Mark van Bommel und der VfL Wolfsburg: Wie kam es zur Trennung?

van Bommel Wolfsburg
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Die erste Trainerentlassung in der Bundesliga gab es beim VfL Wolfsburg. Mark van Bommel, im Sommer neu verpflichtet, ist nicht länger Trainer der Niedersachsen. Viele Experten haben vor der Saison genau damit gerechnet. Doch warum kam es jetzt nach so kurzer Zeit zur Trennung?

  • Mark van Bommel nicht mehr Trainer in Wolfsburg
  • Sportlich passte es zwischen den Parteien nicht
  • Ein Missverständnis mit schnellem Ende

VfL Wolfsburg: van Bommel folgte auf Glasner

Als Oliver Glasner (47) den VfL Wolfsburg unter anderem wegen andauernder Missstimmungen mit Jörg Schmadtke (57) verließ und Mark van Bommel (44) als Nachfolger vorgestellt wurde, herrschte eine Mischung aus gespannter Vorfreude und Skepsis, was die Entwicklungen bei den Niedersachsen anging. Glasner galt als absolut akribischer Arbeiter, der vor allem im taktischen Bereich einen klaren Plan verfolgte und die Mannschaft seit Amtsantritt im Nuancenbereich Schritt für Schritt verbesserte.



Nicht alles funktionierte zu Beginn unter Glasner, jedoch konnten die Zuschauer in Wolfsburg immer wieder Entwicklungsschritte und einen klaren Plan, mit dem man sich identifizieren kann, erkennen. Die Verantwortlichen des VfL betonten von Beginn an, dass van Bommel die absolute Wunschlösung sei. Doch schon lange bevor die Vorbereitung überhaupt begann, stellten auch wir uns die Frage, ob der Niederländer und die Niedersachsen zusammenpassen.

Seine Zeit bei der PSV in Eindhoven war retrospektiv betrachtet nicht besonders glanzvoll, wenngleich es auch gute Phasen und einige spannende Elemente gab. Die Anpassungen, die Glasner schrittweise implementiert hatte, fortzuführen und weiter zu optimieren wäre zugegeben schon für sich eine schwierige Aufgabe gewesen. Doch der neue Trainer wollte auch seinen eigenen Stil durchdrücken und Elemente aus beiden Vorstellungen miteinander vereinen. Welcher Stil das genau ist, das wurde bis zur Entlassung nicht deutlich.

Schwache Vorbereitung, Wechselfehler und die positiven Ansätze

Schon in der Vorbereitung des VfL Wolfsburg sahen sich einige Kritiker bestätigt. Zeitweise verlor Wolfsburg gleich fünf Spiele nacheinander. Optimisten waren der Meinung, das läge daran, dass die Anpassungen Zeit benötigen, um zu fruchten.

Teilweise entsprach das sicher auch der Wahrheit. Sebastiaan Bornauw (22), Felix Nmecha (21), Luca Waldschmidt (25), Dodi Lukebakio (24) und Lukas Nmecha (22) mussten integriert werden, aber die Basis der Mannschaft blieb ja zusammen. Als Mark van Bommel dann auch noch der verhängnisvolle Wechselfehler im DFB-Pokal unterlief, der zum Ausscheiden aus dem Wettbewerb führte, war die Stimmung schnell am Nullpunkt. 

Es gelang aber schnell, aus dieser negativen Erfahrung positive Energie zu ziehen. Die ersten vier Spiele in der Bundesliga gewann Wolfsburg allesamt, drei davon ohne ein Gegentor. Mit Bochum Hertha und Fürth waren zwar einige Gegner dabei, die man als ein solch guter Klub auch schlagen sollte, aber vor allem der 1:0-Sieg gegen RB Leipzig sorgte für Verzückung. Ein guter Gegner wurde diszipliniert beackert, mit viel Leidenschaft vom eigenen Tor weggehalten und am Ende eben bezwungen. 

Wolfsburg schlägt Leipzig mit van Bommel

(Photo by Martin Rose/Getty Images)

Die Negativserie des VfL Wolfsburg

Maxence Lacroix (21) schien seinem Defensivverhalten noch etwas hinzugefügt zu haben, Ridle Baku (23) marschierte die Linie weiterhin hoch und runter und Wout Weghorst (29) blieb der Zielspieler, der für die Tore sorgte. In der zweiten Reihe wurde Wolfsburg zudem noch flexibler. Doch die Herrlichkeit währte nicht lange. Die Verletzung von Xaver Schlager (24), einem der wichtigsten Spieler, führte zu einem Bruch. Seit dem Spiel gegen Fürth am vierten Spieltag (das schon ohne den Österreicher) gewann Wolfsburg nämlich kein einziges Spiel mehr. 

