La Liga startet in die Restsaison: Was bisher geschah

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Zwei Tage vor dem Jahreswechsel startet La Liga in die Restsaison. Was machen die Großen aus Madrid und Barcelona? Welche Teams konnten bislang überraschen? Und wer enttäuschte? Wir geben einen Überblick über die bisherigen Geschehnisse in Spaniens oberster Spielklasse.

Real vs. Barça: Ein Titelkampf wie in früheren Tagen?

Lange ist es her, dass die Fans einen spannenden Meisterschaftskampf zwischen Real und Barça in Spanien erleben durften. Seit der Saison 2017/18 betrug der Abstand zwischen den beiden Branchenriesen am Ende immer mindestens fünf Punkte, selten war es zum Saisonendspurt überhaupt noch spannend an der Spitze. Das könnte sich 2023 ändern. Beide Mannschaften lassen die Dominanz alter Tage wieder aufblitzen, und das teils auf eine beindruckende Art und Weise. 

Beim FC Barcelona haben sich die Top-Neuzugänge schnell integriert und brauchten kaum Anlaufzeit, die Automatismen schienen praktisch schon zum Saisonstart da zu sein. Die Offensive um Ousmane Dembélé, Raphinha und allen voran Robert Lewandowski überrollte ihre Gegner regelrecht. Überraschenderweise funktionierte es aber auch defensiv. Trotz fast schon traditioneller Probleme und viel Verletzungspech in der Hinrunde, kassierten die Katalanen in bislang 14 Spielen gerade einmal fünf Gegentore – mit Abstand Bestwert in La Liga. So verbrachte Blaugrana Weihnachten mit zwei Punkten Vorsprung auf Real Madrid an der Tabellenspitze.

Beim Erzrivalen aus der Hauptstadt läuft es aber kaum schlechter. Der altersbedingte Umbruch geht äußerst geräuschlos vonstatten. Während in der Offensive Vinícius Júnior seine zweite starke Saison spielt und damit weiterhin Karim Benzema entlastet, wird auch sein Pendant Rodrygo stärker. Auf der Sechs hat sich derweil Neuzugang Aurélien Tchouaméni durchgesetzt und den Abgang von Casemiro nach nur wenigen Wochen nahezu vergessen gemacht. Die Königlichen pflegen einen sehr dominanten Spielstil, wobei sie selten die Sterne vom Himmel spielen.

Was sie aber wie kaum ein anderer Klub im europäischen Vereinsfußball beherrschen: im richtigen Moment zuzuschlagen. Real bestach in der Hinrunde vor allem durch seine unvergleichliche Abgezocktheit und brachte damit schon manch einen Gegner zum Verzweifeln. Zu spüren bekommen hat das auch der FC Barcelona im Clasico, den die Madrilenen mit einem souveränen 3:1-Sieg für sich entschieden. Gut möglich, dass wir darüber in der Endabrechnung nochmal sprechen.



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Im Baskenland ist Träumen erlaubt

Was La Liga 2022/23 neben einem spannenden Zweikampf an der Spitze auch auszeichnet, sind starke Vertreter aus dem Baskenland. Während die Rivalen aus Bilbao und San Sebastian in den letzten Jahren hier und da durchaus unter ihren Möglichkeiten blieben, belegen sie nun Platz drei und vier. Real Sociedad ist mit 26 Punkten Tabellendritter und träumt von der dritten Champions-League-Teilnahme der Vereinsgeschichte. Es wäre zugleich die erste seit der Saison 2013/14.

Und der Traum ist durchaus berechtigt, denn bei La Real läuft es. Und das ohne den eigentlichen Topstar Mikel Oyarzabal, der verletzungsbedingt nach wie vor passen muss, und Alexander Isak, den es im Spätsommer nach Newcastle zog. Dafür schlugen die Sommerneuzugänge ein – insbesondere Brais Mendez, dem schon sechs Tore und zwei Vorlagen gelangen. Wenn Real Sociedad eins mag, dann ist es Spielkontrolle. Mit 56,2 Prozent Ballbesitz hat man den vierthöchsten Anteil in La Liga, zudem presst man seine Gegner extrem hoch und sorgt so für frühe Ballrückeroberungen. Wenn diesmal auch die Konstanz mitmacht, sind die Chancen auf die erste Champions-League-Teilnahme seit zehn Jahren hoch.

