Donnerstag, September 24, 2020

Die Europäischen Finalspiele – Enttäuschungen, Highlights und mögliche Favoriten auf die Trophäen

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Spotlight | Es ist soweit, die langersehnten Finalspiele in Europa League und Champions League stehen kurz vor dem Anpfiff. Grund genug einmal auf die jeweiligen Saisons zurückzublicken und Prognosen für die Finals zu wagen – was waren die größten negativen Überraschungen, was haben die Englischen Vereine der Konkurrenz voraus, wer stemmt die Trophäen in die Luft und einiges mehr. Diese Fragen beantworten für uns Soccer Laduma-Redakteur David Kappel, sowie die 90PLUS-Redakteure Nico Scheck und Julius Eid.

Champions League

90Plus: Die Gruppenphase der diesjährigen Champions League hatte bereits einige Highlights parat und konnte für einen guten Vorgeschmack in Sachen K.O.-Runde sorgen. Was war deine persönliche Überraschung während der Gruppenphase und welches Team hat dich am meisten enttäuscht?

David Kappel: Die größte Überraschung in der Gruppenphase für mich war Borussia Dortmunds 4-0 gegen Atletico Madrid. Die Spanier gehören meiner Meinung nach zu den absoluten Topmannschaften in der Königsklasse und wurde von Dortmunds junger und euphorischer Mannschaft der Hinrunde regelrecht überrollt. Es gab Momente im Spiel wo es auch ganz anders ausgehen konnte, aber am Ende hatte der BVB eine der besten Defensiven in Europa aus dem Stadion geschossen und ein richtiges Ausrufezeichen gesetzt.

Die Mannschaft, die mich am meisten enttäuscht hat, war die AS Monaco. Ich erinnere mich noch an die tolle Mannschaft um Kylian Mbappé von vor zwei Jahren, aber davon war eigentlich nichts mehr da, nachdem die ganzen Leistungsträger wie Mbappé, Thomas Lemar oder Joao Moutinho alle verkauft wurden. Selbst Thierry Henry konnte da überhaupt gar nichts reißen und wurde nach nur drei Monaten schon wieder entlassen. Ich dachte mit Spielern wie zum Beispiel Youri Tielemans und Aleksandr Golovin, dass Monaco vielleicht wieder die ein oder andere große Mannschaft ärgern könnte, aber mit nur einem Punkt in sechs Gruppenspielen waren sie eine der Schwächsten in dieser Champions League Saison.

Nico Scheck: Angenehm überrascht war ich vor allem vom FC Schalke 04, die trotz der wirklich drastischen Probleme in der Liga in der Königsklasse eine für ihre Verhältnisse gute Gruppenphase hingelegt haben. Und klar, Ajax hat schon in den ersten Spielen gezeigt, gerade gegen die Bayern, was da noch möglich ist. Enttäuscht war ich vor allem, und das gilt für die ganze CL-Saison, von Atlético Madrid. Nach einem eigentlich idealen Transfersommer plus die Aussicht auf das Finale im eigenen Wohnzimmer waren die „Rojiblancos“ für mich einer der Favoriten.

Julius Eid: Ich muss sagen, dass die vielleicht positivste Überraschung der gesamten Champions League, Ajax Amsterdam, mir schon in der Gruppenphase gehörig imponiert hat. Gerade die Duelle gegen Bayern waren schon ein klarer Fingerzeig wo es hingehen könnte. Enttäuscht hat, Überraschung, für mich vor allem ein Finalist. Der FC Liverpool hat sich teilweise sehr schwer getan und gerade auswärts extrem geschwächelt. Da hatte man mehr erwartet.

(MARCO BERTORELLO/AFP/Getty Images)

90PLUS: Woran hat es deiner Meinung nach gelegen, dass sich die deutschen Mannschaften in dieser CL-Saison so ungewöhnlich früh verabschiedet haben?

Nico Scheck: Man muss fairerweise dazu sagen, dass eigentlich keines der vier Teams mit einer wirklich guten Ausgangssituation in die Saison gegangen ist. Der FC Bayern muss sich unter dem neuen Trainer Niko Kovac erst finden, verstärkt den Kader nur punktuell und hat zudem dann auch noch Verletzungspech, der BVB hat gerade einen Radikalumbruch hinter sich, Schalke ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt und Hoffenheim fehlt schlicht die internationale Reife. Mit solchen Voraussetzungen kommt man in der Champions League in der Regel nicht weit. Da reicht ein Blick auf die Finalisten: Der FC Liverpool und Tottenham haben mit Trainer und Team eine jahrelange Entwicklung hinter sich. Das zahlt sich aus. Diese Schritte gilt es nun insbesondere auch für die Bayern und Borussia Dortmund zu gehen. Dann ist wieder mehr drin.

