Kostic zu Hertha – Was ist dran?

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Spotlight | Am vergangenen Sonntag ist das Gerücht aufgekommen, Filip Kostic könnte Eintracht Frankfurt in Richtung Hertha BSC verlassen. Die Berliner seien bereit, 30 Millionen Euro für den serbischen Flügelspieler zu zahlen. Doch was ist an diesen Spekulationen dran? Ergäbe dieser Transfer Sinn? 

Hertha könnte die Cordoba-Millionen für den Kostic-Deal mit Frankfurt nutzen

Zunächst zum Gerücht als solches. Laut Bild soll Hertha BSC großes Interesse an einer Verpflichtung von Filip Kostic (28) haben. Demnach könnten die Berliner die schätzungsweise 20 Millionen Euro aus dem anstehenden Cordoba-Verkauf nutzen, um den Kostic-Deal zu stemmen. Der serbische Flügelspieler würde nämlich alles andere als günstig werden. Dem Bericht zufolge verlangt Eintracht Frankfurt 30 Millionen Euro für Kostic, ein offizielles Angebot von Hertha soll noch nicht eingegangen sein.

„Ich kann dazu nichts sagen, es liegt überhaupt nichts vor. Filip weiß außerdem genau, was er an uns hat“, sagte Frankfurts Manager Markus Krösche zu diesem Gerücht. Kostic wurde in den vergangenen Monaten und Wochen mit zahlreichen Vereinen in Verbindung gebracht. Vor allem die Serie A scheint sich für den Flügelspieler zu interessieren, besonders Inter und die AS Roma. Die Römer sollen Ende Juni bereit gewesen, 15 Millionen Euro plus Bonuszahlungen für Kostic auf den Tisch zu legen.

Das macht Kostic so interessant

Die Ablösesumme, die die Roma für Kostic angeboten hat, wird der Frankfurter Eintracht zu niedrig sein. Der 28-Jährige hat sich in den vergangenen drei Jahren herausragend entwickelt. Vom Mitläufer in Stuttgart und Hamburg ist Kostic zu einem echten Leistungsträger gereift. In 126 Pflichtspielen für die SGE hat der serbische Nationalspieler 26 Tore und 48 Vorlagen beigesteuert. Kostic hat als umgeschulter Schienenspieler zu seinem Spiel gefunden: Dynamik, Wucht, Kreativität. Wie eine Dampflok beackert Kostic unermüdlich seine linke Seite. Darüber hinaus schlägt der Serbe herausragende Flanken und Standards.

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Foto: IMAGO

All das macht Kostic zu einem hoch interessanten Spieler. Mit 28 Jahren besteht zwar nur noch wenig Verbesserungspotenzial, auf der anderen Seite erhielte ein Verein mit ihm einen gestandenen Spieler. In den letzten drei Saisons gab es wohl kaum eine größere Konstante im Frankfurter Spiel als ihn. Kostic spielt immer, liefert verlässlich ab und ist damit von unschätzbarer Bedeutung für die Hessen.

Auch dass er sowohl als offensiver Linksaußen wie auch als alleiniger Schienenspieler eingesetzt werden kann, steigert den Marktwert. Systeme wie das 3-4-3 haben, spätestens seit der zurückliegenden Europameisterschaft Hochkonjunktur – Spieler, die einen Flügel alleine bearbeiten können, stehen damit im Schaufenster. Das wissen auch die Frankfurter Verantwortlichen und verlangen laut der Frankfurt Neuen Presse mindestens 25 Millionen Euro für ihren Leistungsträger.

Erster Knackpunkt: Hat Kostic überhaupt Interesse an Hertha?

Sollte eine Ablöse in dieser Höhe fließen, so berichten zahlreiche Medien, wird Frankfurt dem 38-fachen Nationalspieler keine Steine in den Weg legen. Kostic hat zwar noch bis 2023 Vertrag, allen Beteiligten ist jedoch klar, dass er nach drei Jahren die nächste Herausforderung sucht. Dieser Sommer ist wohl die letzte Möglichkeit dafür. Kostic würde Frankfurt auf dem Hoch verlassen, seine letzte Saison für die SGE war wohl auch seine stärkste. Nun kann das nächste, spektakulärste Kapitel seiner Karriere angegangen werden.

Doch ist die Überschrift eben jenes Kapitels wirklich Hertha BSC? Man darf daran zweifeln. Mit Eintracht Frankfurt hat sich Kostic mehrmals für Europa qualifiziert, immer wieder die Bundesliga aufgemischt. Mit 28 Jahren wäre nun die Zeit gekommen, zu einem Verein zu wechseln, der es ihm ermöglicht, Titel zu gewinnen – oder zumindest regelmäßig Champions League zu spielen. Kostic wird sich sehr wahrscheinlich noch einmal die größtmögliche Fußballbühne suchen wollen.

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Foto: IMAGO

All das kann Hertha ihm aktuell nicht bieten. Zwar hegen die Berliner große Ambitionen, doch nach zwei sehr chaotischen Jahren befindet sich der Hauptstadtklub aktuell im Wiederaufbau. In der kommenden Saison wird es bei Hertha darum gehen, die verloren gegangene Stabilität zurückzugewinnen und die Basis für die kommenden Jahre zu legen. Von Europa redet bei der „alten Dame“ aktuell niemand, auch wenn es langfristig natürlich das Ziel des Vereins ist, dauerhaft in die Top sechs gar vier der Liga hineinzustoßen.

