Jedes Jahr aufs Neue wird im Vorfeld einer Bundesliga-Saison versucht, möglichst präzise Vorhersagen in Bezug auf die anstehenden sportlichen Ereignisse zu treffen. Experten, die Medien und Fans streiten sich über den prognostizierten Meister, Geheimfavoriten oder Kellerkinder in spe.
Auch die Shooting-Stars geben eine beliebte Kategorie ab. Spieler, die nicht nur endgültig den Bundesliga-Durchbruch schaffen oder ihre Premiere im deutschen Oberhaus feiern, sondern der anstehenden Spielzeit durch auffallend starke Leistungen eindrucksvoll ihren Stempel aufdrücken.
Auch in dieser Saison haben sich einige Akteure hervorgetan und sind vom Status des Rohdiamanten mit enormen Schliffpotential zu echten Difference-Makern auf dem höchsten Level im deutschen Vereinsfußball geworden.
Honorable Mentions: Christian Kofane, Bazoumana Touré, Wael Mohya, Mio Backhaus, Jobe Bellingham, Fisnik Asllani, Karim Coulibaly
Lennart Karl
Die offensichtlichste Wahl in dieser Kategorie. Vor der Saison vornehmlich Kennern ein Begriff, zeigte Karl schnell auf, warum die Bayern außer Luis Diaz auf große Investitionen in die eigene Offensive verzichteten. Der 18-Jährige absolvierte in seiner Debütsaison 25 Bundesliga-Spiele, in denen er fünf Treffer selbst erzielte und sechs weitere vorlegte. Auch in der Champions League machte der offensiv flexibel einsetzbare Wirbelwind nachhaltig auf sich aufmerksam und kam in acht Spielen auf vier Tore und zwei Vorlagen.
Nicht wenige seiner Scorerpunkte werden es zum Ende der Spielzeit in den Jahresrückblick schaffen. Karl versprühte auf dem Platz außergewöhnliche Spielfreude und zeigte oft ein gewisses Etwas, das ihn von anderen Spielern abhebt. Sich auf Anhieb im Alpha-Team des deutschen Rekordmeisters durchzusetzen sagt genug über Karls‘ Klasse aus, der unter Bundestrainer Julian Nagelsmann Ende März sein Nationalmannschaftsdebüt feiern durfte.
Das Wunderkind hat mehr als realistische Chancen auf seine erste WM-Teilnahme, wenn Nagelsmann den endgültigen Turnier-Kader bekanntgeben wird. Läuft alles normal, wird Karl für Verein und Land über die nächsten Jahre immer weiter zu einem enorm wichtigen Baustein reifen.
Ibrahim Maza
Es gab vergangenen Sommer einfachere Jobs, als Florian Wirtz auf der Spielmacher-Position in Leverkusen zu beerben. Um den Verlust des Nationalspielers aufzufangen, verpflichtete Bayer Leverkusen sowohl den bereits international erfahrenen Malik Tillmann, als auch Hertha-Juwel Ibrahim Maza. Letzterer sollte genug Zeit für seine Entwicklung bekommen und auch von Tillmann lernen können.
Fast ein Jahr später ist Maza längst auf Platz 1 der Hierarchie vorgesprungen. Der algerische Nationalspieler wurde nach vorsichtigem Start schnell besser und schaffte es, seine spielerische Klasse auf der wichtigen Zehner-Position immer konstanter auf den Platz zu bringen. In der Bundesliga kam der 20-Jährige auf 28 Einsätze, in denen er drei Treffer selbst erzielte und fünf Tore vorbereitete.
Im Zuge dessen steigerte der algerische Nationalspieler seinen Marktwert von zwölf-, auf 40 Millionen Euro. Ein weiterer Entwicklungssprung im nächsten Jahr ist nicht unrealistisch. Maza kann mit Jarell Quansah, Ernest Poku und Christian Kofane ein junges Grundgerüst in Leverkusen bilden, worauf neue Erfolge aufgebaut werden sollen.

Said El Mala
Laut schallte der Name des 19-Jährigen in dieser Saison in regelmäßigen Abständen durch das Kölner Rhein-Energie-Stadion. So laut, wie schon lange niemand mehr in Müngersdorf abgefeiert wurde. El Mala verdiente sich die Huldigungen durch seine unnachahmliche Power, Leidenschaft und Klasse. Ohne ihn hätte der Effzeh wohl noch deutlich größere Probleme bei der Mission Klassenerhalt erlebt.
Mit seiner Beidfüßigkeit stellte der Jungstar seine Gegenspieler regelmäßig vor massive Probleme in der Verteidigung. Zu Saisonbeginn noch oft als Joker eingesetzt, war der Linksaußen spät in Partien kaum zu halten. Ex-Trainer Lukas Kwasniok wollte sein Juwel nicht frühzeitig verheizen. Irgendwann wurden die Stimmen nach einer Startelfgarantie aber zu laut, zu gut präsentierte sich El Mala. Zum Saisonende standen Statistiken von 13 Toren und fünf Vorlagen zu Buche.
Gut genug, um auf dem Radar des Bundestrainers zu landen. El Mala wurde 2026 erstmals für die Nationalmannschaft nominiert. Die WM könnte für den Flügelstürmer noch zu früh kommen, nichtsdestotrotz besitzt er das Potential, in den kommenden Jahren auch mit dem Adler auf der Brust zum Hoffnungsträger werden.