Julius Eid: Es gibt im Moment nur zwei Mannschaften die finanziell in der Lage sind potenziell eine größere Rolle in Europa zu spielen. Der FC Bayern und Borussia Dortmund. Die Dortmunder stehen am Anfang einer Entwicklung haben ein junges Team. Die fehlende Reife war der Knackpunkt im Duell mit abgezockten Spurs, schon im kommenden Jahr sollte man aber mit dem BVB wieder rechnen. Bei Bayern hingegen war man sich, wenn man ganz ehrlich ist, schon vor der Saison bewusst, dass der Kader nicht unbedingt eine Finalteilnahme bedeutet. Etwas überaltert wurde der große, nötige Umbruch auf diesen Sommer verschoben. Der FC Liverpool als Los war dann fast schon folgerichtig der Todesstoß. Aber auch der Rekordmeister wird im nächsten Jahr mit großen Ambitionen antreten.

David Kappel: „Ungewöhnlich früh“ ist meiner Ansicht nach nicht ganz richtig, denn in diesem Jahr hatten wir drei deutsche Vertreter, die es aus der Gruppenphase in die K.O.-Runde geschafft haben – zwei mehr als im Vorjahr. Dennoch bleibt es immer wieder enttäuschend, dass Bayern München den deutschen Fußball tragen muss. Leider hat sich Dortmund gegen Tottenham Hotspur in beiden Spielen mehr oder weniger selbst geschlagen und für Schalke war es schon ein Erfolg aus der Gruppe hinaus zu kommen. Langfristig gesehen brauchen wir mindestens eine zweite, vielleicht sogar dritte Macht in Deutschland, die auch andere Vereine in der Champions League auf Dauer und nicht nur in einer Ausnahmesaison mal Angst einflößen kann. Sogar Hoffenheim hat viele gute, offene Spiele gespielt, wurde aber am Ende wegen der Unerfahrenheit oft doch noch geschlagen. Ich denke in 2019/20 werden die vier deutschen Vertreter einen weiteren Schritt nach vorne machen.

90PLUS: Was war für dich die mitreißendste Partie der Königsklasse?

Julius Eid: Definitiv Liverpool gegen Barca. Was Anfield und Liverpool da geleistet haben war historisch und die Atmosphäre dieses besonderen Spiels, in diesem besonderen Stadion, war atemberaubend. Natürlich hat Barca auch enttäuscht, aber was dieses Spiel ausgestrahlt hat, hat mich wirklich berührt und wird für immer einen Platz in der Fußballgeschichte einnehmen.

David Kappel: Wow, es fühlt sich so an als wäre dies die Champions League Saison wo einem glatt fünf super mitreißende Partien einfallen. Liverpools 4-0 Comeback gegen FC Barcelona, sowie Tottenhams 3-2 bei Ajax Amsterdam waren super Partien! Dennoch, denke ich, war das mitreißendste aller Spiele war Manchester Citys 4-3 zu Hause gegen die Spurs. Vier Tore in elf Minuten, City weiter nachdem Sergio Agüero das 4-2 schießt, dann wieder die Spurs nach Llorentes Tor und am Ende das VAR-Drama als Raheem Sterling das 5-3 schießt, bevor es richtigerweise aberkannt wurde.

Nico Scheck: Keine Frage, das 4:0 in Anfield. Ich weiß nicht, ob ich Barca jemals mal so hilflos gesehen hab’. Was Jürgen Klopp da seiner Mannschaft mit auf den Rasen gegeben hat und wie das umgesetzt wurde. Wahnsinn!

(Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

90Plus: Im Finale treffen nun Liverpool und Tottenham aufeinander. Was kann der neutrale Fußballfan von dieser Partie erwarten?