Eine wichtige Säule war weggebrochen und von der Spielidee, die van Bommel selbst implementieren und mit dem glasneresken Fußball, der sich durch Kompaktheit und schnelles Spiel nach vorne auszeichnete, war in den Wochen danach wenig zu sehen. Nach den ersten Misserfolgen scharrten die Kritiker schon mit den Hufen, aber der Niederländer machte einen souveränen Eindruck und schien aus der Phase bei der PSV in den Niederlanden, als es nicht lief, gelernt zu haben.

Im Podcast Kicker meets DAZN teilte van Bommel mit: „Nach meiner Entlassung in Eindhoven habe ich mit Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes, Peter Hermann und vielen weiteren Trainern gesprochen. Dabei kamen wir zum Ergebnis, dass mein Umgang mit den Spielern und auch auf dem Platz alles sehr gut war, es aber außerhalb des Platzes nicht gut gelaufen ist.“ Es schien, als hätte der Trainer genau analysiert, warum es in Eindhoven am Ende zur Trennung kam und wie er diese Situation in Zukunft vermeiden kann.

Mark van Bommel: Es passte einfach nicht

In den Wochen, in denen Impulse vom Trainer gefordert waren, spielte Wolfsburg allerdings wieder und wieder den gleichen Fußball. Es gab Torchancen, häufig durch Flanken, aber die Ansätze eines Kurzpassspiels oder gar von Dominanz waren nicht zu erkennen. Vereinsnahe Quellen berichten, dass der Trainer in der Mannschaft gut ankam und einen guten Eindruck hinterließ, vielleicht wollte er es den Spielern zu sehr Recht machen? Das ist von einer Position außerhalb des täglichen Umgangs zwischen Spieler und Trainer nur schwer zu beurteilen.

Der frühe Schlussstrich, den die Verantwortlichen des VfL Wolfsburg gezogen haben, deutet aber darauf hin, dass viele Elemente nicht gepasst haben. Schmadtke und Vorgänger Glasner waren auch nicht auf einer Wellenlänge, haben sich, salopp formuliert, kaum gegrüßt. Und dennoch hatte die Mannschaft Erfolg. Weil das Verhältnis zwischen dem Trainer und den Verantwortlichen eben nur ein Mosaikstein von vielen in einem großen Puzzle, das den Erfolg mitbestimmt, ist.

Wolfsburg van Bommel

(Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Mark van Bommel wirkte in den letzten Wochen nicht durchgehend ratlos, allerdings fehlten, angesprochen auf seine Vorstellungen, wo er mit der Mannschaft hinmöchte, klare und konkrete Formulierungen. Er wolle seinen Fußball zeigen, so van Bommel. Doch welcher Fußball ist das? Dazu bezog er zu selten Stellung. Und das beweist zwar nicht, dass der Trainer entweder taktische Mängel aufweist oder zumindest nicht in der Lage ist, diese Mannschaft in einem entsprechenden Tempo so zu entwickeln, dass die Probleme zumindest kaschiert werden, es lässt aber den Schluss zu, dass die Anpassungen, die vorgenommen wurden, nicht fruchteten.

Lehren für beide Seiten

Die Situation für den VfL Wolfsburg ist nun natürlich alles andere als ideal. Vor der Saison waren beide Seiten überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Kurz vor der dritten Länderspielpause und nach drei von sechs Spielen in der Champions League musste der Klub bereits einen Trainerwechsel vollziehen. Florian Kohfeldt (39) wurde am Dienstag als Nachfolger bestätigt.

Haben die Niedersachen die Lehren aus den letzten Monaten gezogen und sich bei dieser Suche noch intensiver mit der Liaison aus Mannschaft und Trainer, nicht nur charakterlich sondern auch fußballerisch, befasst? Die Prozesse, die Glasner in Gang brachte, um mit Wolfsburg Erfolg zu haben, bedurften Geduld. Van Bommel, der, wie er selbst sagt, „schönen Fußball“ spielen lassen wollte, hatte sicher ein Endprodukt im Kopf, aber offenbar nicht die Mittel, um die Mannschaft stabil dorthin zu führen.

Er selbst wird sich – das zeigen seine Aussagen bei Kicker meets DAZN – wieder hinterfragen und auf Ursachenforschung gehen. Sich mit den eigenen Fehlern, die zweifelsohne gemacht wurden, auseinanderzusetzen ist ein kluger und wichtiger Schritt. Die Wahrheit liegt aber, wie so oft, in der Mitte. Ja, der Trainer hat viele Fehler gemacht. Aber der VfL Wolfsburg und Mark van Bommel passten einfach nicht zusammen.

 

(Photo by Jan Hetfleisch/Getty Images)

Manuel Behlert

Vom Spitzenfußball bis zum 17-jährigen Nachwuchstalent aus Dänemark: Manu interessiert sich für alle Facetten im Weltfußball. Seit 2017 im 90PLUS-Team. Lässt sich vor allem von sehenswertem Offensivfußball begeistern.

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