Neben der 5. Meisterschaft in Folge für Dominator PSG hatte die Ligue 1 auch in dieser Saison viele andere Geschichten zu erzählen. Wir blicken auf die Tops & Flops der Saison 2025/26.
Neben dem Text zum letzten Spieltag und allen Entscheidungen, die gefallen sind, ist bereits gestern der Artikel zum Team der Saison der Ligue 1 erschienen.
Flop: Marseille als Pulverfass der Ligue 1
Die fanatischen Fans vom Olympique Marseille können dem Verein zu euphorischen Höhen verhelfen. Zeitgleich ist OM aber ein brodelnder Vulkan, der stets kurz vorm Ausbruch steht. Die Saison 2025/26 war praktisch eine dauerhafte Eruption. Bereits nach dem 1. Spieltag prügelten sich Jonathan Rowe und Adrien Rabiot in der Kabine und lösten die erste Krise aus, an deren Ende beide den Verein verließen.
Es sollte nicht der letzte vermeintliche Tiefpunkt einer absurden Saison werden. Sportlich lief es längere Zeit vernünftig. OM stand in den Top 3, gewann „Le Classique“ gegen PSG und spielte auch in der Champions League ordentlich. Doch in 2026 ging alles den Bach herunter. In der Trophée des Champions verspielte Marseille in den letzten Sekunden den ersten Titel seit 14 Jahren. In der Champions League schied De Zerbis Team durch ein Tor von Benfica-Keeper Anatoly Trubin und eine eigene 0:3-Blamage gegen Club Brügge aus. Und im Rückspiel gegen PSG setzte es mit 0:5 die höchste Niederlage aller Zeiten gegen den Pariser Rivalen.
Dies war das Ende von Roberto De Zerbi, der bei den Spielern durchaus beliebte Trainer musste gehen. Es folgte Habib Beye, der erst kurz zuvor in Rennes entlassen worden war. Die Ziele waren klar: ein Platz in den Top 3 und der Pokalsieg. Beides verpasste OM meilenweit. Doch nicht nur das: auch Sportdirektor Mehdi Benatia trat zurück, nur um zwei Tage später zu verkünden, dass er doch bis Saisonende bleiben würde. Daran gekoppelt war allerdings die Entmachtung von Präsident Pablo Longoria, der wiederum selbst zurücktrat. Unter Beye spielte das Team deutlich schlechter als zuvor und auch die Ergebnisse stimmten nicht.
Nach 13 Spielen im Amt hat Beye einen Punkteschnitt von 1,46 und das Pokalaus gegen Toulouse zu verantworten. Auch mehrere Trainingslager in Spanien und die mehrmalige Zwangskasernierung der Spieler auf dem Trainingsgelände zeigten keine Wirkung. Im Gegenteil, die letzte dieser Maßnahmen führte zum nächsten Skandal. Nachdem die Spieler erfuhren, dass sie nach vier Tagen fernab der Familie am Freitag vor dem 33. Spieltag endlich wieder zu ihren Familien nach Hause durften, drangen mehrere Spieler, unter Führung von Pierre-Emerick Aubameyang, in den Funktionärstrakt ein und besprühten einen Angestellten mit einem Feuerlöscher.
So steht OM am Saisonende vor einem Scherbenhaufen, auch finanziell ist der Verein in Schieflage und allein in der Saison 25/26 gab es 37 Kaderbewegungen.
Top: Sage führt Lens zur Vizemeisterschaft & ins Pokalfinale
Das passende Gegenstück zu Marseille bietet Lens. Der Racing Club schafft es zwar am Ende nicht ganz PSG den Titel zu entreißen, doch auch die Vizemeisterschaft ist ein großer Erfolg für die Nordfranzosen. Pierre Sage schaffte es mit verhältnismäßig kleinen Mitteln ein Team zu formen, dass defensiv gut steht und ansehnlichen und erfolgreichen Offensivfußball spielt. Am letzten Spieltag gab es einen krönenden 4:0-Erfolg in Lyon. Dazu Lens kann am Freitag den ersten Coupe-de-France-Titel der Vereinsgeschichte einfahren.
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Besonders beeindruckend ist die ganze Geschichte, wenn man berücksichtigt, dass Lens einer der wenigen Vereine in Frankreich ist, der nicht Teil eines Multi-Club-Ownership-Konstrukts ist oder als Spielzeug eines milliardenschweren Investors fungiert. Der Klub ist fest in der ehemaligen Bergbauregion verankert und kann auf frenetische Unterstützung der Fans zählen. Somit schrieben Lens und Pierre Sage in der Saison 2025/26 ein modernes Fußballmärchen, das in der nächsten Saison in der Champions League weitererzählt wird.

