Atletico Madrid vs. Chelsea: Und auf einmal ist es spannend!

Vorschau

Vorschau | Atletico Madrid und der Chelsea FC treffen im Achtelfinale der Champions League aufeinander. Ausgetragen wird das Hinspiel allerdings nicht im Wanda Metropolitano, sondern in Bukarest. Ein weiterer Nachteil für gerade formschwache Madrilenen?

Anstoß der Partie ist am Dienstag um 21 Uhr. Sky überträgt das Spiel in Deutschland live

  • Atletico mit der ersten Formdelle der Saison
  • Chelsea unter Tuchel im Aufwind
  • Ein Duell auf Augenhöhe?

Vor der Partie zwischen Atletico Madrid und dem Chelsea FC haben wir uns außerdem die Expertise von Marius Fischer, Spielanalyst und Taktikexperte, eingeholt. 

Atletico: Ohne die Defensive fast normal

Atletico Madrid hat über weite Strecken der Saison 2020/2021 beeindrucken können. Im Gegensatz zu vielen strauchelnden Riesen haben die Rojiblancos große Teile der Spielzeit mit beeindruckender Konstanz bestritten. Vieles klingt nicht neu, wenn man über das heutige Atletico von Diego Simeone (50) spricht. Kern der gesamten Spielidee ist immer noch, und höchst erfolgreich, die Arbeit des gesamten Teams gegen den Ball. Nur 16 Gegentore nach 23 Spieltagen haben die Madrilenen an die Tabellenspitze geführt. Doch Simeone ist etwas gelungen, an dem viele andere Trainer gescheitert sind. Er hat innerhalb des Klubs einen Umbruch begleitet und erfolgreich vollzogen. Die meisten Spieler, welche die erste große Ära unter dem Coach prägten, sind nicht mehr bei Atletico unter Vertrag, doch Atletico ist wieder auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

Photo by JAVIER SORIANO/AFP via Getty Images

Doch dummerweise scheint die ganz große Stärke des „Gastgebers“ kurz vor dem Champions-League-Duell gegen Chelsea das erste Mal in Frage zu stehen. In den letzten sieben Pflichtspielen kassierte die Elf von Diego Simeone jedes Mal mindestens einen Gegentreffer. In der Liga ist der schon fast als ausreichend geglaubte Vorsprung an der Spitze der Tabelle zusammengeschrumpft. Zwei Mal traf man in der vergangenen Woche auf den Underdog aus Levante, beide Male konnte man nicht als Sieger vom Feld gehen. Ein 1:1 Unentschieden wurde von einer 2:0-Niederlage gefolgt. Und trotz positiver Ansätze ist deutlich sichtbar, dass Atletico nur mit der bombensicheren Defensive ein wahres Spitzenteam ist. Rückstände aufzuholen fällt dem Verein schwerer, als anderen Topklubs.

 

Atleticos Offensive ist mit Suarez neu aufgestellt

Die Geschichte von Luis Suarez (34) war im vergangenen Sommer noch tragisch. Der Weltklassestürmer schien vor dem Ende seiner Glanzzeit zu stehen, sein Herzensrein hatte keine Verwendung mehr für ihn. Der Abgang des Angreifers vom FC Barcelona war von öffentlichen Vorwürfen und einem sehr ungehaltenen Lionel Messi (33) begleitet. Doch Suarez fand eine neue Heimat in La Liga und dort straft er nun Woche für Woche die Einschätzung der Katalanen als falsch ab. Denn der Uruguayer ist immer noch ein eiskalter Goalgetter, der bei Atletico nicht nur zur alten Form zurückfand, sondern das Offensivspiel der Madrilenen sogar auf ein neues Level hievte.

Damit kann sich auch Joao Felix (21) in Ruhe entwickeln und nimmt diesem den Druck. Denn für die Tore ist jetzt ein waschechter Stürmer zuständig. Schon 16 Mal konnte Suarez in 20 Ligaspielen Einnetzen, dazu lieferte er zwei Assists. Wenn die Defensive hält, ist Atletico jetzt im Stande, immer einen Treffer auf die Anzeigetafel zu bringen. Genau diese Mischung macht die diesjährige Stärke des Teams aus.

