Arsenal vs. Tottenham: Spieldominanz trifft auf individuelle Klasse und Effizienz

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Vorschau | Am Samstagmittag empfängt der FC Arsenal Tottenham Hotspur zum 192. North London Derby. Neben der ewigen Frage, wer die Nummer eins im Norden Londons ist, steht auch tabellarisch einiges auf dem Spiel.

Anpfiff der Partie ist am Samstagmittag um 13:30 Uhr, live auf Sky.

  • Was macht Artetas Arsenal so stark?
  • Tottenham: Pragmatismus unter Conte
  • Wer gewinnt das Derby?

North London Derby, Arsenal gegen Tottenham – der Tabellenführer empfängt den Dritten der Premier League. In den vergangenen Jahren mussten sich beide Mannschaften nicht selten in unbequemeren Gefilden der Tabelle zurechtfinden. Mittlerweile läuten die Glocken in beiden Lagern wieder anders. Das letzte Derby im Mai dieses Jahres gewannen die „Spurs“ deutlich mit 3:0, was in der Endabrechnung mitentscheidend dafür war, dass sie sich knapp vor den „Gunners“ für die Champions League qualifizierten.

Dass sich Arsenal diese Saison in der Europa League herumschlagen muss, daran ist der Erzrivale also nicht ganz unschuldig. Heute haben sie nicht nur die Chance, sich für die bittere Pleite vom Frühsommer zu revanchieren, sondern können Tottenham zeitgleich auch noch in der Tabelle abhängen. Die „Spurs“ können derweil die Tabellenführung erobern und am Erzfeind vorbeiziehen. Für beide steht also durchaus mehr als die Rivalität auf dem Spiel.

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Arsenal blüht unter Arteta auf

Arsenal hat einen Start nach Maß in die neue Saison hingelegt. Sieben der ersten acht Spiele wurden gewonnen, man grüßt von der Tabellenspitze. Dass Arsenal zurzeit auf einer Erfolgswelle reitet, kommt nicht von ungefähr. Abseits des Platzes werden mittlerweile sehr viele richtige Entscheidungen getroffen.

Dazu gehört, dass man Mikel Arteta (40) trotz immer wiederkehrender Probleme vertraute und an ihm festhielt. Dieses Vertrauen zahlte der Trainer zurück, indem er aus vielen jungen Spielern eine talentierte Mannschaft formte, die nicht nur an sich selbst und die eigenen Stärken glaubt, sondern auf dem Platz auch ganz genau weiß, was sie zu tun hat.

Gerade was die Mannschaft mit dem Ball macht, ist beeindruckend. Häufig wird der Gegner mit Ballstafetten gelockt, ehe man mit gezielten Seitenverlagerungen und wenigen Kontakten den Weg zum Tor sucht – und diesen zumeist auch findet. In Europa gibt es zurzeit kaum eine Mannschaft, deren Positionsspiel und Automatismen im eigenen Ballbesitz derart ausgereift sind wie bei Arsenal.

Wie die Grafik zeigt, kreiert Arsenal (oben links) einen Großteil seiner Torchancen unmittelbar in der Nähe des Strafraums oder sogar im Sechzehner. Die Mannschaft von Arteta beherrscht offensive Kombinationen auf engstem Raum. Das Fundament hierfür ist, dass der Ball im Spielaufbau schnell und gezielt ins Offensivdrittel kommt. Stürmer Gabriel Jesus (25) hat in dieser Premier-League-Saison bereits 65 progressive Pässe empfangen, und damit mehr als jeder andere Spieler ligaweit. 

Apropos Jesus: Der Neuzugang gibt der Mannschaft genau das, was sie sich von ihm erhofft hat. Der Brasilianer hat ein gutes Gespür für den Nebenmann und den freien Raum. So ist er Kombinationsspieler und Vollstrecker zugleich. Seine Ausbeute kann sich mit vier Toren und drei Assists in sieben Premier-League-Spielen sehen lassen.

Aber auch im Pressing ist Jesus einer der Schlüsselspieler. Mit seinem hohen Laufpensum sorgt er beim Gegner auch ohne Ball am Fuß für Unruhe und Hektik. Mit häufigem Erfolg: Arsenal hat die viertmeisten hohen Ballgewinne ligaweit (61), ist bei hohen Balleroberungen mit anschließendem Abschluss (13) sogar Spitzenreiter. Und das, obwohl die „Gunners“ gar nicht so häufig pressen. Mit insgesamt 86 Pressingsequenzen liegen sie ligaweit nur auf Platz zwölf. Was uns die ganzen Zahlen sagen? Die „Gunners“ pressen – auch aufgrund ihres hohen Ballbesitzanteils – nicht oft, aber wenn sie es tun, dann sehr effizient.

