Real Madrid | Zidane schreibt Abschiedsbrief und kritisiert Perez

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News | Zinédine Zidane wird Real Madrid ein zweites Mal verlassen. Seine Beweggründe erläuterte er nun in einem Abschiedsbrief, der sich an alle Sympathisanten der Königlichen richtete.

Zidane: „Ich gehe, weil der Klub mir nicht mehr das Vertrauen gibt“

Es war still um Zinédine Zidane (48), dessen zweite Amtszeit bei Real Madrid am vergangenen Donnerstag zu Ende ging. Wie schon im Mai 2018, nachdem er die Königlichen zu historischen drei Champions-League-Triumphen am Stück führte, verlässt er den Verein aus freien Stücken. Allerdings gab er die Gründe diesmal nicht in einer gemeinsamen Pressemitteilung, sondern in einem in der Sportzeitung AS erschienen offenen Brief an. Dort bedankte er sich zunächst für die 20 Jahre im Verein, die ausschließlich durch Präsident Florentino Perez (74) zustande kamen, der für ihn gekämpft habe, auch wenn es Gegenstimmen gab. „Ich sage es vom Herzen, ich werde dem Präsidenten dafür immer dankbar sein. Für immer“, betonte Zidane.

 

Doch inzwischen entstanden große Risse in der Beziehung zwischen Perez und Zidane. Der beliebte Trainer schrieb: „Ich gehe, weil ich das Gefühl habe, dass der Verein mir nicht mehr das Vertrauen gibt, das ich brauche, mir nicht mehr die Unterstützung bietet, um mittel- oder langfristig etwas aufzubauen.“ Die Vereinsführung habe vergessen, was er tagtäglich aufgebaut habe, was er in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft sowie dem Staff geleistet habe. „Ich bin ein geborener Gewinner-Typ und ich war hier, um Trophäen zu gewinnen, aber darüber hinaus gibt es Menschen, Emotionen, das Leben und ich habe das Gefühl, dass diese Dinge nicht wertgeschätzt wurden, dass man nicht verstanden hat, dass dies auch die Dynamik eines großen Vereins ausmacht“, so Zidane.

„Ich hatte wunderbare Jungs, die bis zum Tod hinter mir standen“

Die Vereinsikone ging nochmals konkret auf das angespannte Verhältnis zu Perez ein: „Mir hätte es gefallen, wenn meine Beziehung zum Klub und Präsidenten in den letzten Monaten eine etwas andere gewesen wäre als bei anderen Trainern. Ich habe nicht um Privilegien gebeten, natürlich nicht, sondern um etwas mehr Erinnerungsvermögen.“ Als Trainer eines Spitzenklubs könne man nur länger als zwei Jahre überleben, wenn die menschlichen Beziehungen stimmen. Sie seien wichtiger als das Geld oder die Berühmtheit.

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Photo: Imago/Oscar J. Barroso

Keine negativen Worte verlor Zidane dagegen über die Mannschaft – ganz im Gegenteil: „Ich hatte wunderbare Jungs, die bis zum Tod hinter mir standen. Als die Dinge hässlich wurden, retteten sie mich mit grandiosen Siegen.“ Damit wies er auf die andauernden Diskussionen um seinen Job hin. „Es tat mir weh, als ich nach einer Niederlage las, dass man mich entlassen würde, wenn ich das nächste Spiel nicht gewinne“, erklärte der scheidende Trainer.

Zidane fügte an: „Natürlich bin ich nicht der beste Trainer der Welt, aber ich bin in der Lage, jedem Kraft und Vertrauen zu geben, was jeder bei seiner Arbeit braucht – sei es der Spieler, jemand aus dem Trainerstab oder irgendein anderer Mitarbeiter. Ich weiß ganz genau, was eine Mannschaft braucht.“ Zudem wies er auf die Denke der treuen Anhänger hin, das er nach 20 Jahren einschätzen könne. Er wisse, dass die Fans gewinnen wollen, „aber vor allen Dingen wollt ihr, dass wir alles geben – der Trainer, der Stab, die Mitarbeiter und selbstverständlich die Fußballer.  Und ich kann versichern, dass wir 100 Prozent für den Klub gegeben haben.“

„Wir haben nur selten über Fußball geredet“

Zum Abschluss bezog sich Zidane auch auf die Partnerschaft mit den Journalisten: „Ich hatte hunderte Pressekonferenzen und leider haben wir sehr wenig über Fußball geredet. Ich weiß, dass ihr den Fußball ebenfalls liebt, dass uns dieser Sport verbindet.“ Ihm hätte es gefallen, wenn öfter über den Ball und vor allem die Spieler gesprochen worden wäre, da sie das Wichtigste am Spiel seien.

Vielleicht findet der Franzose schon bald einen neuen Verein, wo der Fußball im Vordergrund steht. Letztendlich werde er aber immer ein „Madridista“ bleiben. Doch eine schnelle Rückkehr an die Seitenlinie von Real Madrid scheint ausgeschlossen zu sein. Währenddessen läuft bei den Königlichen die Trainersuche. Antonio Conte (51) und Mauricio Pochettinp (49) gelten als Favoriten auf die Nachfolge von Zidane,der in zusammengerechnet rund fünf Jahren neben den drei Champions-League-Titeln auch zweimal die nationale Meisterschaft und den Supercup, zweimal den europäischen Supercup sowie zweimal die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft gewann.

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(Photo: Imago/ Eduardo Candel)

Yannick Lassmann

Rafael van der Vaart begeisterte ihn für den HSV. Durchlebte wenig Höhen sowie zahlreiche Tiefen mit seinem Verein und lernte den internationalen Fußball lieben. Dem VAR steht er mit tiefer Abneigung gegenüber. Seit 2021 bei 90Plus.

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