Kostic würde Frankfurt – das in den letzten drei Jahren Tabellensiebter, -neunter -und fünfter wurde – für Berlin – Platz elf, zehn und 14 der letzten drei Saisons – eintauschen. Rein sportlich ergäbe der Wechsel wohl keinen Sinn, denn ob und wann Hertha Kostic das internationale Geschäft bieten könnte, ist völlig ungewiss.

Zweiter Knackpunkt: Zahlt Hertha wirklich so viel Geld für einen Spieler?

Viele Argumente aus der Perspektive Kostic‘ lassen sich also nicht finden. Zwar könnte man anführen, dass es einem Spieler auch schmeicheln kann, als absoluter Toptransfer und Starspieler präsentiert zu werden und dementsprechende Anerkennung zu genießen. Doch über mangelnde Wertschätzung wird sich der Außenspieler in Frankfurt wohl nicht beschweren können. Wertschätzung drückt sich jedoch auch finanziell in Form des Jahresgehalts aus. Hier könnte Hertha tatsächlich mehr als Frankfurt bieten. Seit dem Einstieg von Investor Lars Windhorst (44) ist das Gehaltsbudget der Berliner deutlich größer geworden, Spieler wie Krzysztof Piatek (26) sollen vier Millionen Euro im Jahr bekommen. Solche Summen wird die Frankfurter Eintracht höchstwahrscheinlich nicht ausschenken.

Foto: xMatthiasxKochx/IMAGO

Doch Gehalt ist das eine, die Ablösesumme das andere. 25-30 Millionen Euro müsste Hertha für Kostic bezahlen – damit wäre der Serbe neuer Rekordtransfer der Blau-Weißen. Selbst Spieler wie Piatek oder Lucas Tousart (24) haben weniger gekostet. Mit dem Führungswechsel hin zu Carsten Schmidt (57) und Fredi Bobic (49) hat man das Gefühl, Transfers solch einer Größenordnung gehören zunächst einmal wieder der  Vergangenheit an. Hertha will wieder konservativer und nachhaltiger investieren. „Ich bin weit weg davon, unnötig viel Geld auszugeben, nur weil welches da ist. Einige vergessen, dass wir noch ein, zwei Jahre an Corona knabbern werden. Dass ich viele Dinge drehen muss, ist völlig klar“, stellte Bobic zuletzt klar. So scheinen Transfers wie der eines Kostic in diesem Sommer unwahrscheinlich zu sein.

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Zwar will Hertha Medienberichten zufolge noch Spieler wie Matheus Cunha (22), Dodi Lukebakio (23) oder Dedryck Boayata (30) abgeben und damit größere Transfererlöse erzielen. Stand jetzt werden die Verantwortlichen dieses Geld jedoch nicht eins zu eins in neue Stars, sondern vielmehr in Verbreiterung des Kaders stecken. Würde Hertha Kostic verpflichten, bliebe kaum noch Geld für die zahlreichen Problemstellen des Kaders – auch wenn eben jener als Außenspieler eine davon abdecken würde. Die ablösefreie Transfer von Kevin-Prince Boateng (34) und die sieben Millionen Euro für Suat Serdar (24) werden vielmehr die Marschroute Herthas in dieser Transferperiode sein.

Fazit: Ein Kostic-Wechsel zu Hertha ist sehr unwahrscheinlich

Zu guter letzt fehlt noch ein kurzer Blick auf die Position der Eintracht bei diesem Transfer. Es passiert nicht selten, dass Vereine ihre Spieler dazu drängen, den Verein bei einem lukrativen vorliegenden Angebot zu verlassen – selbst wenn der Profi sich sportlich nicht verbessern würde. Das passiert immer dann, wenn der jeweilige Klub unter finanziellem Druck steht. Die „Adler“ befinden sich jedoch nicht in solch einer Lage. Der Verkauf von Andre Silva (25) hat die Frankfurter Kasse durchaus gefüllt, mit Santos Borre (25) hat man dessen Nachfolger sogar ablösefrei verpflichten können. Krösche betonte immer wieder, dass man wirtschaftlich nicht zu Verkäufen gezwungen sei und den Kader grundsätzlich gerne beisammen halten wolle.

Bei Silva hat RB Leipzig jedoch die Ausstiegsklausel genutzt, sodass Frankfurt hier keine Handhabe mehr hatte. Bei Kostic sieht es anders aus. Sollte kein Verein die geforderte Ablösesumme zahlen wollen oder der Spieler schlicht kein Interesse an dem jeweiligen Klub haben, dann bleibt er halt bei der SGE. Ob Hertha 25 bis 30 Millionen Euro für Kostic zahlt und dieser überhaupt nach Berlin will, ist, wie in diesem Artikel bereits erörtert, stark zu bezweifeln. Zusammenfassend lässt sich dieses Gerücht somit als unwahrscheinlich einordnen. Zu viele Argumente sprechen gegen den Transfer, sowohl Herthas Zahlungsbereitschaft als auch Kostic‘ Wille, nach Berlin zu wechseln. Kostic wird sich nach etwas größerem und Hertha nach etwas preiswerterem umsehen.

Marc Schwitzky

Foto: IMAGO

Marc Schwitzky

Erst entfachte Marcelinho die Liebe zum Spiel, dann lieferte Jürgen Klopp die taktische Offenbarung nach. Freund des intensiven schnellen Spiels und der Talentförderung. Bundesliga-Experte und Wortspielakrobat. Seit 2020 im 90PLUS-Team.

Alle Kommentare


  • Kilian sagt:

    Nach dem Lesen des Textes ist man genauso schlau wie vorher. Nichts, was nicht schon klar gewesen wäre. Leider typisches Schwitzky-Gefasel.


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