Flop: Strasbourg nicht mehr als eine Durchgangsstation im MCO-Konstrukt
Die jüngere Geschichte Strasbourgs ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte, in der Saison 2012/13 spielte der Racing Club noch in der viertklassigen National 2. Doch Strasbourg ist trotz dessen, dass die Elsässer inzwischen wieder ein etabliertes Ligue 1-Team sind, ein warnendes Beispiel für alle Befürworter der Öffnung gegenüber Investoren. Eigentümer von Strasbourg ist BlueCo, denen auch Chelsea gehört. Und besonders diese Saison zeigte deutlich, welche hässliche Folgen Multi-Club-Ownership-Konstrukte für die „kleineren Vereine“ haben können.
Im Sommer gingen mit Andrey Santos und Djordje Petrovic zwei Leistungsträger der letzten Saison zurück nach London. Dafür kamen zahlreiche talentierte Spieler. Bis auf Keeper Mike Penders spielte aber praktisch niemand eine größere Rolle. Kurz nach Saisonstart verkündete dann Kapitän und Topstürmer Emmanuel Emegha seinen Transfer zu Chelsea für den Sommer 2026. Dies kam bei den Fans ebenso wenig gut an, wie sein Posieren mit dem Trikot der Blues. Im Winter wurde Strasbourg dann der Trainer „geklaut“. Liam Rosenior trat die Nachfolge von Enzo Maresca an und wurde inzwischen sogar schon wieder entlassen.
Zu allem Überfluss wechselte im Januar auch Innenverteidiger und Leistungsträger Mamadou Sarr auf die Insel, nur um dort zum Bankdrücker zu werden. Die Strasbourger Fans haben genug davon sich als Zulieferer- und Farmteam von Chelsea zu fühlen und protestieren inzwischen dauerhaft gegen BlueCo.
Top: Lorient als Aufsteiger ins sichere Mittelfeld
Vor der Saison galt Aufsteiger Lorient als heißer Abstiegskandidat. Toptorjäger Eli Junior Kroupi verließ den Verein zu Bournemouth und insgesamt wurden nur 2,8 Millionen in Neuzugänge investiert. Doch trotz aller Widrigkeiten und einem schwachen Saisonstart, mit nur zwei Siegen aus den ersten 13 Spielen, gelang es Trainer Olivier Pantaloni eine stabile Mannschaft zu formen. Von Anfang November bis Anfang März verloren die Bretonen nur ein einziges Spiel.
So konnte Lorient zwischenzeitlich sogar von Europa träumen und läuft am Ende, ohne jemals in großer Abstiegsnot gewesen zu sein, auf Platz 10 (oder 9, je nach Wertung des Spiels Nantes – Toulouse) ein. Vor allem die Heimstärke beeindruckte dabei. Nur drei Spiele verlor das Team von Pantaloni im heimischen Stade du Moustoir.
Flop: Nantes – Absturz eines Traditionsklub
Am Ende der letzten Saison jubelte Nantes noch darüber, dass „Les Canaris“ das Team in Frankreich blieben, das die längste ungeschlagene Serie innerhalb einer Saison schaffte. Am Ende dieser Spielzeit ist die Stimmung ungleich düster an der Westküste Frankreichs. Das letzte Saisonspiel gegen Toulouse musste nach 22 Minuten abgebrochen werden. Wütende Nantes-Fans hatten vermummt den Platz gestürmt und Pyrotechnik gezündet.
Dieser Spielabbruch bildet den vorläufigen Tiefpunkt eines jahrelangen Niedergangs, den der achtmalige Meister in den letzten Jahren hingelegt hat. Unter Waldemar Kita wurden die Investitionen jahrelang zurückgefahren und Geld, das da war, schlecht investiert. 2022 noch Pokalsieger, muss Nantes nach einer ganz schwachen Saison den Gang in die Ligue 2 antreten.
Top: Auxerre hält zu Trainer Pélissier und bleibt drin
Ein Team, das den Klassenerhalt in der Ligue 1 geschafft hat, ist die AJ Auxerre. Mit drei Siegen aus den letzten drei Spielen rettete sich Auxerre und musste noch nicht einmal den Umweg über die Relegation gehen. Dabei zahlte sich vor allem die Geduld und das Vertrauen der Vereinsführung aus. Zwischen dem 9. und dem 32. Spieltag stand Auxerre stets auf einem der letzten drei Plätze. Trotzdem durfte Trainer Christophe Pélissier in Ruhe weiterarbeiten.
Verschiedene Modelle, wie die Expected Points, zeigten bereits die ganze Saison über, dass Auxerres Leistungen eigentlich besser waren, als die Ergebnisse. Das Festhalten an Pélissier ist den Verantwortlichen trotzdem hoch anzurechnen und wurde am Ende mit dem bestmöglichen Saisonausgang belohnt.

Flop: Nizza – Von Platz 4 in die Relegation
Ähnliche Szenen, wie in Nantes, ereigneten sich in Nizza nach Abpfiff des 34. Spieltags gegen Metz. Mit dem 0:0 stand fest, dass Nizza nur ein Jahr, nach dem man mit Platz 4 noch die Qualifikation zur Champions League erreicht hatte, in die Relegation muss. Ein Absturz mit Ansage: auch Nizza ist Bestandteil eines MCO-Konstrukts und gehört, wie Manchester United INEOS. Eigentümer Jim Ratcliffe ließ bereits mehrfach verlauten, dass er die Spiele der Nicois nicht verfolgen würde, da der Fußball zu schlecht sei.