David Kappel: Ich denke alle neutralen Beobachter erwarten ein Spektakel wie in den Halbfinal-Spielen. Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Ja, beide Mannschaften können sehr tollen und attraktiven Offensivfußball spielen, aber beide haben viel zu verlieren. Die Spurs sind in ihrem ersten Champions League-Finale und Liverpool will bestimmt mit allen Mitteln gewinnen nachdem man letztes Jahr im Finale verloren hat. Hinzu kommt Liverpools tolle Premier League-Saison ohne den Titel zu holen sowie Klopps drei verlorenen Finals mit den Reds. Da könnten einige doch ein wenig gehemmt sein und mit so viel auf dem Spiel stehend, könnte es etwas taktisch geprägter sein als in den Halbfinals.

Nico Scheck: Ein emotionales und temporeiches Spiel! Beide Teams sind nicht dafür bekannt, abzuwarten und man muss nur auf die Begegnungen beider Mannschaften in der Premier League schauen, dann weiß man ungefähr, was einen am 1. Juni erwartet. Langweilig wird’s auf jeden Fall nicht.

Julius Eid: Vor allem ein Duell der Trainer. Beide Vereine haben extrem von ihren Coaches profitiert und stehen auch deshalb im Finale. Liverpool wird das aktivere Team sein, Tottenham versuchen Fehler des Gegners eiskalt auszunutzen. Es könnte ein Geduldsspiel werden. Intensität dürfte man in diesem Finale auf jeden Fall nicht missen.

(Photo by Dan Mullan/Getty Images )

90PLUS: Gibt es in dieser Partie einen (klaren) Favoriten und wie lautet dein Tipp für das diesjährige Champions League-Finale?

Nico Scheck: Einen ganz klaren Favoriten sehe ich nicht, dafür hat diese CL-Saison zu viele Überraschungen geboten. Allerdings sehe ich den FC Liverpool schon einen Tick im Vorteil, nicht zuletzt aufgrund der starken Saison. Aber man muss sich nur mal die Spurs-Elf anschauen: Alli, Kane, Son, Eriksen. Wenn die ins Rollen kommen, muss sich auch Klopp anziehen. Das gleiche gilt natürlich auf der anderen Seite mit Salah, Firmino und Mané. Da wird’s, wie man so schön sagt, auf Nuancen ankommen. Ich tippe auf ein 2:2 in der regulären Spielzeit. In der Verlängerung setzt sich dann das Team durch, das die Nerven bewahrt.

Julius Eid: Ganz klar ist das Ganze in einem CL-Finale naturgemäß nicht, aber Liverpool ist dennoch Favorit. Die Reds haben in der Liga eine unfassbare Saison gespielt und gerade eines unterstrichen. Das Team von Klopp ist reifer geworden, die Defensive mittlerweile Stärke statt Schwäche. Aussetzer wie im letztjährigen Finale scheinen unwahrscheinlich, hat man doch seine Nervenstärke in diesem Jahr häufig bewiesen. Die Spurs hingegen bringen genug Klasse im Kader und auf der Trainerbank mit um nicht als chancenlos zu gelten, dennoch tendiere ich zu einem Liverpool Sieg.

David Kappel: Wenn es einen Favoriten gibt, ist es Liverpool. Wie gesagt, die haben eine super Premier-League-Saison gespielt, haben nur ein Spiel verloren und wären in 24 von 26 Saisons Meister geworden. Jürgen Klopp hat die Mannschaft im Vergleich zum Finale im letzten Jahr nochmal super verstärkt, vor allen Dingen mit Alisson. Dennoch wissen sie genau, dass es gegen die Spurs ein schwieriges Spiel wird, da diese gelernt haben mit Liverpools aggressivem Pressing umzugehen. Ich glaube gegen Ajax hätte Liverpool sicher gewonnen, die hätten Ajax’ etwas naive Spielweise super ausgekonternt und mit zwei/drei Toren gewonnen, aber gegen die Spurs und Mauricio Pochettino wird es nicht einfach. Auch das letzte Aufeinandertreffen hat Liverpool erst in der Nachspielzeit gewonnen. Dennoch denke ich, dass sie zu stark für Tottenham sind und das Spiel 2-0 gewinnen werde. Ich persönlich würde Jürgen Klopp auch den Titel mit Liverpool gönnen.

90PLUS: Wie bewertest du denn die nun endende Europa-League-Saison? Was waren deine persönlichen Überraschungen und wer hat dich am Ehesten enttäuscht?

