Bayern und die Mittelfeldfrage vor dem Topspiel: Das Streitgespräch

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Am Samstag ist es mal wieder soweit, der FC Bayern München muss nach Dortmund und das Topspiel in der Bundesliga steht auf dem Programm. Der Rekordmeister zeigte sich zuletzt formverbessert, aber noch immer gibt es einzelne Fragezeichen. 

Bayern vor dem Dortmund-Spiel: 2 aus 4 im Mittelfeldzentrum

Wenn am Samstagabend Borussia Dortmund den FC Bayern empfängt, wird es in Sachen Aufstellungen beider Teams spannend. Beim Rekordmeister vor allem im zentralen Mittelfeld. Gegen Leverkusen spielten Joshua Kimmich und Marcel Sabitzer, gegen Pilsen dann Ryan Gravenberch und Leon Goretzka. Positiv: Keiner dieser Spieler hat enttäuscht. Das macht es aber schwierig für den Trainer, Julian Nagelsmann, die perfekte Auswahl zu treffen. Nun hat sich Kimmich mit dem Coronavirus infiziert und bei ihm steht noch nicht fest, ob er spielen kann, aber sollte die Isolation enden und er beschwerdefrei trainieren, wird ihn alleine der Ehrgeiz antreiben.



Es dürfte also spannend sein, wen der Trainer für das Mittelfeldzentrum auswählt. Die richtige Balance ist hier entscheidend, eine Absicherung gegen die Konter des BVB muss vorhanden sein, gleichzeitig aber auch die Spielkontrolle, um ruhigere Phasen auf dem Feld generieren zu können. Für mehrere Besetzungen finden sich Argumente. Doch wer sollte am Ende spielen?

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Kimmich und Goretzka sollten gegen Dortmund spielen

Es ist ein echtes Luxusproblem, welches der FC Bayern auf der Positio im zentralen Mittelfeld vorfindet. Während es in den letzten, so erfolgreichen Jahren, keine Frage war, dass die Doppel-Sechs mit Leon Goretzka und Joshua Kimmich besetzt wird, drängt nun Marcel Sabitzer in die Startelf. Der Österreicher spielt eine starke Saison und macht dem Nationalspieler die Position streitig. Im Interview nach dem Spiel gegen Viktoria Plzeň platzte Goretzka der Kragen.

Doch auch wenn Sabitzer die vermeintliche Balance verstärkt, so muss der Triple-Sieger von 2020 neben seinem angestammten Partner Kimmich auflaufen, sofern dieser zu 100 % spielfit ist. Beide sind privat gut befreundet, haben die größten Triumphe ihrer Laufbahn zusammen gefeiert und sind immer auf dem Punkt in Topform.

Die Champions-League-Partie gegen den FC Barcelona ist vielleicht das treffendste Beispiel. Im ersten Durchgang agierte der Österreicher neben Kimmich. Schlampige Pässe im Aufbau prägten sein Spiel, auch wenn seine Zweikampfstärke nicht von der Hand zu weisen ist. Mit einem glücklichen 0:0 ging es in die Pause. Julian Nagelsmann reagierte zur Pause und brachte Goretzka, das Spiel war nun ein anderes.

Durch seine gefährlichen Vorstöße wurde der FCB dominanter. Seinen Distanzschuss parierte Marc-Andre ter-Stegen zur Ecke, welche Lucas Hernandez in der Folge zum 1:0 nutzen konnte. Vielleicht ist das Doppel Kimmich-Sabitzer gegen tiefstehende, auf Konter agierende Gegner erfolgversprechender, doch Goretzka ist häufig in genau jenen Momenten entscheidend, wenn an ihm gezweifelt wird.

Nicht selten werden große Spiele durch Standardsituationen entschieden. Mit seiner Körpergröße und Robustheit besitzt Goretzka Vorteile. Zudem ist es das erste Duell gegen seinen Kumpel Niklas Süle. Das Alphatier Goretzka, der mit Joshua Kimmich sein Herz auf dem Spielfeld lassen wird, muss auf dem Platz stehen.

Kimmich Goretzka

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Hendrik Wiese

Nein, Sabitzer und Kimmich ist die ausbalanciertere Konstellation

Schaut man sich die Tabellen in Bundesliga und Champions League an, fällt schnell auf, dass sich die Defensive des FC Bayern im Vergleich zu den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Sowohl sechs Gegentore, als auch null in der Königsklasse sind jeweils Bestwert. 2020-21 kassierte der Rekordmeister mit zwölf nach acht Partien in der Bundesliga noch doppelt so viele Gegentreffer wie jetzt, vergangene Saison waren es deren acht.

Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Innenverteidiger Dayot Upamecano, Lucas Hernández sowie Matthijs de Ligt auf einem konstant hohen Level performen. Hauptsächlich aber kommen diese Werte durch die neu dazugewonnene Stabilität im Mittelfeld zustande.

Stabilität, die ein Mittelfeld aus Joshua Kimmich und Leon Goretzka nicht garantieren kann. Beide sind Führungsspieler, wollen Verantwortung übernehmen und zeigen das durch ihre wiederholten Vorstöße in die Offensive. Kimmich ist am stärksten, wenn er aus einer progressiven Achterposition heraus das Spiel gestalten kann. Goretzka lebt davon, sich mit seinem extrem wuchtigen Körper wie ein Schneepflug durchs Mittelfeld in den Strafraum zu tanken.

Allein, in diesem Fall fehlt jemand, der den Sechserraum durchgängig besetzt. Das macht den Rekordmeister anfällig für gegnerische Konter. So wie beispielsweise im Achtelfinal-Rückspiel gegen den Villarreal CF, als Kingsley Coman urplötzlich Giovani Lo Celso zu stoppen versuchte, dieser schon längst Gerard Moreno mitgenommen hatte, dessen Zuspiel perfekt bei Samu Chukwueze zum 1:1 landete.

Bundesliga Borussia Dortmund FC Bayern

Goretzka machte am frühen Dienstagabend beim 5:0 über Viktoria Plzeň ein starkes Spiel an der Seite von Ryan Gravenberch und legte zwei Tore auf. Ohne Goretzka gehörte Kimmich beispielsweise beim 2:0-Sieg in San Siro zu den stärksten Akteuren auf dem Platz, kam auf 107 Ballkontakte und lieferte die klasse Vorlage für Leroy Sané zum 0:1. Wohingegen der Rekordmeister mit beiden zusammen auf dem Platz sein einziges Spiel der Saison mit mehr als einem Gegentor ablieferte (2:2 gegen Stuttgart) sowie die einzige Saisonniederlage kassierte (0:1 in Augsburg). Im Anschluss an die Partie sagte FCA-Manager Stefan Reuter, man habe noch nie soviele Chancen gegen den Rekordmeister gehabt, wie in diesem Spiel.

Die Beweislast ist zu erdrückend: Marcel Sabitzer muss am Samstagabend in der Startelf stehen. Der Österreicher spielt diese Saison selten spektakulär. Aber er hält Kimmich oder Goretzka den Rücken frei, sodass diese im Angriff glänzen können und sich auf dem Platz nicht gegenseitig limitieren.

Victor Catalina

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