Javi Martinez’ zweites Bayern-Triple: Der Kreis ist geschlossen

UEFA CL/EL

Am Abend des 23. August geschah in Lissabon Historisches. Der FC Bayern München krönte eine phasenweise turbulente, am Ende aber herausragende Saison mit dem Gewinn der UEFA Champions League. Vor allem für den Spanier Javi Martinez hat sich an diesem Abend im Estadio da Luz ein Kreis geschlossen.

  • Javi Martinez: Zweifacher Triple-Sieger
  • Folgt im Sommer der Abgang vom FC Bayern?
  • Vom Protagonist zum wichtigen Nebendarsteller: Die Rollen des Javi Martinez

FC Bayern: Javi Martinez, einer von wenigen

Jeder Fußballprofi träumt davon, die Champions League zu gewinnen. Der viel zitierte Henkelpott ist die Belohnung dafür, den größten Vereinswettbewerb des Weltfußballs gewonnen zu haben. Nur wenige Spieler schaffen es überhaupt einmal in die entscheidende Phase des Wettbewerbs, geschweige denn in das Endspiel. Noch weniger Spieler gewinnen den Titel einmal, wiederum wenige mehrfach. 

Javi Martinez (31) ist ein solcher Spieler. Der Sieg gegen Paris Saint-Germain bedeutete für den Defensivspieler, dass er nicht nur zum zweiten Mal die Champions League gewonnen hat, sondern auch zum zweiten Mal das Triple mit dem FC Bayern gewann. In der Vor-Martinez-Zeit gelang dies dem Klub noch nie. 

Martinez: Zwei unterschiedliche Rollen, zweimal wichtig

Vergleicht man die beiden Triple-Saisons des FC Bayern, erkennt man einige Gemeinsamkeiten. Vor allem in Sachen Mannschaftsklima. Zur Saison 2012/2013, auf der Basis von großen Rückschlägen, wurde ein ungemein homogener Kader zusammengestellt, der von Spieltag eins an nur eines im Kopf hatte: Gewinnen. Jeder, der Teil dieser Mannschaft war, lief, kämpfte, ackerte für seinen Nebenmann. Genau wie in dieser Saison, nachdem Hansi Flick (55) das Zepter übernahm

(Photo by ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

Javi Martinez war 2013, als das erste Bayern-Triple gelang, einer der Protagonisten. Er war der Mosaikstein, der den Kader vollendete. Sein Einfluss auf das Spiel war immens, zeitweise vermittelte er das Gefühl, er könne sich zweiteilen und gleichzeitig eine gefährliche Lücke zulaufen und einen entscheidenden Zweikampf führen. Seine Art, nie aufzugeben, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern, dass der Gegner gefährlich in die Nähe des Tores kommt, spornte die gesamte Mannschaft an. 

In dieser Saison war der Protagonist von damals nur eine Randfigur, dafür eine sehr wichtige. Denn vor und nach beiden Triumphen, 2013 wie 2020, gab es seitens der Verantwortlichen und auch der Spieler einen Sonderlob für die gesamte Mannschaft. Jeder Einzelne übernimmt eine bestimmte Aufgabe in einem Konstrukt, das am Ende den Erfolg gemeinsam feiert. Die Aufgabe von Javi Martinez 2019/20 war es, zuverlässig zu sein, wenn er gebraucht wurde. Und auch wenn es nur zu rund 1000 Pflichtspielminuten reichte, hörte man kein Wort der Unzufriedenheit vom Spanier. Und das zeichnete ihn in der abgelaufenen Saison aus. 

Martinez: Topeinkauf, Publikumsliebling, Verletzungspech

Der Wechsel des Defensivmanns zum FC Bayern im Sommer 2012, der für rund 40 Millionen Euro über die Bühne ging, sorgte für verschiedenste Reaktionen. Skeptiker gab es einige, doch diese erkannten schon bald, welchen Wert Martinez für die Mannschaft hatte. Schnell wurde der leidenschaftlich kämpfende Defensivspieler zum Publikumsliebling, auch Pep Guardiola, der nach dem Triple 2013 Cheftrainer des Rekordmeisters wurde, hielt viel von Martinez. Guardiola war es, der ihn häufiger auch als Innenverteidiger einsetzte. Martinez lernte viel vom neuen Trainer, sein Spiel wurde facettenreicher.

Wenn Javi Martinez fit war, dann konnte man sich stets auf ihn verlassen. Doch gesundheitliche Probleme zogen sich durch seine Zeit beim FC Bayern. Eine Leisten-OP im ersten Guardiola-Jahr war der Anfang, es folgten schwerwiegende Knieverletzungen. Das Kreuzband, die Patellasehne und der Meniskus: Alle wichtigen Bestandteile des Knies waren in Mitleidenschaft gezogen. Martinez selbst blieb nicht viel anderes übrig, als sich sukzessive wieder heranzukämpfen.

(Photo by PATRIK STOLLARZ/AFP via Getty Images)

Diese ständigen Rückschläge – auch nach den schweren Verletzungen gab es immer wiederkehrende Blessuren – sorgten dafür, dass Javi Martinez diese Mannschaft nicht über Jahre hinweg als absoluter Stammspieler mittragen konnte. Dennoch war er jederzeit gefragt, bewies aus Verletzungen kommend sofort, weswegen er zu den besten Defensivspielern der letzten Jahre gehörte. Auch die sich wiederholenden Reha-Phasen verkraftete Martinez gut, angetrieben von dem Ziel, der Mannschaft, seiner Mannschaft, so schnell wie möglich wieder helfen zu können.

Javi Martinez beim FC Bayern: Der Kreis schließt sich

Die vergleichsweise geringen Einsatzzeiten der laufenden Saison wurden bereits angesprochen. Javi Martinez ist kein Stammspieler mehr, andere Spieler stehen nun mehr im Fokus – sowohl im Abwehrzentrum, als auch im defensiven Mittelfeld. Da ist es keine Überraschung, dass im Saisonverlauf Gerüchte über einen Abgang im Sommer aufkamen.

(Photo by Christof STACHE / AFP) 

Eine Rückkehr nach Spanien, Interesse von Stade Rennes und der Fiorentina, die Zusage des FC Bayern, dem Spieler bei einem passenden Angebot keine Steine in den Weg zu legen: All das deutet auf einen Wechsel hin, auch wenn noch nichts Konkretes vorliegt.

Während die Saison lief, hörte man vom Spieler selbst überhaupt nichts, was seine Zukunft angeht. Zu konzentriert war Martinez darauf, mitzuhelfen, das kitschige Drehbuch seiner Zeit in München zu Ende zu schreiben. Was 2012 mit dem Wechsel und dem Triple in der Debütsaison 2012/13 begann, sollte 2019/20 mit eben jenem Triple, der Wiederholung einer historischen Leistung enden.

Es hat sich also ein Kreis geschlossen. Der Abgang von Javi Martinez, so er denn in diesem Sommer zustande kommt, wird für Fans, Spieler, Verantwortliche und nicht zuletzt den Spanier selbst alles andere als leicht. Und doch kommt manchmal der Punkt in einer Karriere, an dem es klug ist, weiterzuziehen. Seine Mission in München ist jedenfalls erfüllt.

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 (Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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