Julius Eid: Die größte Enttäuschung dürfte aus Deutschland gekommen sein. RB Leipzig wurde auf internationalem Parkett den eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Positiv war dafür natürlich die Europa-Saison der Eintracht. Was da von Fans und Mannschaft geleistet wurde war beeindruckend und endete, wenn auch nicht im Finale, wenigstens gebührend dramatisch. Wenn man sich jetzt die Finalpaarung anschaut muss man zur EL festhalten, dass hier potenziell die Schere von Topvereinen und Konkurrenten wohl noch extremer auseinander geht als in der CL. Etwas was einem Wettbewerb per se nicht gut tut.

David Kappel: Ich denke, es war eine der besten Europa-League-Saisons seit langer Zeit. Dadurch, dass man sich über die Europa League für die Champions League qualifizieren kann, nehmen viele Mannschaften die Europa League jetzt ernster. Am meisten enttäuscht war ich von Bayer Leverkusen (von denen ich Fan bin). Mit so einer jungen und im Vergleich stark besetzten Truppe darf man nicht gegen Krasnodar ausscheiden. Sie hätten viel mehr erreichen können. Die positive Überraschung für alle – ich denke nicht nur mich – war Eintracht Frankfurt, die eine super Europa League-Saison gespielt haben, aber leider im Elfmeterschießen gegen Chelsea gescheitert sind. Die Mannschaft sowie die Fans haben gezeigt, dass Europa League Spaß machen kann, wenn man sie ernst nimmt. Andere Deutsche Mannschaften sollten sich an der Eintracht ein Beispiel nehmen!

Nico Scheck: Die Europa-League-Saison war packend wie lange nicht mehr. Das mag zum einen vor allem daran liegen, dass mit Eintracht Frankfurt ein deutsches Überraschungsteam bis ins Halbfinale gekommen ist. Das liegt aber auch daran, dass man in dieser Saison bei deutlich mehr Teams auch das Gefühl hatte, diesen Wettbewerb unbedingt gewinnen zu wollen und nicht nur als Trostpflaster für dien Champions League anzusehen. Neben der positiven Überraschung Eintracht war ich insbesondere von RB Leipzig enttäuscht. Schon die Quali war eine echte Qual und das hat sich dann in die Gruppenphase gezogen. Bei dem Personal muss da viel mehr kommen! Ähnliches gilt auch für den AC Mailand und Olympique Marseille.

90PLUS: Wie schätzt du hier das Abschneiden der deutschen Mannschaften ein, wäre nicht eigentlich noch mehr drin gewesen?

David Kappel: Im großen und ganzen doch wieder enttäuschend. Wie gesagt, Hut vor Frankfurt! Aber Leverkusen und Leipzig haben sich ganz klar unter Wert verkauft. Über Jahre hinweg scheiden Deutsche Vereine gegen kleinere, oft osteuropäische Teams aus und das muss sich ändern wenn die Bundesliga über lange Frist konkurrenzfähig bleiben will.

Nico Scheck: Wie bereits erwähnt, von Leipzig hätte da mehr kommen müssen. Hier hatte ich nicht das Gefühl, dass der Wettbewerb wirklich angenommen wurde. Ähnliches gilt für Bayer Leverkusen. Dass mit Frankfurt ausgerechnet der vermeintlich schwächste Vertreter der Bundesliga für Furore gesorgt hat, zeigt auch, wie viel die Herangehensweise an den Wettbewerb Europa League ausmacht. Die Eintracht hatte einfach Bock drauf. Bei manch’ anderem Team hat man häufig das Gefühl, die Europa League wird nur als zusätzliche Last angesehen. Aber dafür kämpfe ich doch nicht 34 Spieltage lang um die Qualifikation für Europa, um dieses Privileg dann in der Folge-Saison herzuschenken.

Julius Eid: Wie eben schon angesprochen hätte für Leipzig mehr drin sein müssen. Für einen Verein der zumindest von sich behauptet auch hohes Zuschauerpotential zu haben war die Leistung auf den Rängen enttäuschend. Für einen Verein mit diesen Möglichkeiten war die Leistung auf dem Platz enttäuschend. Gerade im Kontrast zur Eintracht sollte man sich in Leipzig nach diesen Auftritten hinterfragen.

90PLUS: Wer gewinnt das Finale – Chelsea oder Arsenal?

Nico Scheck: Der FC Arsenal. Zwar sehe ich Chelsea in der Spitze besser besetzt, aber unter den Voraussetzungen, dass Sarri umstritten ist, dass Hazard vermutlich gehen wird und man noch die Transfersperre im Nacken sitzen hat, sind das dann doch zu viele Nebengeräusche.

