Aufstiegskampf in der englischen Championship – Teil 1: Die direkten Aufstiegsplätze

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Spotlight | Die englische Championship gilt als eine der härtesten Ligen der Welt. Auch in diesem Jahr ist der Kampf um den Aufstieg in die Premier League spannend. Wer hat die besten Chancen, die nächste Saison auf der ganz großen Bühne aufspielen zu dürfen? 90Plus liefert den Überblick über das Aufstiegsrennen.

Championship: Die härteste Liga der Welt

In 46 Spielen kämpfen 24 Mannschaften um den Aufstieg in die Premier League. Vor der Saison gibt es selten klare Favoriten, mindestens der Hälfte der Teams werden Aufstiegschancen ausgerechnet. Oftmals finden sich Abstiegskadidaten aus dem Vorjahr plötzlich ganz oben wieder, auch andersrum kann es der Fall sein, dass favorisierte Mannschaften gegen den Abstieg kämpfen.

Hier geht es zu Teil 2 mit Barnsley, Bournemouth, Reading und Cardiff

Diese Ausgeglichenheit in Kombination mit der für eine zweite Liga hohen individuellen Qualität vieler Spieler macht den ganz besonderen Reiz dieser Liga aus, denn diese Konstellation findet man sonst nirgends. Dass die Mannschaften von Platz drei bis sechs nach den 46 Spielen auch noch eine Aufstiegsrelegation spielen, ist die Kirsche auf der Sahnetorte der Unberechenbarkeit.

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Inzwischen sind 38 Spieltage absolviert und es haben sich vier Mannschaften herauskristalisiert, die um die beiden ersten Plätze und damit den direkten Aufstieg kämpfen. Vier weitere Teams machen sich noch berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in den Playoffs. In einem Zweiteiler wollen wir euch beide Rennen vorstellen und unsere Einschätzung dazu abgeben, welche Mannschaften wir in der kommenden Saison in der Premier League sehen werden:

Die Ausgangslage im Aufstiegsrennen der Championship:

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Norwich City – Ballbesitz und ein Traum-Duo

Kader

Trotz des Abstiegs aus der Premier League im letzten Jahr hielten die Verantwortlichen an Trainer Daniel Farke (44) fest. Man war überzeugt vom Stil des Deutschen und wollte den Weg mit ihm weitergehen. Im Sommer konnten die Canaries überraschend viele Spieler halten. Lediglich Innenverteidiger Ben Godfrey (22) und Linksverteidiger Jamal Lewis (22) verließen die Mannschaft. Dass Norwich Spieler wie Max Aarons (21) oder Emiliano Buendia (24) halten konnte, war eine große Überraschung und wohl auch der Corona-Krise zuzuschreiben. Kein Verein wollte oder konnte die geforderten Summen bezahlen.

Als Nachfolger für Godfrey lieh man Ben Gibson (27) aus Burnley, für die Linksverteidiger-Position kam Jacob Lungi Sörensen (22) aus Dänemark sowie im Winter Dimitrios Giannoulis (25) aus Griechenland. Die wichtigste Verpflichtung war die von Oliver Skipp (20). Der defensive Mittelfeldspieler kam per Leihe von den Tottenham Hotspur und überzeugte auf ganzer Linie. Er stand bisher in jedem einzelnen Ligaspiel auf dem Feld.

Spielweise und Form

Der junge Engländer passt perfekt zur Spielweise von Norwich. Diese ist seit der Ankunft von Farke sehr auf Ballbesitz ausgelegt. Mit 61,1% hat die Mannschaft den mit Abstand höchsten durchschnittlichen Ballbesitzanteil aller Mannschaften in der Championship. Diese Spielweise trägt zuletzt auch deutliche Früchte. Bevor es am letzten Spieltag ein 1:1 gegen die Blackburn Rovers gab, gewann die Mannschaft von Farke neun Spiele in Folge.

Photo: Shaun Brooks / Imago

Mit der Kombination aus Torjäger Teemu Pukki (30) und Vorbereiter Buendia hat man zudem individuell wohl die stärkste der gesamten Liga. Der Finne Pukki steht mit 22 Saisontreffern auf Platz zwei in der Torschützenliste, der Argentinier Buendia führt mit 13 Vorlagen diese Statistik ligaweit sogar an. Auch das Zusammenspiel der beiden ist überragend, bereits acht Treffer legte Buendia für Pukki vor.

