Das WM-Visa-Dilemma: Wer fliegt als Nächstes von der Einreiseliste in die USA und Kanada? Das Thema WM 26 Einreiseverbot sorgt aktuell für viel Diskussion und Unsicherheit unter Fans und Offiziellen.
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Dem ivorischen Nationalstürmer Elye Wahi wurde wegen laufender Ermittlungen zu Manipulationsvorwürfen in Frankreich die Einreise nach Kanada verweigert. Somit verpasst er das wichtige Gruppenspiel gegen die deutsche Nationalmannschaft in Toronto.
Das zeigt die unbarmherzige Realität dieser Weltmeisterschaft: Die nordamerikanischen Behörden kennen in Sachen Visagenehmigungen keine Ausnahmen für Fußball-Prominenz. Kanada und die USA haben extrem strikte Gesetze. Wer ein laufendes Verfahren oder polizeiliche Ermittlungen wegen Betrugs vorweist, fliegt beim Grenzschutz rigoros raus. Im Übrigen gilt das auch bei einer Akte wegen häuslicher Gewalt oder Trunkenheit am Steuer. Ganz egal, ob man 18 Millionen Euro wert ist oder nicht.
Wahi ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Ein Blick auf den weltweiten Profifußball zeigt, welche Stars bei den kommenden Spielen in den USA oder Kanada ebenfalls heftig zittern müssen. Außerdem sieht man, wo die Verbände bereits im Hintergrund im Krisenmodus rotieren.
Die Wett- und Manipulations-Sünder: Die Justiz versteht keinen Spaß
Wahi geriet ins Visier, weil er wegen des Verdachts auf bandenmäßigen Betrug und Sportkorruption in Frankreich festgenommen worden war. Ihm wird vorgeworfen, absichtlich eine Gelbe Karte provoziert zu haben. Die US-amerikanischen und kanadischen Behörden reagieren allergisch auf jede Form von Kriminalität. Des Weiteren gilt das insbesondere, wenn sie die Integrität des Sports gefährdet.
Der Premier-League-Fokus: Sollten Ermittler in England oder Südeuropa im Zuge von Wettskandalen gegen weitere Nationalspieler ermitteln, droht sofort der Entzug der Einreiseerlaubnis. Selbst wenn es sich nur um vorläufige Untersuchungen ohne Urteil handelt, greifen die Behörden hart durch. Für Spieler, die in der Vergangenheit mit illegalen Wetten oder verdächtigen Spielereignissen in Verbindung gebracht wurden, wird der Zollbeamte am Flughafen zum unüberwindbaren Verteidiger. Das gilt vor allem bei den berühmten „Yellow Card“-Wetten.
Das Damoklesschwert „Häusliche Gewalt“ und Verhaltensdelikte
Die USA und Kanada haben mit die schärfsten Einreisebestimmungen weltweit, wenn es um Vorwürfe von Körperverletzung, häuslicher Gewalt oder sexuellen Übergriffen geht. Hier reicht oft schon der dokumentierte Anfangsverdacht eines laufenden Verfahrens, um ein Visum zu blockieren oder für ungültig zu erklären.
Südamerikanische und europäische Stars im Fadenkreuz: In den letzten Jahren gab es immer wieder prominente Fälle, in denen Spieler wegen privater Verfehlungen mit der Justiz in Konflikt gerieten. Anzeigen von Ex-Partnerinnen oder Bar-Schlägereien führen ebenfalls zum Problem. Nationaltrainer, die Spieler trotz laufender Verfahren im Heimatland in den WM-Kader berufen haben, erleben nun ihr blaues Wunder. Sobald die Bundesbehörden in Washington oder Ottawa den Namen im System screenen, bleibt die Grenze dicht. Die Verbände müssen sich darauf einstellen, betroffene Akteure wie Wahi in Transit-Ländern oder benachbarten Staaten „zwischenzulagern“. Diese Länder sind weniger strikt. Das passiert, während das Team ohne sie reist.
Steuervergehen und Finanzdelikte: Der unterschätzte Stolperstein
Gerade in Spanien und Italien wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche absolute Weltstars wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Manche einigten sich auf Millionenzahlungen. Dadurch wollten sie Haftstrafen auf Bewährung zu entgehen.
Die Frage des „Moral Turpitude“: Im US-Recht gibt es den Begriff der Delikte gegen die guten Sitten (Crimes involving moral turpitude). Steuerbetrug im großen Stil kann darunter fallen. Zwar reisen Top-Stars meist mit speziellen Sportler-Visa (P-1), doch wenn ein Spieler eine offizielle Vorstrafe im Register stehen hat, verlangen die Behörden ein langwieriges Ausnahmeverfahren (Waiver). Das gilt selbst, wenn diese zur Bewährung ausgesetzt wurde. Wer diesen bürokratischen Spießrutenlauf zu spät gestartet hat, guckt jetzt im Hotelfernseher zu.
Fazit: Das sportliche Risiko wandert hinter die Kulissen
Der Fall Wahi hat bewiesen, dass der sportliche Erfolg bei dieser WM nicht mehr nur auf dem Trainingsplatz entschieden wird. Vielmehr entscheidet sich vieles auch in den Rechtsabteilungen der Verbände. Während die Elfenbeinküste den Ausfall ihres Stürmers gegen das DFB-Team irgendwie kompensieren muss, dürften die Sportdirektoren anderer Nationen spätestens jetzt die Akten ihrer Spieler penibelst durchforsten. Die Botschaft der Behörden ist unmissverständlich: Namen spielen an der Grenze keine Rolle.

