Arsenal vs. Tottenham: Das Nord-London-Derby als Katalysator?

Pépé (Arsenal), Son (Tottenham) im Zweikampf
Premier League

Vorschau | Es ist eine der ältesten Rivalitäten des Fußballs. Am Sonntag kommt es wieder zum Nord-London-Derby zwischen dem FC Arsenal und den Tottenham Hotspur. Wird der Norden Londons in Rot oder Weiß erstrahlen?

Anpfiff der Partie ist am Sonntag, um 17.30 Uhr im Emirates Stadium des FC Arsenal

  • Arsenal kein Spitzenteam mehr
  • Andere Rollenverteilung im Nord-London-Derby
  • Tottenham: Nach gutem Start zuletzt zwei herbe Niederlagen

FC Arsenal: Kein Favorit mehr im Nord-London-Derby

Lang, lang ist’s her, dass der FC Arsenal zu den Spitzenklubs der Premier League gezählt wurde. Lang, lang ist’s her, dass die Gunners im Derby-Duell mit den Tottenham Hotspur auf dem Papier als absoluter Favorit gehandelt wurden. Der berühmte Spruch „Früher war alles besser“ trifft im Falle von Arsenal durchaus zu. Während der Ära von Arsène Wenger (71) gehörte der Verein Jahr für Jahr zu den besten vier Mannschaften der Liga. Gemessen am aktuellen Zustand des Klubs eine Leistung, die die Fans, Kritiker und Beobachter des Sports nun deutlich höher einzuschätzen wissen.

 

Denn nachdem Arsenal unter Wenger sowohl 2016/17 (Platz fünf) und 2017/18 außerhalb der Top vier landete, wurden viele Stimmen laut, die einen Abgang des Franzosen forderten. Das ebenfalls berühmte Sprichwort „Sei vorsichtig, was du dir wünschst“ passt hier ebenfalls. Denn nachdem Wenger weg war, ging es stetig weiter abwärts. Die Saisonplatzierungen aus den letzten Jahren:

  • 2018/19: 5. Platz (Trainer: Unai Emery)
  • 2019/20: 8. Platz (Trainer: Emery/ Mikel Arteta)
  • 2020/21: 8. Platz (Trainer: Mikel Arteta)

Durch den achten Platz aus der vergangenen Spielzeit sind die Gunners in dieser Saison sogar zum ersten Mal seit 1995/96 international nicht vertreten.

Die Kräfteverhältnisse des Derby-Verhältnisses mit den Spurs haben sich ebenfalls gewandelt. Während Arsenal über ein Jahrzehnt lang immer als Favorit galt, hat diese Rolle nun bereits seit mehreren Jahren Tottenham inne. Das zeigt auch ein Blick auf die letzten Ergebnisse. Nur drei der letzten zehn Aufeinandertreffen konnten die Gunners für sich entscheiden. Fünfmal ging man als Verlierer vom Platz, zweimal trennte man sich Unentschieden.

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Formtechnisch zeigte die Kurve bei Arsenal zuletzt etwas nach oben. Nach drei Niederlagen am Stück bekam man gegen Norwich City (1:0) und den FC Burnley (1:0) wieder etwas Oberwasser. Das war kein Zufall. Erstmals stand Artetas bevorzugte Achse auf dem Platz: Thomas Partey (28), Verteidiger Ben White (23) und Gabriel (23) sowie Torhüter Aaron Ramsdale (23), der einen aktiveren und sichereren Eindruck macht als Bernd Leno (29).

Gegen den Rivalen wäre ein Derbysieg Balsam für die leidende Arsenal-Seele und vielleicht der richtige Katalysator, um das Feuer bei den Gunners wieder zu entfachen. Kadertechnisch könnten die Voraussetzungen nicht besser sein. Alle Mann aus dem Profi-Kader sind an Bord.

Tottenham in einer Abwärtsspirale?

Anders als bei Arsenal ging die Entwicklung der Spurs über den längeren Zeitraum betrachtet eigentlich nach vorne. Doch in den letzten zwei Jahren geriet Tottenham trotz großer Ambitionen und Stadionbau ins Straucheln. Seit der Vizemeisterschaft 2016/17 ging es stetig bergab.