Es sei denn, ausgerechnet der baskische Rivale aus Bilbao hat etwas dagegen. Der Athletic Club rangiert mit nur zwei Zählern weniger auf Rang vier. Maßgeblich dafür verantwortlich ist Ernesto Valverde, der im Sommer auf die Trainerbank der Leones zurückkehrte und an alte gemeinsame Erfolge anknüpfen will – bislang mit vielversprechenden Aussichten. Neben der traditionell starken Defensive (14 Gegentore in 14 Spielen) überzeugt man nämlich auch offensiv, hat mit 24 Treffern die drittmeisten in La Liga erzielt.

Auch Athletic setzt auf ein hohes Pressing. Nach Ballgewinn geht es oft über wenige Kontakte in den Strafraum des Gegners, wo Iñaki Williams und Co. zuschlagen. Die Basis für die erste Europapokal-Teilnahme seit 2017/18 stimmt. Damals erreichte man unter – natürlich, wem auch sonst? – Valverde die Europa League.

Halb La Liga kämpft um Europa

Auf den großen Wurf hofft auch Real Betis. Anders als in den ersten beiden Saisons unter Trainer Manuel Pellegrini sind die Andalusier in der laufenden Spielzeit für eine etwas pragmatischere Herangehensweise bekannt. Das italienische Trainer-Urgestein schaffte es, die Defensive zu stabilisieren (zwölf Gegentore). Dafür hakt es mit lediglich 17 eigenen Treffern allerdings offensiv etwas bei den Verdiblancos. Immerhin scheint Stürmer Borja Iglesias in seiner vierten Saison im Benito Villamarin endlich richtig ins Rollen zu kommen. Mit acht Saisontoren rangiert der 29-Jährige auf Platz zwei der Torjägerliste in La Liga. Einzig ein gewisser Lewandowski (13 Tore) traf öfter ins Schwarze. Der Schlüssel zur ersten Champions-League-Teilnahme seit 2005/06?

Ein weiterer direkter Konkurrent um die ersten vier Plätze ist naturgemäß Atlético. Die Colchoneros befinden sich auf Platz fünf und punktgleich zu Athletic in Schlagdistanz zu den Champions-League-Plätzen. Allerdings verlief die Hinrunde weitestgehend enttäuschend. Wenig Durchschlagskraft in der Offensive, viele lethargische Auftritte – was bereits in den vergangenen Jahren ein Problem war, könnte nun dazu führen, dass der Stadtrivale von Real Madrid erstmals seit zehn Jahren die Champions League verpasst.

Dafür spricht auch, dass zu viele Punkte gegen die kleineren Teams liegen gelassen werden. Allein in den letzten drei Spielen vor der Winterpause gab es gegen Cádiz (2:3), Espanyol (1:1) und Mallorca (0:1) lediglich einen mickrigen Zähler. Dazu das Theater um João Félix, der Atléti schon im Winter verlassen könnte.

Konträr zu den Colchoneros gibt es zwei kleinere Mannschaften, die in der Hinrunde überperformt haben und sich nun zurecht Chancen auf die europäischen Plätze ausrechnen dürfen. Die Rede ist von Rayo Vallecano und Osasuna. Während Osasuna einen herausragenden Saisonstart hatte, zeitweise an der Tabellenführung schnupperte und im letzten Ligaspiel vor der WM-Pause auch Barça lange am Rande einer Niederlage hielt (1:2), ist Rayo ein Wiederholungstäter.

