Die Torwartfrage beim FC Bayern: Die perfekte Lösung gibt es nicht

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Die Verletzung von Manuel Neuer, der sich beim Skitouren nach dem WM-Aus einen Unterschenkelbruch zuzog, war für den FC Bayern ein Schock. Bis zum Saisonende fällt der Torhüter aus, was darüber hinaus passiert, weiß aktuell niemand. 

Aktuell gibt es viele offene Fragen. Was macht der FC Bayern im Winter, welchen Torhüter wird der Rekordmeister holen? Wie sieht die langfristige Planung aus, welche Rolle spielt Alexander Nübel (26) dabei? Eines deutet sich schon aktuell an: Die perfekte Lösung gibt es vermutlich nicht.

Neuer-Verletzung: FC Bayern will nachlegen

Nach der Verletzung von Manuel Neuer (36) berieten sich die Verantwortlichen beim FC Bayern. Die Frage, wie auf das Saisonaus für den Torhüter reagiert werden sollte, trieb alle im Klub um. Es dauerte nicht lange, da herrschte Einigkeit: Ein neuer Torhüter soll her. Einer, der auf hohem Niveau agiert und den Nationaltorhüter für die restliche Saison ersetzen kann. Der erste logische Kandidat war besagter Nübel, dieser stand und steht schließlich beim FC Bayern unter Vertrag. Doch der 26-Jährige, der auf Leihbasis für die AS Monaco spielt, sieht für sich aktuell keinen Sinn, vorzeitig zurückzukehren.



„Ich denke, ab Sommer, spätestens in der Vorbereitung für die nächste Saison, wird er wieder fit sein“, schätzt Nübel die aktuelle Lage ein. Und ein fitter Neuer spielt, so sieht es aus, auf jeden Fall. Nübel wird also nicht zurückkehren und viele der Kandidaten, die zuletzt in den Medien mit dem Rekordmeister in Verbindung gebracht wurden, erwiesen sich als Nebelkerzen. Die typischen Mechanismen greifen, so bei Dominik Livakovic (27) von Dinamo Zagreb. Eine gute Weltmeisterschaft, Bedarf bei einem großen Klub und fertig ist die Verbindung. So einfach ist das aber nicht.

Die Neuer-Ungewissheit als Problem

Wäre es möglich, in die Zukunft zu schauen, die Verantwortlichen des FC Bayern würden dies sicher tun. Die Neuer-Verletzung bedeutet das Saisonaus, mehr steht aktuell noch nicht fest. Es ist nicht die erste schwerere Verletzung des Torhüters und zweifelsohne befand er sich davor schon nicht mehr bei 100 %. Zugegeben, auch 94,5 % Manuel Neuer sind beeindruckend, aber mitunter entstand das Gefühl, dass im Tor des Rekordmeisters eben nicht mehr eine unüberwindbare Mauer steht. Diese Erkenntnis kommt auf einem sehr hohen Niveau zustande, sie ist aber bedeutend. Vor allem für die Frage, wie der 36-Jährige nach seiner Verletzung zurückkehrt.

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Fragen, die sich automatisch ergeben, sind etwa: Kann es Komplikationen beim Heilungsprozess geben? Wird der Torhüter wieder topfit und kann er hoher Belastung über einen längeren Zeitraum standhalten? Auf dem höchsten Niveau – und das ist nun einmal der Anspruch – könnten schon 1-2 Prozentpunkte weniger zum Knackpunkt werden. Das ist auch der Grund, warum man in München überhaupt einen neuen Torhüter verpflichten will. Sven Ulreich (34) ist eine solide Lösung und eine ordentliche Nummer zwei. Solide und ordentlich ist aber nicht der Anspruch.

Jede Lösung birgt Risiken oder Konfliktpotenzial

Nichts zu machen wäre also ein zu großes Risiko, das deutete sich zuletzt ohnehin schon an. Jetzt einen hochkarätigen, möglicherweise auch noch recht jungen Torhüter zu holen, wäre ebenfalls ein Problem. Einerseits finden sich diese nicht auf dem Transfermarkt wie das berühmte Sand am Meer, andererseits sind sie gerade im Winter nur sehr schwer loszueisen. Man stelle sich außerdem das Gedankenspiel vor, Neuer liegt in einigen Monaten voll im Plan und erreicht doch noch einmal das absolute Toplevel. Dann steht Ulreich im Aufgebot, ein neuer Torhüter ist da, die etablierte Nummer eins kehrt zurück und außerdem steht auch noch die Nübel-Rückkehr an. Ein Knall ist vorprogrammiert.

Neuer FC Bayern

(Photo by Stuart Franklin/Getty Images)

Neuer in seiner Reha einen Toptorhüter mit Perspektive vor die Nase zu setzen ist auch kein Zeichen, das gut ankommen wird. Interne Unruhe zu vermeiden ist das A und O, vor allem in den entscheidenden Phasen der Saison. Selbst die naheliegendste und aktuell favorisierte Lösung, also einen Torhüter für den Übergang zu verpflichten, ist nicht vollends ideal. Yann Sommer (34) gilt aktuell als der wahrscheinlichste Kandidat, sein Vertrag in Mönchengladbach läuft in einigen Monaten aus. Auch wenn die Fohlen bisher keine Verhandlungsbereitschaft signalisierten, gibt es in dieser Situation definitiv eine Summe, bei der der Schweizer wechseln darf.

Sportlich ist der 34-Jährige über jeden Zweifel erhaben, offene Fragen ergeben sich aber auch bei ihm. Wie lange sollte sein Vertrag laufen? Bis zum Sommer? Wenn ja, was wenn Neuer länger benötigt? Wenn der Vertrag bis 2024 gilt, was ist, wenn Neuer wieder der „Alte“ wird? Würde sich Sommer im Zweifel auf die Bank setzen? Oder ist das vielleicht sogar für die Spieler selbst der Knackpunkt? Die Ideallösung gibt es also nicht. Der FC Bayern kann sich nur bestmöglich vorbereiten. Indem er einen guten Torhüter findet, der mindestens ein halbes Jahr überbrücken kann, die Neuer-Situation wachsam im Auge behält und gleichzeitig den Markt für Zukunftslösungen sondiert. Weil niemand weiß, wann diese genau benötigt wird.

(Photo by Lukas Schulze/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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