  • 2016/17: Platz zwei (Trainer: Mauricio Pochettino)
  • 2017/18: Platz drei (Trainer: Mauricio Pochettino)
  • 2018/19: Platz vier (Trainer: Mauricio Pochettino)
  • 2019/20: Platz sechs (Trainer: José Mourinho)
  • 2020/21: Platz sieben (Trainer: José Mourinho/Ryan Mason)
Kane (Tottenham) verständnislos

Photo: Mark Pain / Imago

Die Zeit unter dem Mauricio Pochettino war gleichzeitig auch die erfolgreichste. 2018/19 erreichte man sogar das Finale der UEFA Champions League (0:2 gegen den FC Liverpool). Dennoch war im November 2019 Schluss. Seitdem scheint die Mannschaft nach ihrer Identität zu suchen, bzw. sie wiederfinden zu wollen.

Im Sommer wurde Nuno Espírito Santo (47) als neuer Trainer vorgestellt. Der Portugiese hatte bei Wolverhampton Wanderers zwischenzeitlich gute Arbeit geleistet, steht allerdings nicht direkt für berauschenden Offensivfussball. Bei den Spurs war er nicht die erste Wahl. Während die Trainersuche lange sehr schleppend verlief, hielt auch die Personalie Harry Kane (28) den ganzen Klub in Atem.

Spurs nach gutem Saisonstart nun wieder gefordert

Der Kapitän der Three Lions betonte mehrmals seinen Wechselwunsch. Ein Transfer zu Manchester City schien eigentlich nur eine Frage der Zeit zu sein. Letztlich blieb der 28-Jährige. Kürzlich erklärte das Aushängeschild des Vereins, dass er trotz der ganzen Transferposse ein reines Gewissen habe. Die Saison verläuft für den englischen Nationalspieler bisher allerdings nicht gut. In der Liga sammelte er in vier Einsätzen noch keine Torbeteiligung.

Anders als Arsenal startete die Mannschaft aber gut in die Saison, bezwang unter anderem den amtierenden Meister Manchester City im Eröffnungsspiel mit 1:0. Nach zwei weiteren Siegen wähnte man sich in der Erfolgsspur. Doch die Ergebnisse waren besser als die Leistungen.

Son, Ndombele Jubel (Tottenham) Premier League

Photo: Mark Pain / Imago

Anschließend ging das Team von Espírito Santo zweimal baden. Gegen Crystal Palace (0:3) und den FC Chelsea (0:3) setzte es zwei herbe Niederlagen. Das Duell gegen den Erzrivalen soll das Momentum, welches zu Beginn der Saison noch vorhanden war, wieder zurückbringen.

Im Gegensatz zu seinem Gegenüber muss Espírito Santo auf zwei wichtige Spieler verzichten. Lucas Moura (29) und Steven Bergwijn (23) laborieren seit etwas mehr als einer Woche jeweils an einer Knöchelverletzung und werden wohl auch gegen Arsenal fehlen.

Prognose

Wie so oft ist der Ausgang dieses Duells kaum vorhersehbar. Bei Tottenham zeigte die Formkurve zuletzt nach unten, bei Arsenal nach oben. Doch Form ist in diesem Duell selten ausschlaggebend. Mit einem Sieg der Gunners wären beide Teams punktgleich. Dazu wird es aber nicht kommen, da das Nord-London-Derby keinen Sieger haben wird.

Mögliche Aufstellungen:

FC Arsenal: Ramsdale – Tomiyasu, White, Gabriel, Tierney – Partey – Pépé (Xhaka), Ödegaard, Smith-Rowe, Saka – Aubameyang 

Tottenham Hotspur: Lloris – Emerson, Romero, Sánchez, Reguilón – Höjbjerg, Alli, Ndombele – Lo Celso, Son – Kane

Photo: Ken Sparks / Imago

Sarom Siebenhaar

Die Oranje-Connection entfachte seine Leidenschaft für den HSV. Durch zahlreiche Tiefen schmecken die vereinzelten Höhen umso süßer. Schätzt attraktiven Offensivfußball genauso wie kämpferische Höchstleistungen. Internationaler Top-Fußball findet sich nicht nur in den Big Five. Seit 2021 bei 90PLUS.

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