La Liga | Derbi madrileño – (Vor-)Entscheidung Atlético oder Meisterkampf?

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Spotlight | Über weite Teile dieser Saison sah es aus, als ginge der Titel sicher an Atlético Madrid. Die Mannschaft von Diego Simeone pflügte durch La Liga und wusste die Patzer der beiden anderen Hausmächte Real Madrid und Barcelona bestens auszunutzen. Solange, bis sie selbst auch anfingen zu patzen. Das Derbi madrileño, es wird daher richtungweisend für den weiteren Titelkampf.

Später Start für Atlético, Barcelona und Sevilla, Real mit erstem Ausrufezeichen

Die Saison begann für einige Spitzenvereine im Aufholmodus. Da Atlético Madrid, Barcelona und der FC Sevilla an den Finalturnieren der UEFA teilnahmen – oder im Fall von Letzterem, es sogar gewannen – bekamen sie von La Liga in Ermangelung einer richtigen Sommerpause einige Wochen zusätzlich frei. Sie griffen erst ab dem 3. Spieltag ins Geschehen ein. An der Spitze stand damals, Ende September, Real Betis (6 Punkte), gefolgt von Granada (6), Real Sociedad (5) und Celta Vigo (5). Meister Real Madrid, der sein Champions-League-Achtelfinalrückspiel im Etihad 1:2 verlor und daher den Sprung ins Finalturnier verpasste, stand mit vier Zählern aus den ersten beiden Spielen auf Rang 6.

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Die drei Nachzügler konnten ihren Saisoneinstand allesamt erfolgreich gestalten und dadurch die Aufholjagd gleich im Tabellenmittelfeld starten. Am 5. Spieltag stand das erste Spitzenduell an, der FC Barcelona empfing erstmals in dieser Saison den FC Sevilla. Die Katalanen agierten weitestgehend einfallslos, Sevilla stand kompakt und erkämpfte sich ein 1:1. Damit musste Barcelona schon im dritten Spiel Federn lassen. Eine Bilanz, die Atlético Madrid gerne gehabt hätte. Nachdem sie zuhause gegen Granada ein 6:1 zelebrierten, kamen sie in Huesca sowie gegen Villarreal nicht über ein 0:0 hinaus und rutschten auf Platz 12 ab. Diese Patzer nutzte Real Madrid aus, gewann 2:0 bei Levante, setzte sich an die Spitze und damit die erste kleinere Duftmarke im Titelrennen. Die kam gerade rechtzeitig zum Clásico gut drei Wochen später.

Atlético fängt Real Sociedad ein – und zieht davon

Inzwischen hatte sich das Tabellenbild etwas geändert. Zwar stand weiterhin ein „Real“ an der Spitze, aber nicht Madrid, sondern Sociedad. Da erstere überraschend 0:1 gegen Aufsteiger Cádiz verloren, brachte ihnen auch der 3:1-Sieg im Camp Nou lediglich Platz 2. Für Barcelona setzte es nach dem 0:1 in Getafe im fünften Spiel die zweite Niederlage. Mit sieben Punkten standen sie auf Platz 12 und waren damit erstmal von etwaigen Titelkampfpflichten befreit. Atlético hatte sich währenddessen etwas rehabilitiert und rückte dank zweier Siege am Stück auf Platz 5 vor. Am 10. Spieltag, Ende November, fügten sie Barcelona Niederlage Nummer drei zu und waren damit bis auf drei Punkte an Real Sociedad dran. Die Katalanen mussten sich derweil mit Platz 7 zufrieden geben.