Chelsea FC: Tuchel bringt direkt frischen Wind

Der Chelsea FC stand im letzten Sommer vor allem aufgrund des sehr aktiven Transfergebarens im Fokus. Unter anderem die beiden Deutschen Timo Werner (24) und Kai Havertz (21) fanden den Weg an die Stamford Bridge, dazu komplettierte Hakim Zyech (27) die Bemühungen, eine qualitativ hochwertige Offensive zusammenzustellen. Für die Defensive gab es mit Thiago Silva (36) einen Routinier, der noch kurz zuvor mit PSG im Champions-League-Finale stand und mit Ben Chillwell (24) den dringend benötigten Außenverteidiger. Eigentlich perfekte Voraussetzungen für Coach Frank Lampard (42), der in der Saison zuvor trotz Transfersperre die Qualifikation für die Königsklasse errang. Doch die Vereinslegende schaffte es nicht, die teuren Neuzugänge sinnig einzubauen. Dies wurde dem Engländer zum Verhängnis, er musste seinen Posten für den gerade in Paris entlassenen Thomas Tuchel (47) räumen.

Photo by NEIL HALL/POOL/AFP via Getty Images)

Viele erwarteten, dass der Top-Coach aus Chelsea mit ein wenig Zeit wieder eine Topmannschaft formen können, doch die erste Entwicklung unter dem Deutschen ist noch rasanter als erhofft. In den ersten sechs Partien unter dem neuen Trainer verlor Chelsea kein einziges Mal, konnte sich vier Siege sichern. Überraschenderweise setzt Tuchel nicht auf sein präferiertes 4-3-3-System, sondern auf eine Dreierkette. Die Analyse des Spielermaterials scheint gelungen, immerhin wirkt der gesamte Spielstil der Blues deutlich erfrischender als noch vor ein paar Wochen.

Kann Chelseas enorme individuelle Qualität endlich gebündelt werden

Das die Mannschaft aus London auf dem Papier deutlich besser ist, als es in weiten Teilen der bisherigen Saison zu sehen war, steht außer Frage. Die Transfers im Sommer waren alle sinnig und kaum jemand zweifelt an der Qualität der Neuzugänge. Thomas Tuchels Ankunft und der starke Start unter dem neuen Coach legen nahe, dass diese individuelle Qualität nun auch endlich zum tragen kommen kann. Werner konnte nun auch endlich eine 1000(!)-minütige Torflaute beenden. Interessanterweise stehen aber auch Spieler im Fokus, die schon länger in London beheimatet sind. Seit der Systemveränderung ist Jorginho (29), der einst als Wunschspieler von Maurizio Sarri (62) nach England kam, wieder wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Seine hohe Qualität im Passspiel ist sein großer Trumpf.

Und auch auf den Flügelpositionen gibt es einige, spannende Veränderungen. So wurde der Youngster Callum Hudson-Odoi (20) direkt zum Flügelverteidiger im neuen Dreierketten-System umgeschult. Eine Position, die viel Arbeit und Konzentration verlangt. Eigenschaften, die Hudson-Odoi wohl noch nicht gänzlich verinnerlicht hat, holte er sich doch kurz vor dem Duell gegen Atletico eine öffentliche Schelte von Tuchel ab. Trotz guter Ergebnisse und direkt sichtbarer Verbesserung im Spiel ist auch unter dem neuen Trainer noch nicht alles so, wie es sein sollte.

Kurzinterview mit Analyst Marius Fischer (@gegenpressing91)

Thomas Tuchel ist erst seit Kurzem Trainer bei Chelsea, doch sein Einfluss ist schon in den letzten Ergebnissen und im deutlichen Aufwärtstrend sichtbar. Wie schätzt du die ersten Wochen des Deutschen im neuen Amt ein?

