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90PLUS » England: Gelingt mit Tuchel der große Wurf?
WM 2026

England: Gelingt mit Tuchel der große Wurf?

Philipp Beyer
17.06.26, 01:42
Philipp Beyer
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Thomas Tuchel, England
Foto: Getty Images

60 Jahre liegt der letzte und bislang einzige internationale Triumph der englischen Nationalmannschaft bereits zurück. Als einer der großen Favoriten gehen die Three Lions in das Turnier in Nord- und Mittelamerika. Is Football finally coming home?

Nach der EM-Blamage 2016 im Achtelfinale gegen Island benannte England Gareth Southgate als neuen Nationaltrainer. Seine Zeit war durchaus erfolgreich. 2018 kam man bis ins WM-Halbfinale, bei seinen beiden Europameisterschaften scheiterte man beide Male erst im Endspiel an Italien und Spanien.

Der große Traum vom Titel ging also noch nicht in Erfüllung. Das soll nun ein ausgerechnet ein deutscher Top-Trainer schaffen. Thomas Tuchel übernahm die englische Nationalmannschaft im Frühjahr 2025. Die Qualifikation für die WM lief dabei absolut reibungslos. Acht Spiele, acht Siege. Neben Norwegen ist man damit das einzige Team, dass eine perfekte Quali-Runde abgeliefert hat.

Lange hielt sich die Kritik gegenüber Southgate, dass sein Spielstil zu konservativ sei. Das änderte Tuchel. Mehr Dominanz, mehr Spielkontrolle und mehr tiefe Läufe, aber ohne dabei die Defensive zu sehr zu vernachlässigen. Gerade die Konterabsicherung hat sich erheblich verbessert.

Der Schlüssel im Angriff: Harry Kane

Double-Sieger mit den Bayern und mehr als 60 Pflichtspieltore. Harry Kane kommt aus einer überragenden Saison und in einer überragenden Form in die Nationalmannschaft. Sein Spiel beschränkt sich aber seit einigen Jahren nicht mehr nur auf die Tore, sondern er besticht auch in tieferen Positionen. Lässt sich fallen und hilft im Spielaufbau, reißt aber auch Lücken für seine Mitspieler. Gerade Luis Diaz und Michael Olise profitieren in der Bayern-Offensive enorm davon.

Damit dürften auch zwei sehr strittige Personalentscheidungen von Tuchel wieder etwas verständlicher werden. Die Nicht-Nominierungen von Phil Foden und Cole Palmer sorgten im Vorfeld für große Diskussionen, allerdings sind beide wie Kane Spieler, die eher aus der Tiefe heraus gefährlich sind. Stattdessen sind nun Spieler wie Anthony Gordon oder Marcus Rashford nominiert, die die durch die Bewegungen von Kane entstehenden Räume nutzen können.

Harry Kane
Foto: Getty Images

Kane selbst sieht die WM auch für sich persönlich als sehr wichtig an. Nicht nur, weil ein WM-Sieg vermutlich das Größte ist, was man im Weltfußball erreichen kann, sondern auch aufgrund seiner Chancen, vielleicht dieses Jahr den Ballon D’or zu gewinnen. „Ich wäre definitiv einer der Favoriten.“, äußerte er sich über das Rennen um den goldenen Ball.

Eine Sache, die aus der Southgate-Ära geblieben ist, ist die Standardstärke der Three Lions. 25% der Tore in der Qualifikation sind nach ruhenden Bällen gefallen. Man muss nur in die eigene Liga schauen, um zu sehen, wie wichtig Standardsituationen sein können. Arsenal hat dieses Mittel maßgeblich genutzt, um den ersten Premier League-Titel seit 22 Jahren einzutüten. Mit Declan Rice und Bukayo Saka sind auch zwei Standardspezialisten der Gunners im WM-Aufgebot.

Ein weiterer X-Faktor im Spiel der Engländer wird daneben auch Real-Star Jude Bellingham. Bei den Königlichen hat er, wie der komplette Klub, eine Seuchen-Saison hinter sich, die es wohl schnellstmöglich zu vergessen gilt. Natürlich gilt Bellingham aber nach wie vor auf der 10 als einer der besten Spieler Europas. Gerade das Mittelfeld mit dem Ex-Dortmunder und Arsenal-Star Rice wird spielentscheidende Akzente setzen. 

In der Vorbereitung auf diese WM gab es zwei Siege gegen Costa Rica und Neuseeland. Überzeugend, aber ehrlicherweise auch nicht wirklich das Maß an Gegner, was in späteren Runden noch auf die Three Lions zukommen könnte. Dennoch geht England als einer der großen Favoriten in dieses Turnier. Gerade mit Tuchel an der Seitenlinie haben die Engländer gute Chancen, den Fußball endlich wieder nach Hause zu holen. 

 

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