Julius Eid: Chelsea ist für mich sportlich Favorit. Allerdings steht für Arsenal deutlich mehr auf dem Spiel. Auch die Trainersituation bei den Blues wirkt deutlich angespannter. Aufgrund dieser emotionalen Vorzeichen rechne ich mit einem intensiven Spiel in dem ich keiner Mannschaft einen sicheren Sieg vorhersagen kann.

David Kappel: Das ist schwer vorauszusagen. Arsenal muss gewinnen um sich für die Champions League zu qualifizieren, aber Chelsea hat meiner Meinung nach etwas mehr Qualität in der Mannschaft. Ich glaube, es wird entscheidend sein, welche Mannschaft es am Ende mehr will und da sehe Arsenal mit leichten Vorteilen. Chelsea hatte einen der leichtesten Wege ins Finale und wurde kaum so richtig getestet. Wenn Piere-Emerick Aubameyang und Alexandre Lacazette ihre Topform abrufen, könnte Arsenal Eden Hazards womöglich letztes Spiel für Chelsea verderben.

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

90PLUS: Zu guter Letzt – die englischen Vereine waren in der Vergangenheit in den internationalen Wettbewerben über einen langen Zeitraum nur bedingt wettbewerbsfähig. Hier und da ein Ausreißer nach oben, aber im Gesamten waren meist die spanischen oder auch deutschen Vereine den Engländern hier etwas voraus. Wie kommt dieser plötzliche Umschwung und gleich vier englische Finalisten?

Julius Eid: Die Antwort ist da zweigeteilt. Erstens spielt natürlich das große Geld eine Rolle. Alleine aufgrund der TV-Gelder sind englische Vereine natürlich finanziell hervorragend aufgestellt. Gerade in der EL ist das schon ein riesiger Grund. Denn die Liga 5. Und 6. In England bewegen sich in völlig anderen Sphären als ihre EuroLeague-Kontrahenten. Zweitens ist diese Situation Resultat eines Umdenkens in England. Denn das große Geld wird jetzt auch endlich vernünftig eingesetzt. Lange hatte man sich von den fußballerischen Entwicklungen des Kontinents abgekapselt. Jetzt setzt man auf die besten Trainer der Welt, hat die Nachwuchsarbeit extrem gestärkt und bewegt sich nicht nur finanziell auf Topniveau. Das ist spürbar.

David Kappel: Wenn man auf die Fernsehgelder in England schaut, gleicht das eigentlich schon an Wettbewerbsverzerrung. Ich glaube die Absteiger wie Huddersfield kriegen genauso viel wie Vereine, die sich in Spanien und Deutschland für die Champions League qualifizieren, wenn nicht sogar mehr. Demzufolge haben Englische Vereine einen großen Vorteil auf dem Transfermarkt, den sie bisher aber oft nicht genutzt haben. Aber Trainer wie Jürgen Klopp, Mauricio Pochettino und Pep Guardiola haben die Premier League insgesamt stärker gemacht. Die Kader werden besser und besser, und sie können heutzutage auch mehr und besser rotieren, um die große Anzahl an Spielen, die bisher oft ein Nachteil für Englische Mannschaften waren, besser auszugleichen. Es könnte sein, dass wir über die nächsten Jahre noch mehr Europäische Dominanz von Englischen Mannschaften sehen könnten, vorausgesetzt sie kaufen auf dem Transfermarkt klüger ein.

Nico Scheck: Das war wohl nur eine Frage der Zeit aufgrund der finanziellen Möglichkeiten. Die Engländer haben begriffen, dass es nicht ausreicht, die besten Spieler für viel Geld zu holen, sondern dass man auch die nötigen Strukturen schaffen muss. Mittlerweile trainieren die besten Coaches englische Teams, die eigene Jugend blüht auch wieder auf und die Attraktivität der Premier League war ohnehin nie weg. Dass jetzt gleich alle vier Finalplätze von englischen Mannschaften besetzt sind, ist natürlich ein Extremfall, aber grundsätzlich war die Entwicklung abzusehen, was nicht heißt, dass es in den nächsten Jahren nicht wieder anders sein kann. Hinzu kam allerdings auch, dass einige der Spitzenteams über ihrem Zenit sind (Real Madrid, Barca, Bayern) oder noch in der Mache (PSG, Atlético).

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Steffen Gronwald

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