Zunächst muss man festhalten, dass es wohl kaum ein „angenehmeres“ Startprogramm für einen Trainer in der Premier League geben kann, als das von Thomas Tuchel. Viele defensiv ausgerichtete Teams gegen die Chelsea die Favoritenrolle inne hatte. Perfekte Voraussetzungen für Tuchel, um seine Prinzipien in Ballbesitz von Tag Eins an im Wettspiel implementieren zu können. So liefen dann auch die erste Spiele: Chelsea agierte mit viel Ballbesitz, ließ nur wenige Chance zu und operierte mit einer großen taktischen Flexibilität.

Welche vorgenommenen Veränderungen sind für dich die markantesten und ausschlaggebendsten für den Aufschwung?

Ich habe fest damit gerechnet, dass Tuchel zu Beginn auf ein 4-3-3 setzt – am Ende wurde es dann doch eine Dreierkette. Ein der größten personellen Auffälligkeiten war die „Umschulung“ von Außenstürmer Callum Hudson-Odoi zum rechten Flügelverteidiger. Ansonsten gibt es einige Spieler, die unter Tuchel einen neuen, verbesserten Stellenwert besitzen. Vor allem Jorginho spielte in den ersten Wochen stark auf und zeigte zudem ein deutlich progressiveres Passspiel als noch unter Frank Lampard. Generell sind die Ballkontaktzeiten deutlich verkürzt worden.

Die Mannschaft soll durch schnelle, präzise Pässe den Gegner ins Laufen bringen, dadurch 1-gegen-1-Situationen auf dem Flügel schaffen und somit mit Tempo ins letzte Drittel vorstoßen. Außerdem überzeugt Chelsea bisher durch ein funktionierendes Gegenpressing, welches für eine hohe Spieldominanz und permanenten Druck auf den Gegner sorgt. Ein wichtiger Grund, warum es in engen Spielen gegen kompakte, defensive Gegner bisher häufig für das eine entscheidende Tor zum Sieg reichte.

4 Siege aus den ersten 6 Spielen – Nur ein Vorgeschmack? Was traust du Tuchel langfristig in London zu?

Der Fokus in dieser Saison muss ganz klar auf der Champions League Qualifikation für die kommende Spielzeit liegen. Diese ist entscheidend, um sich im Sommer auf dem Transfermarkt in eine gute Verhandlungsposition zu bringen. Gegen die kleineren Gegner konnte Chelsea unter Tuchel bisher überzeugen – die Top-Mannschaften kommen erst noch.

Hier könnte es diese Saison noch Misserfolge geben, da sich Tuchel immer noch einer „Findungsphase“ befindet und sich noch nicht auf seine „beste Elf“ festgelegt hat. Langfristig wird sich Chelsea unter Tuchel allerdings wieder zu einem heißen Meisterschaftsanwärter entwickeln, der eventuell bereits nächste Saison Titelambitionen anmelden wird.

Trotz Positiv-Trend unter Tuchel – Atlético dominierte über weite Strecken La Liga in dieser Saison fast nach Belieben. Wie schätzt du die Chancen für die Blues ein?

Vor zehn Tagen hätte ich Frage noch deutlich „pro Atlético“ beantwortet. Die offensive Weiterentwicklung sorgte für konstant dominante Leistungen in La Liga. In der Zwischenzeit hat sich das Bild etwas verändert. Gerade die sonst so sichere Abwehr zeigte sich in den letzten Spiel ungewohnt fehleranfällig. Ob Chelsea jedoch bereits jetzt in der Lage ist, dies auszunutzen, bleibt fraglich. Am Ende wird sich meiner Meinung nach die Eingespielheit von Atlético in Kombination mit der individuelle Klassen von Luis Suarez durchsetzen. Allerdings knapper, als man Anfang des Monats vermuten konnte

Prognose

Die letzten Wochen haben die Ausgangslage noch einmal stark verändert. Auf einmal befinden sich die Mannschaften auf Augenhöhe, es sollten umkämpfte Duelle werden, in denen Unentschieden ein durchaus realistisches Ergebnis ist. 

Mögliche Aufstellungen: 

Atletico: Oblak; Savic, Felipe, Hermoso; Llorente, Kondogbia, Koke, Saul, Lodi; Felix, Suarez

Chelsea: Mendy; Azpilicueta, Christensen, Rüdiger; James, Kante, Jorginho, Alonso; Mount, Abraham, Werner

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Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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