Diese Einstellung spiegelt sich auch in der Arbeit innerhalb des Vereins wieder. Praktisch alle Sommertransfers floppten und die Leistungen auf dem Platz wurden von Woche zu Woche schlechter. In der Europa League blamierte sich Nizza total und verlor sieben von acht Spielen. Dazu wurde die Mannschaft nach einer weiteren Niederlage im Herbst von den eigenen Fans tätlich angegriffen, woraufhin Jeremie Boga und Terem Moffi ankündigten niemals wieder für den Verein spielen zu wollen.
Als Konsequenz muss Nizza jetzt in der Relegation gegen AS Saint-Etienne um den Verbleib in der Ligue 1 zittern. Wobei das Heimspiel möglicherweise, als Strafe für die Ausschreitungen, gänzlich ohne oder vor weniger Fans ausgetragen werden muss.
Top: Esteban Lepaul – Aus der Drittklassigkeit zum Torschützenkönig
Estaban Lepaul ist eine der Feel-Good-Stories dieser Ligue 1 Saison. Vor drei Jahren lief der Angreifer noch für SAS Epinal in der drittklassigen National auf. In der Jugend spielte er bei Olympique Lyon. Dort wurde er aber aussortiert und nahm den Umweg über die unteren Spielklassen Frankreichs. Mit Angers schaffte Lepaul dann den Aufstieg in die Ligue 1. Im letzten Sommer folgte der Wechsel zu Stade Rennes.
In dieser Saison erzielte er 20 Tore und holte sich damit im Alter von 26 Jahren die Torjägerkanone in seiner erst zweiten Saison in der 1. Liga. Seine Leistungen waren so beeindruckend, dass er sogar ins Blickfeld der französischen Nationalmannschaft geriet. Zahlreiche Experten forderten eine Nominierung für die WM durch Nationaltrainer Didier Deschamps. Diese blieb zwar vorerst noch aus, doch der märchenhafte Aufstieg Esteban Lepauls dürfte noch nicht zu Ende sein.
Flop: Spielverlegungen – Ligaverband ruiniert das eigene Produkt
Es war auch in den vergangenen Jahren bereits gelebte Praxis, dass Teams der Ligue 1, die in der späteren Phase des Europapokals noch aktiv waren, in der Liga durch Spielverlegungen eine Verschnaufpause bekamen. Doch in dieser Saison griff der französische Ligaverband LFP besonders aktiv in den ligainternen Wettbewerb ein. Vor allem die Verlegung des Topspiels zwischen RC Lens und Paris Saint-Germain sorgte für großen Ärger.
Für Lens bedeutete es einen kompletten Verlust des Spielrhythmus. Während das finanzielle ohnehin übermächtige PSG bevorteilt wurde. Dazu wertete die LFP den eigenen Ligabetrieb und damit das eigene Produkt massiv ab. Unverständlich in Zeiten, in denen die Ligue 1 große Probleme mit den TV-Einnahmen hat. Während PSG also eine Pause bekam, musste Lens durch die Neuterminierung mehrere englische Wochen hintereinander spielen. Dies war in der Kaderplanung nicht berücksichtigt, da Lens nicht in Europa vertreten war.
Zu allem Überfluss wurde das Topspiel zwischen Vizemeister und Meister dann auch noch zu einem so späten Termin neu angesetzt, dass Lens zu diesem Zeitpunkt nur noch theoretische Chancen auf den Titelgewinn hatte, während es am ursprünglichen Termin um alles gegangen wäre.
Top: Lyon vom Fast-Zwangsabstieg in die Champions League
Der Schock im letzten Sommer saß tief, als verkündet wurde, dass mit Olympique Lyon einer der größten Klubs Frankreich den Gang in die zweite Liga antreten müsse. Zwar gelang es, unter der Führung von Michele Kang, den Zwangsabstieg abzuwenden. Doch trotzdem musste OL zahlreiche Leistungsträger abgeben und bekam erhebliche Einschränkungen auf dem Transfermarkt und bezüglich der Gehaltsmasse auferlegt.
So war vor der Saison völlig unklar, wo der Weg des Teams von Paulo Fonseca hingehen würde. Zumal Fonseca selbst bis November eine Sperre aus der Vorsaison absitzen und von der Tribüne aus zuschauen musste. Doch Lyon spielte vom Start weg eine beeindruckende Saison. In der Europa League und der Coupe de France schaffte man es bis ins Viertelfinale und in der Ligue 1 landete OL am Ende auf einem starken 4. Platz. Somit hat Lyon die Chance sich für die Champions League zu qualifizieren und damit nicht nur Leistungsträger zu halten, sondern auch dringend benötigte Einnahmen, zur Entspannung der immer noch angespannten finanziellen Lage, zu erzielen.
Jakob Haffke

