dann schauen wir nächste Woche weiter. Wir wollen natürlich daran anknüpfen und gerne da oben bleiben.“

Zu dieser Euphorie wäre es vielleicht gar nicht gekommen, hätte es in Minute 12 nach dem Kontakt von Christopher Trimmel an Timo Werner Elfmeter gegeben. Unions Kapitän machte aus seinem Fauxpas nach der Partie keinen Hehl: „Ein bisschen Glück gehört auch dazu, Pfostenschuss, meine Aktion. Es gibt Schiedsrichter, die pfeifen Elfmeter. So ehrlich bin ich. Es ist definitiv der Kontakt da. Ich bin vor ihn gekommen. Timo kippt das Bein rein, ich steig drauf. Wie gesagt, den haben schon einige gepfiffen.“

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Photo by ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images

Für Schiedsrichter Deniz Aytekin war der von Trimmel angesprochene Kontakt allerdings nicht ursächlich dafür, dass es keinen Elfmeter für Leipzig gab: „Auf dem Platz war für uns die Ursache, dass Timo ins Straucheln kam, der Kontakt oben. Wenn man das in der Normalgeschwindigkeit anschaut, so wie ich es auf dem Platz auch wahrgenommen habe, sieht man, dass er oben leicht berührt wird und dann ins Straucheln kommt. In der Folge läuft er weiter, auch der Verteidiger läuft weiter und tritt ihn dann unten natürlich. Aber die Ursache, warum er runterfällt, war für mich schon diese leichte Berührung oben und deswegen bin ich nicht auf Elfmeter gegangen.“

Wenngleich sich Aytekin offen für gegenteilige Meinungen zeigte und anerkannte, dass es eine knappe Situation gewesen sei, so forderte er: „Wir müssen auch aufhören, jedes Mal alles nach Köln zu schieben. Am Ende habe ich als Schiedsrichter die Verantwortung. Und wenn ich auf dem Platz – exakt das habe ich dem Günter Perl beschrieben – oben einen Kontakt wahrnehme; wenn du für dich sagst, das war ein langes Halten, dann ist es okay. Aber wir dürfen nicht jedes Mal den Videoschiri in den Vordergrund schieben, weil wir Schiedsrichter die Entscheidung treffen müssen und für mich war es – in dem Ablauf – der Kontakt oben, nicht ausreichend für einen Elfmeter.“

„Haben irgendwas gespielt“ – Tedesco nach erster Saisonniederlage bedient

Die Szenerie beim Interview mit Domenico Tedesco hatte viel Bezeichnendes für die aktuelle RB-Saison. Ein Leipziger Trainer, der sich erklären muss und dessen bisweilen nur bedingt tragfähige Sprechstimme von der Kulisse gnadenlos überdröhnt wurde.

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Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images

Gewohnt kühl analysierte er die vergangenen 90 Minuten: „Der Punkt ist der Ballverlust selbst. Da wollten wir ja nicht in die rote Zone spielen. Rote Zone, das ist das Paradebeispiel, wie Union Berlin Bälle gewinnt. Wenn man diese Bälle vor die Kette spielt, dann verteidigen sie nach vorne und haben extrem viele Ballgewinne. Wir müssen eigentlich, das war das Ziel, viel verlagern, eher rausspielen, immer wieder über die Flügel kommen. Wir haben das 20 Minuten lang nicht gemacht – und dann kriegst du zwei Tore. 20 Minuten waren es, wo wir es nicht gemacht haben, wo wir irgendwas gespielt haben. Dann kommen die Gegentore zustande. Und das ist extrem bitter, weil wir die ersten 28 Minuten richtig gut im Spiel waren, haben einen Pfostenschuss mit dem Timo, einen Fast-Elfmeter – und dann kriegen wir mit den ersten beiden Torchancen zwei Buden.“

„Ernüchternd“ sei der Saisonstart für Tedesco gewesen. „Bei Union ist es immer schwierig, das wussten wir. Aber eigentlich war es heute gar nicht so schwierig. Ich hatte die ganze Zeit ein gutes Gefühl, sag ich Ihnen ganz ehrlich. Natürlich stehen sie tief und man sagt, wir dürfen die Ballverluste nicht haben. Wir dürfen nicht da reinspielen, wo sie wollen, sondern genau das machen, was der Plan war. Und das haben wir leider nur 70 Minuten lang gemacht.“

Photo by RONNY HARTMANN/AFP via Getty Images

Victor Catalina

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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