Nach einem souveränen zwölften Platz beim Erstliga-Comeback wurde dem Vorstadtklub aus dem Süden Madrids das allseits bekannte „schwierige zweite Jahr“ prognostiziert – zum Trotz von Trainer Andoni Iraola und seiner Mannschaft, die sämtliche Experten Lügen strafen ließen. Bei den Franjirrojos genießt die defensive Stabilität oberste Priorität. Das hindert sie mittlerweile aber nicht mehr daran, auch mal für Spektakel zu sorgen. Beispiele lieferten die letzten beiden Heimspiele, in denen neben einem 5:1-Kantersieg gegen Cádiz auch Real Madrid mit 3:2 bezwungen wurde.

Ein weiterer Anwärter für Europa ist fast schon traditionell Villarreal. Zu Beginn der Saison hatte man sogar den Eindruck, dass die Liga-Lethargie aus vergangenen Spielzeiten endlich abgelegt werden und man den Blick Richtung Top vier richten könnte. Schließlich verfügt die Mannschaft über einen guten Mix aus Talent und Erfahrung, zudem war ein funktionierendes spielerisches Grundgerüst vorhanden.

Betonung auf war, denn Erfolgstrainer Unai Emery verließ das Gelbe U-Boot vor wenigen Wochen Richtung England. Neutrainer Quique Setién hat eine andere Fußballschule als Emery besucht, und das merkte man der Mannschaft auch in den ersten Spielen an. Entsprechend wird es Zeit brauchen, bis Ergebnisse kommen. Mit den Top vier wird es auch diesmal nichts, die Europa League ist aber durchaus noch in Reichweite.

Ein Champions-League-Teilnehmer auf Abwegen

Während sich Valencia unter Neutrainer Gennaro Gattuso sowie die Aufsteiger aus Girona, Almeria und Valladolid im Niemandsland der Tabelle herumtreiben, geht es für einen Champions-League-Teilnehmer ums Überleben. Die Rede ist vom FC Sevilla. Ein Grund für Tabellenplatz 18 und Abstiegskampf ist der Transfersommer, in dem die Andalusier mit den Abgängen des Innenverteidiger-Duos Diego Carlos und Jules Koundé zwei schwerwiegende Verluste hinnehmen musste. Daran hatte die Mannschaft sichtlich zu knabbern.

Julen Lopetegui La Liga

(Photo by David Ramos/Getty Images)

Neben der Tatsache, dass sich in der Hintermannschaft erst eine neue Hierarchie bilden musste und es nicht zuletzt dadurch auch zu defensiven Unzulänglichkeiten und Aussetzern kam, fehlte es auch in der Offensive an der nötigen Durchschlagskraft. Letztlich musste Trainer Julen Lopetegui im Oktober seinen Hut nehmen und wurde durch Jorge Sampaoli ersetzt, der den FC Sevilla 2016/17 zwar schon mal eine Saison lang betreut hat, jedoch einen völlig anderen Fußball als Lopetegui spielen lässt.

Dass kurzfristige Erfolge ausblieben, war demzufolge kaum überraschend. Lediglich sechs Punkte gab es aus den ersten sieben Ligaspielen unter dem Argentinier. Sevilla muss sich wohl oder übel damit anfreunden, dass die Konkurrenz nun vorerst Getafe, Espanyol, Celta und Cádiz statt Real, Barça und Atlético heißt.

Kleiner Trostpreis für alle Sevillistas: Es gibt einen Klub in La Liga, dem es noch schlechter geht. Der FC Elche hat in 14 Spielen gerade einmal vier Zähler einfahren können und wartet noch auf seinen ersten Saisonsieg. Fast noch kurioser als die Zwischenbilanz ist die Tatsache, dass bei den Franjiverdes in der laufenden Ligasaison bereits vier verschiedene Trainer an der Seitenlinie standen. Pablo Machin leitet seit Beginn der Winterpause die Geschicke und wird der fünfte im Bunde sein. Um in der dritten Saison in La Liga noch den Abstieg abzuwenden, müssten wir 2023 fast schon Zeugen eines kleinen Wunders werden.

(Photo by THOMAS COEX/AFP via Getty Images)

Text von Michael Bojkov

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