Für Real Madrid war es ein Monat zum Vergessen. Die Königlichen konnten kein einziges ihrer drei Ligaspiele im November gewinnen, unter anderem verschuldeten sie im Mestalla gleich drei Elfmeter in einem Spiel und unterlagen Valencia krachend 1:4. Dazu hatten sie immer wieder mit Verletzungen von Schlüsselspielern zu kämpfen. Nach einer weiteren 1:2-Heimniederlage gegen Alavés gingen sie mit sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer Real Sociedad ins Jahresfinale 2020. Der Druck im Job wurde Zinedine Zidane ohnehin schon mit dem Arbeitsvertrag mitgegeben. In Zeiten wie diesen dürfte er nicht wirklich geringer geworden sein. Nur eine Woche später war die baskische Herrlichkeit an der Tabellenspitze beendet, Atlético übernahm wieder die Tabellenführung und zog bis zum 21. Spieltag auf zwischenzeitlich zehn Punkte davon. Das Ganze mit einem Spiel in der Hinterhand, wohlgemerkt.

Celta Vigo und Levante sorgen wieder für Spannung in La Liga

Spätestens hier schien es keine Frage mehr zu sein, ob Atlético den Titel gewinnt, sondern nur noch, wann. Zu stabil zeigte sich die Mannschaft von Diego Simeone (50) im neuen 3-1-4-2-System. Neuzugänge wie Luis Suárez (34) zündeten. Dazu fing auch João Félix (21) in seiner zweiten Saison an, volles Aroma zu entfalten. Noch dazu ließen sich die Colchoneros auch von einer Reihe Verletzungen sowie positiven COVID-19-Tests oder dem Pokalaus gegen Drittligist Cornella nicht aus der Ruhe bringen. Und auch der Spielplan meinte es gut mit ihnen. Die kommenden Gegner hießen Celta Vigo, Granada und zweimal Levante – eines davon als Nachholspiel vom 2. Spieltag. Eine Situation, zu schön, um wahr zu sein. Und die Ergebnisse waren aus Atléti-Sicht zu wahr, um schön zu sein.

 

Erst entriss ihnen Facundo Ferreyra (29) in der 89. Minute den eigentlich sicheren Heimsieg und rettete Celta Vigo das 2:2. Nach einem 2:1 in Granada kamen sie bei Levante nicht über ein 1:1 hinaus. Marcos Llorente (26) sorgte für den Punktgewinn. Wenige Tage später gerieten sie zuhause erneut in Rückstand. Doch diesmal hatte Levante aus der ersten Begegnung gelernt und wusste Atlético zu verhindern. Jorge de Frutos (24) sorgte in der 95. Minute für das Highlight des Spiels, als er aus über 40 Metern ins leere Tor zur Entscheidung traf. Jan Oblak (28) hatte sich zuvor bei einem Eckball mit nach vorne begeben. So waren binnen vier Spieltagen sieben der zehn Punkte Vorsprung dahin.

Das lag daran, dass Atlético auf einmal Schwächen offenbarte, die in dieser Form bisher noch nicht sichtbar wurden. Das 2:2 gegen Celta Vigo war ihr erster Punktverlust nach acht Ligasiegen in Folge. Aber auch daran, dass mit Beginn des neuen Jahres Barcelona und Real Madrid aus ihrem Winterschlaf erwachten. Erstere gewannen alle La-Liga-Spiele im Januar, letztere alle im Februar.

Derbi madrileño – Vorentscheidung Atlético oder Meisterkampf?

Zwar genehmigten sich die beiden Platzhirsche in der Zwischenzeit noch ein 1:1 gegen Cádiz, beziehungsweise Real Sociedad, sodass Atlético – weiterhin mit einem Spiel in der Hinterhand – wieder zwei Punkte gutmachen konnte. Trotzdem ist die Ausgangslage vor dem Derbi madrileño am Sonntagnachmittag mehr als brisant. Mit einem Heimsieg könnten die Rojiblancos ihren Stadtrivalen wieder auf sieben Punkte distanzieren, was auch einer Revanche für die 0:2-Niederlage im Hinspiel gleichkäme. Im Falle einer Niederlage würde sich der Meisterschaftskampf allerdings wieder entzünden. Schon am Samstagabend ist Barcelona in Pamplona, bei Osasuna, zu Gast. Mit einem Sieg könnten sie die Lücke vorerst bis auf zwei Punkte schließen. Die Spannung in La Liga, sie ist wieder da.

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Victor Catalina

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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