Yan Diomande
,,Ich glaube, es ist mittlerweile so, dass die Außenverteidiger schon hoffen, dass er auf der anderen Seite aufläuft.“ Diese Aussage von RB-Leipzigs-Cheftrainer Ole Werner fasst die Premierensaison von Flügelstürmer Yan Diomande gut zusammen. Im Sommer aus dem spanischen Leganés nach Sachsen gekommen, brauchte der 19-Jährige wenig Anlaufzeit um voll einzuschlagen.
Diomande präsentierte sich als pfeilschneller Dribbler, der zu jeder Zeit Gefahr ausstrahlte und zu besonderen Momenten in der Lage schien. Letztere sammelte er reichlich. Der junge Ivorer erzielte in der Bundesliga zwölf Treffer selbst und legte neun weitere für seine Mitspieler auf.
Der Mann mit dem Nachnamen über dessen Aussprache regelmäßig neue Varianten kursieren, hat durch seine auffälligen Leistungen auch internationale Top-Klubs auf sich aufmerksam gemacht. Diomande selbst bezeichnete den FC Liverpool als seinen Lieblingsklub, die Reds suchen passenderweise einen Nachfolger für Klub-Legende Mohamed Salah.
Leipzigs‘ Aufsichtsratchef Oliver Mintzlaff sprach sich allerdings klar gegen einen Verkauf aus – selbst wenn ein 100-Millionen-Angebot bei RB eingehen sollte. Schließlich hält Mintzlaff es für möglich, dass Diomande seinen Marktwert in Leipzig kommende Saison weiter steigern kann – für die Bundesliga wäre der Verbleib des Shooting-Stars ein klarer Gewinn.
Johan Manzambi
Das ,,Schweizer Taschenmesser“ der Bundesliga darf in dieser Auflistung nicht fehlen. Das Wortspiel ist im Fall des in Genf geborenen Manzambis keineswegs erzwungen, sondern tatsächlich die perfekte Beschreibung seiner Fähigkeiten. Für den SC Freiburg erwies sich der zentrale Mittelfeldspieler als hochqualitative Allzweckwaffe.
Manzambi bietet das Komplettpaket. Der 20-Jährige kann Dribbeln, Passen, Schießen und Verteidigen. Das alles auf höchstem Niveau und jederzeit abrufbar. Der Schweizer Nationalspieler lief wettbewerbsübergreifend in 46 Partien für den Sportclub auf und war ein großer Erfolgsfaktor für die Breisgauer auf dem Weg ins Europa-League-Finale. Beim Halbfinal-Rückspiel gegen Sporting Braga erzielte Manzambi per Traumtor das 2:0 und stellte auf großer Bühne seine außergewöhnliche Klasse unter Beweis.
Wie viele andere Akteure auf dieser Liste, befindet sich auch Manzambi auf dem Einkaufszettel internationaler Top-Klubs. Kommt es zu einem Transfer im Sommer, ist ihm definitiv der Status als neuer Rekord-Abgang des Sportclubs sicher. Sein Marktwert wird aktuell auf 35 Millionen taxiert.
Luka Vuskovic
Mit 19 Jahren in seiner Bundesliga-Debütsaison zu einem der besten Innenverteidiger der Liga reifen und dabei die Erwartungen und Hoffnungen eines Traditionsverein schultern? Das geht, zumindest wenn man die Saison von Luka Vuskovic betrachtet.
Der jüngere Bruder von Ex-HSVler und in einen Dopingskandal verstrickten Mario Vuskovic beeindruckte im Volkspark durch seine bemerkenswerte Reife und Führungsqualitäten. Der Kroate ging voran, gab hinten den verlässlichen Abräumer mit herausragenden Fähigkeiten in Zweikampf- und Kopfballspiel und hatte auch im gegnerischen Sechzehner seine Momente. Unter anderem entschied Vuskovic durch einen spektakulären Hackentreffer das Hinrunden-Nordderby gegen Werder Bremen und spielte sich so in die Herzen der HSV-Fans.

Der Klassenerhalt der Hanseaten ist zu einem Großteil auch den Verdiensten des jungen Leaders zuzuschreiben. Allerdings währt das Vuskovic-Vergnügen für Hamburg nur kurz. Im Sommer kehrt der 19-Jährige zu seinem Stammverein Tottenham Hotspur zurück. Bei einem Marktwert von 60 Millionen Euro ist der Shooting-Star für die Rothosen nicht zu halten. Sein sicherer Abgang ist ein großer Verlust für die Bundesliga, nicht nur für den HSV.