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(Photo by ADRIAN DENNIS/AFP via Getty Images)

Tottenham: Sone, Kane und gnadenlose Effizienz

Effizienz, die ist auch bei den „Spurs“ ein Thema. Tottenham zeigt sich fast schon traditionell effektiv vor dem gegnerischen Tor. Das müssen sie aber auch. Denn mit Ball haben sie Plan A, und wenn der nicht aufgeht, wird es zäh. In der Praxis sieht das recht simpel aus: Nach Balleroberung wird die Kugel meist lang auf Heung-min Son (30) oder Harry Kane (29) gespielt, die den Rest mit sich und den Gegenspielern ausmachen. Das funktioniert in der Regel auch recht gut, da beide Spieler eine enorm hohe individuelle Klasse besitzen.

So sind bei nahezu sämtlichen Toren der „Spurs“ die Füße von Son oder Kane im Spiel. Der englische Nationalstürmer bringt es wenig überraschend auf eine abermals starke Torausbeute von sechs Treffern in sieben Spielen. Bei Son brauchte es diese Saison etwas länger mit dem Toreschießen. Der Südkoreaner hatte mit einem Formtief zu kämpfen, das er noch aus der vergangenen Rückrunde mitschleppte.

Im letzten Spiel gegen Leicester platzte dann aber der Knoten, als der Ex-Spieler von Hamburg und Leverkusen nicht nur seine Torflaute beendete, sondern im zweiten Durchgang gleich einen Hattrick erzielte. Der 6:2-Sieg gegen die „Foxes“ war so etwas wie das Spiegelbild dessen, wie Tottenham einen Großteil seiner Siege einfährt. Nämlich mit individueller Klasse und Effizienz.

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Leicester hatte die größeren Spielanteile und über weite Strecken der Partie auch die besseren Chancen. Den Spurs reichten aber wenige geniale Momente, um einen deutlichen Sieg einzufahren. Nach Expected Goals hätte Tottenham gerade einmal 1,7 Tore erzielt (fbref.com). Sie schossen in diesem Spiel also ganze vier Treffer mehr als nach Qualität der Torchancen zu erwarten gewesen wäre. Das ist natürlich ein Extrembeispiel, veranschaulicht die Art und Weise, wie Tottenham zum Torerfolg kommt, aber gut. So finden sich die „Spurs“ aktuell ohne eine einzige Niederlage auf Platz drei der Tabelle wieder – nur einen Punkt hinter Spitzenreiter Arsenal.

Ein taktischer Aspekt darf dennoch nicht außen vorgelassen werden, der gegen Leicester zielführend war. Nach 70 Minuten brachte Trainer Antonio Conte (53) Neuzugang Yves Bissouma (26) für Dejan Kulusevski (22), stellte vom gewohnten 3-4-3 auf 3-5-2 um. Damit hatte er einen Mann mehr in der Mittelfeldzentrale, wo der Gegner bis dahin die Oberhand hatte.

Zumal Kulusevski aufgrund einer Verletzung ohnehin fraglich, ist es durchaus möglich, dass Conte gegen Arsenal von Beginn an auf drei zentrale Männer vor der Abwehrt setzt. So kann Tottenham die defensiven Halbräume besser verdichten. Gegen auf engstem Raum kombinationsstarke „Gunners“ könnte das ein Schlüssel zum Erfolg sein. Offensiv wird Conte aller Voraussicht nach auf Plan A setzen und hoffen, dass es nach Balleroberung mit wenigen Kontakten Richtung Son und Kane geht. Gegen diese Art des Offensivspiels zeigte sich Arsenal bereits im Old Trafford anfällig, wo sie gegen Manchester United ihre bisher einzige Saisonniederlage erfahren mussten (1:3). 

Prognose

Ähnlich wie ManUnited ist auch Tottenham definitiv dazu in der Lage, Arsenal wehzutun. Die „Gunners“ sind also gewarnt. Schaffen sie es, ihr eigenes Spiel ähnlich erfolgreich wie in den vergangenen Wochen aufzuziehen, wird es aber schwer für Tottenham, Punkte aus dem Emirates zu entführen. Dazu hat Arsenal die eigenen Fans im Rücken, was ein nicht zu unterschätzender Faktor ist.

Tipp: Arsenal gewinnt das North London Derby mit 3:1 und hängt damit den Stadtrivalen an der Tabellenspitze auf vier Punkte ab. 

Mögliche Aufstellungen

Arsenal (4-2-3-1): Ramsdale – White, Saliba, Gabriel Magalhães, Tierney – Partey, Xhaka – Saka, Ödegaard, Martinelli – Jesus

Tierney, Zinchenko und Partey waren fraglich, stehen aber alle im Spieltagskader. Smith-Rowe muss sich einer Leistenoperation unterziehen und fällt daher längerfristig aus.

Tottenham (3-5-2): Lloris – Romero, Dier, Lenglet – Emerson Royal, Höjbjerg, Bissouma, Bentancur, Perišić – Kane, Son

Sollte Kulusevski nicht spielfit sein, könnte Conte Bissouma von Beginn an bringen und auf das gegen Leicester erfolgreiche 3-5-2 setzen. Alternative: Conte bleibt seinem System treu und bringt Richarlison.

(Photo by David Rogers/Getty Images)

Michael Bojkov

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