Football Leaks | Leverkusen-Sportdirektor Boldt: Scheinangebot! Gemeinsame Sache mit Beratern

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Am Ende der laufenden Saison wird Jonas Boldt Bayer 04 Leverkusen verlassen, wie zuletzt bekannt wurde. Der ehemalige Scout der „Werkself“ hatte sich langsam aber sicher hochgearbeitet, stieg sukzessive auf, zuletzt zum Sportdirektor. Ein Vorgang aus dem Jahr 2015, der nun vom „Spiegel“ im Zuge der „Football Leaks“ veröffentlicht wurde, lässt Boldt nun in einem anderen Licht erscheinen. 

 

Boldt nutzte Bayer Leverkusen für Scheinangebot

Dabei geht es um einen Vorgang aus dem Frühling 2015. Jonas Boldt soll sich dabei zum Handlanger für drei befreundete Spielerberater gemacht haben. Demnach soll Boldt ein Scheinangebot im Namen von Bayer 04 Leverkusen für einen Torhüter abgegeben. Dadurch konnten die Berater bei ihren Vertragsgesprächen mit einem Klub aus der Premier League einen finanziellen Vorteil herausschlagen, da sich die Verhandlungsposition entscheidend verbessert hat.

Die Folge: Der angesprochene Torhüter erhielt einen besser dotieren Vertrag, die Berater selbst ein Millionenhonorar. Solche Gerüchte über derartige Ansprachen gibt es immer wieder, in der Regel aber keine Beweise. Im Fall von Jonas Boldt ist dies anhand der dem Spiegel vorliegenden Dokumente anders.

Dieser Fall dokumentiert die Nähe zwischen Klubmanagern und Spielerberatern. Die Hintergründe des Falles rund um Jonas Boldt führen nach Nürnberg, wo 2013 drei ehemalige Adidas-Manager(Daniel Delong, Thorsten Wirth, Hannes Winzer) eine Agentur für Spielerberatung gründeten, die mittlerweile Nationalspieler wie Kai Havertz oder Serge Gnabry vertritt. Und auch Lukasz Fabianski, ein polnischer Torhüter, der mittlerweile für West Ham United spielt.

„Verdienst an Fabianski deutlich erhöhen“

In diesem Fall geht es um eben jenen Fabianski. Als dieser beim FC Arsenal keine Chance mehr hatte wechselte er innerhalb der Premier League und schloss sich Swansea City an. Dort blühte er auf, spielte häufig zu null. Die Berater erkannten, dass mehr Geld herausgeholt werden konnte und hatten eine Idee. „Wenn der Schachzug klappt, werden wir unseren Verdienst an Fab deutlich erhöhen“, soll Wirth in einer Mail an seine Kollegen geschrieben haben.

Wirth erzählte seinen Kollegen von einem vorgetäuschten Angebot, das ein Bundesligaklub, der einen Stürmer innerhalb der Bundesliga verkaufen wollte, aus der Premier League eingeholt hatte. Damit wurde der potenzielle Käufer unter Druck gesetzt, zwei Millionen Euro mehr eingenommen. Von diesen Mehreinnahmen flossen 80o.000 Euro an den Spielerbrater. „Smarter Drecksau-Move. Kann man moralisch davon halten, was man will, es hat funktioniert“, schrieb Wirth demnach seinen Kollegen.

Eben jenes Vorgehen wollte man selbst bei Lukasz Fabianski ausprobieren, heißt es, obwohl man auf „Spiegel“-Anfrage dementierte („nicht unser Stil“). Fabianski verdiente damals 35.000 Pfund pro Woche, die Berateragentur forderte eine Erhöhung des Gehaltes auf 50.000 Pfund, dafür werde der Spieler auf seine Ausstiegsklausel verzichten. Auch die eigene Beteiligung der Berater wurde geregelt und sollte sich insgesamt auf mehr als 2 Millionen Pfund belaufen. Wohl gemerkt für einen Vertrag, der noch lange gültig war.

 

Jonas Boldt kommt ins Spiel

Der Verein kannte den Markt, wusste, dass ein 30-jähriger Torhüter, der gerade erstmals wirklich auf sich aufmerksam machen konnte, nicht die Masse an Interessenten anzieht. Gerade das Beraterhonorar war den Walisern ein Dorn im Auge. Im Mai 2015 schrieb Wirth seinem Kollegen Delonga eine E-Mail im Namen von Jonas Boldt und formulierte, dass Bayer 04 explizit Interesse an Fabianski hinterlegen würde. Diese vorgefertigte Mail schrieb er später auch an Jonas Boldt, der sie dann erneut weitersendete – an den Kollegen Wirth.

Als die Gespräche mit Swansea stockten wurde dieser Gesprächsverlauf offen gelegt. Der Klub aus Wales stand nun unter Druck, die Berateragentur teilte dem Verein mit, dass dieser nun am Zug sei, lange genug Zeit gehabt habe. Und man hatte Erfolg: Swansea verlängerte den Vertrag, für die Berater sprang ein Honorar von mehr als 1,3 Millionen Pfund heraus. Bayer 04 Leverkusen teilte lediglich mit, dass man sich damals mit „mehreren Torhütern“ befasst und dies auch „in einigen Fällen“ an die Spielerberater kommuniziert habe. Jonas Boldt, so heißt es, habe niemals an Transfers oder Vertragsverlängerungen von eigenen oder externen Spielern partizipiert.

 

 

 (Photo by Mathis Wienand/Getty Images for WhatsGoal 

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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