Restspielplan

02.04. Preston North End (A, 16.); 06.04. Huddersfield Town (H, 18.); 10.04. Derby County (A, 19.); 17.04. AFC Bournemouth (H, 7.); 20.04. Watford FC (H, 2.); 24.04. Queens Park Rangers (A, 12.); 01.05. Reading FC (H, 6.); 08.05. Barnsley FC (A, 5.)

Watford FC – Abwehrbollwerk und offensiv hilft Sarr

Kader

Die Hornets sind in der letzten Saison nach fünf Jahren aus der Premier League abgestiegen. Sie konnten genauso wie Norwich viele ihrer wichtigsten Spieler halten. Lediglich die Mittelfeldspieler Abdoulaye Doucoure (27), Gerard Deulofeu (26), Roberto Pereyra (29) und Innenverteidiger Craig Dawson (30) verließen den Verein aus dem Norden Londons. Vor allem der Verbleib von Ismaila Sarr (23), an dem im Sommer unter anderem der Liverpool FC interessiert gewesen sein soll, war mehr als überraschend.

Zwei der Spieler wechselten zum Partnerverein Udinese Calcio, der denselben Besitzer, Gino Pozzo (56) hat. Fast folgerichtig kamen auch zwei der drei wichtigsten Neuzugänge aus Udine. Die beiden Innenverteidiger William Troost-Ekong (27) und Francisco Sierralta (23) sind wichtige Bausteiner der aktuellen Mannschaft. Dazu kam Rechtsverteidiger Jeremy Ngakia (20) ablösefrei von West Ham United.

Photo by Ryan Browne BPI Shutterstock

Spielweise und Form

Nach einer für die eigenen Ansprüche schwachen Hinrunde (38 Punkte aus 23 Spielen, Platz sechs) blühte die Mannschaft zuletzt regelrecht auf. Neun der letzten zehn Spiele wurden gewonnen, insgesamt steht die Mannschaft in 15 Spielen bei 37 Punkten. Grund hierfür ist vor allem der im Dezember erfolgte Trainerwechsel. Xisco (40) übernahm nach 21 Spielen das Traineramt vom seinerseits erst im August gekommenen Vladimir Ivic (43).

Taktisch ist die Mannschaft vor allem darauf ausgelegt, wenig zuzulassen. Mit 91 Torschüssen lässt man mit Abstand die wenigsten der gesamten Liga zu. Auch die erste 26 Gegentreffer sind der Spitzenwert in der Liga. Die Offensive läuft vor allem über den bereits genannten Sarr (neun Tore und neun Vorlagen).

Kapitän und Mittelstürmer Troy Deeney (32) ist nach einer langwierigen Knieverletzung in der Hinrunde seit Mitte Februar erneut verletzungsbedingt außer Gefecht gesetzt. In der kurzen Zeit seines Mitwirkens brachte er es auf zehn Torbeteiligungen in 18 Spielen. Seine baldige Rückkehr könnte ein weiterer Vorteil im Aufstiegsrennen sein. In seiner Abwesenheit bekommt der junge Brasilianer Joao Pedro (19) viel Spielzeit, was seiner Entwicklung extrem gut tut.

Restspielplan

02.04. Sheffield Wednesday (H, 23.); 05.04. Middlesbrough FC (A, 9.); 09.04. Reading FC (H, 6.); 17.04. Luton Town (A, 13.); 20.04. Norwich City (A, 1.); 24.04. Millwall FC (H, 10.); 01.05. Brentford FC (A, 4.); 08.05. Swansea City (H, 3.)

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Swansea City

Kader

Die Schwäne scheiterten im Vorjahr knapp in den Playoffs an Brentford (1:0, 1:3). Mit Bersant Celina (24), Rhian Brewster (20), Conor Gallagher (21) und Joe Rodon (23) verließen gleich vier Stammspieler die Mannschaft. Celina ging nach Frankreich, die anderen drei spielen Premier League. Ersatz fand man ebenfalls vor allem in der Premier League. Keeper Freddie Woodman (24), Marc Guehi (20) und Mittelfeldmann Conor Hourihane (30) wurden geliehen, Innenverteidiger Ryan Bennett (31) kam fest von den Wolverhampton Wanderers.

Dazu konnte man mit Jamal Lowe (26) einen absoluten Steal landen. Der pfeilschnelle Offensivspieler kam für nur 900.000 Euro aus Wigan und ist absoluter Stammspieler. Neben Lowe ist Andrew Ayew (31) der wichtigste Offensivmann. Der Ghanaer, der 2018 noch unbedingt weg wollte, erlebt seit eineinhalb Jahren seinen zweiten Frühling, in dieser Saison steht er bei starken 14 Treffern, letzte Saison sammelte Ayew 22 Torbeteiligungen. Weiterhin rasant ist zudem die Entwicklung von Eigengewächs Ben Cabango (20). Der Innenverteidiger ist inzwischen fester Bestandteil der Mannschaft.

