Revierderby zwischen Schalke 04 und dem BVB: Ein Abschied ohne Magie?

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Trotz einer sportlichen Entwicklung, die seit Jahren immer weiter auseinandergeht, konnte das Revierderby lange seine eigene Magie aufrecht erhalten. Erst die beiden Duelle zwischen Schalke und dem BVB ohne Zuschauer legten die Tatsachen schonungslos offen – und lassen heute einen glanzlosen Abschied befürchten.

Ein Qualitätsunterschied, den nur ein kochendes Stadion überdecken kann

Die Geschichte von Borussia Dortmund im letzten Jahrzehnt ist hinlänglich bekannt. Nach dem Abwenden der Insolvenz trafen die Verantwortlichen mit Jürgen Klopp eine goldrichtige Entscheidung. Genau in der Zeit, in der der Profifußball boomte wie nie zuvor, schwang man sich zu einer spannenden Marke auf, etablierte sich als Spitzenklub. Nicht einmal 20 Jahre nach der Fast-Pleite ist der BVB mit Abstand der zweitreichste Verein der Bundesliga und Champions-League Dauergast. Auf der anderen Seite steht der große Rivale, Schalke 04. Wie prekär die finanziellen Verhältnisse in Gelsenkirchen sind, ist spätestens seit dieser Saison für jeden ersichtlich. Der sportliche Abstieg hatte sich ohnehin angedeutet, das Ausmaß ist allerdings durchaus bemerkenswert. Diese Ausgangssituation sorgt dafür, dass die Qualität der beiden Kader meilenweit auseinanderliegen. Wenn man ehrlich ist, ist dies seit Jahren so. Und seit Jahren hätte dieser Qualitätsunterschied dafür sorgen können, dass das Revierderby an Magie verliert. Trotz aller, in der Fankultur tiefverankerten, Rivalitätsgedanken. Ein Duell, welches nicht auf Augenhöhe stattfindet ist weniger anziehend.

Und hier kommen die Fans ins Spiel. Denn wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung hat die Stimmung im Stadion dafür gesorgt, dass die Spiele magisch blieben. In kaum einem Aufeinandertreffen galt in der jüngeren Vergangenheit die alte Fußballweisheit „Ein Derby hat eigene Regeln“ mehr als im Revierderby. Die Anhänger haben Besonderes erwartet und es durch ihre Unterstützung zu etwas Besonderem gemacht. Egal, wo sich der BVB oder Schalke 04 in der Tabelle befanden, wenn der Anpfiff ertönte, war man gleichwertig. Ein Kampf, wie man ihn sich als Zuschauer wünscht. Wie wichtig die Unterstützung von den Rängen war, um dieses Spiel unabhängig von allen Umständen zu etwas Besonderem zu machen, zeigt sich nun, wo die Ränge leer bleiben.

Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Glanzloser Abschied auf Zeit?

Die letzten beiden Revierderbys wurden ohne oder nur mit sehr wenigen Zuschauern vor Ort ausgefochten. Obwohl, passender scheint es zu schreiben, dass die Spiele absolviert wurden. Gefochten wurde nicht mehr. Taumelnde Schalker, die in den letzten Jahren so oft, so unerwartet und so spektakulär zum Stolperstein für den BVB wurden, wirkten wie ein schlecht ausgewählter Sparringspartner für die Dortmunder. Es gab keine großen Zweifel bei den Schwarzgelben, keine Hoffnung bei den Königsblauen. Und so wirkte das prestigeträchtigste Derby der Bundesliga auf einmal wie ein Trainingsspiel. Sicherlich ärgerte man sich auf der Seite des Verlierers, sicherlich gab es Genugtuung und Schadenfreude beim Derbysieger. Doch die Magie war nicht zu spüren. Die leicht verschwitzten Gesichter, das Gefühl eine Achterbahnfahrt mit losem Gurt nur knapp überlebt zu haben. Davon war keine Spur.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass uns unter diesen Vorzeichen heute das vorerst letzte Duell zwischen Schalke 04 und dem BVB in der obersten deutschen Spielklasse erwartet. Ein gebührender Abschied auf Zeit scheint im leeren Stadion unvorstellbar, dennoch gibt es auch ein paar Faktoren, die Hoffnung machen, dass das dritte Geisterderby nicht ganz so trostlos ablaufen wird wie die beiden Vorgängerspiele. Denn beide Teams stehen tabellarisch unter Druck. Für die Knappen geht es um die vielleicht letzte Chance auf den Klassenerhalt, für den BVB steht die Champions-League-Qualifikation seit Jahren mal wieder ernsthaft auf dem Spiel. Und auch die letzten Liga-Auftritte legen nahe, dass der BVB nicht mit einem Selbstläufer rechnen kann. Man tut sich schwer gegen die tiefverteidigenden Mannschaften der Liga, die Schalker haben unter Christian Gross zumindest wieder ihre Lust an der disziplinierten Defensive wiedergefunden. Die zahlreichen, leidenschaftlichen Fans werden gebannt vor dem Fernseher sitzen und auf etwas Besonderes hoffen. Die Verantwortung hierfür liegt heute alleine bei den beiden Teams, es wird keine Hilfe von den Rängen geben.

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Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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