Photo: Paul Jenkins / Imago

Spielweise und Form

Swansea agiert genau wie Watford aus einer stabilen Defensive. Im 3-5-2 von Trainer Steve Cooper (41) wird die Mitte extrem dicht gemacht, die drittbeste Abwehr ist die Folge. Nach Ballgewinnen soll es vor allem über Lowe schnell nach vorne gehen. Sollte ein schneller Gegenangriff nicht zum Erfolg führen, haben die Außenverteidiger eine sehr wichtige Rolle. Sie sollen viele Flanken schlagen. Nicht umsonst sind Jake Bidwell (28) und Connor Roberts (25) mit acht bzw. fünf Vorlagen die internen Spitzenreiter in dieser Kategorie.

Ein starker Lauf von Mitte Dezember bis Mitte Februar mit zehn Spielen ohne Niederlage (sieben Siege, drei Remis) brachte die Mannschaft aus Wales ganz nach vorne. Zuletzt lief es jedoch nicht mehr ganz so gut. Vier der letzten acht Spiele wurden verloren. Diese Serie sorgte dafür, dass aus drei Punkten Vorsprung auf Watford sechs Punkte Rückstand wurden. Für einen Platz unter den ersten beiden bedarf es einer deutlichen Leistungssteigerung.

Restspielplan

02.04. Birmingham City (A, 21.); 05.04. Preston North End (H, 16.); 10.04. Millwall FC (A, 10.); 13.04. Sheffield Wednesday (A, 23.); 17.04. Wycombe Wanderers (H, 24.); 20.04. Queens Park Rangers (H, 12.); 24.04. Reading FC (A, 6.); 01.05. Derby County (H, 19.); 08.05. Watford FC (A, 2.)

Brentford FC

Kader

Brentford scheiterte im letzten Jahr sogar nochmal knapper am Aufstieg als Swansea. Erst im Finale in Wembley verlor man nach Verlängerung gegen den Fulham FC (1:2). Im Sommer weckten folgerichtig manche Spieler das Interesse von Erstligisten. Vom so unglaublich erfolgreichen Sturmtrio blieb lediglich Bryan Mbeumo (21) übrig, Ollie Watkins (25) und Said Benrahma (25) wechselten für zusammen knapp 60 Millionen in die Premier League. Ersetzt wurden die beiden intern und extern. Sergi Canos (24) machte den Schritt vom Rotations- zum Stammspieler, aus der dritten Liga kam Ivan Toney (25) für fast sechs Millionen Euro. Auch ein Deutscher ist seit Sommer wichtiger Bestandteil der Bees. Vitaly Janelt (22) kam für 600.000 Euro aus Bochum und ist inzwischen unumstrittener Stammspieler.

Spielweise und Form

Trainer Thomas Frank (47) lässt auch in diesem Jahr wieder sehr offensiv spielen. Das 4-3-3 ist beim Dänen fest verankert, aus diesem heraus sollen vor allem die zentralen Mittelfeldspieler immer wieder mit nach vorne schieben. Mathias Jensen (25) und Josh Dasilva (22) übernehmen diesen Part exzellent. Mit 65 Treffern stellt man die mit weitem Abstand beste Offensive der Liga, Norwich auf Platz zwei hat satte neun Treffer weniger auf dem Konto. Ähnlich wie bei dem Tabellenführer geht auch bei den Bees ein Duo aus Vorbereiter und Torjäger vorneweg. Mbeumo steht bei elf Vorlagen, Toney bei unglaublichen 29 Treffern. Siebenmal legte Mbeumo bereits für Toney auf. Dazu kommen bei Toney noch neun Vorlagen, was in Kombination mit weitem Abstand die Führung in Torschützen- und Scorerliste bedeutet.

Zuletzt lief es jedoch nicht mehr so rund. Nach 28 Spielen stand man auf Platz Eins, seither konnten aus neun Spielen nur noch elf Punkte generiert werden. Zuletzt gab es zwei unnötige Unentschieden gegen Abstiegskandidaten (2:2 gegen Derby County, 1:1 gegen Nottingham Forest). Auch die 0:1-Niederlage am 34. Spieltag in Norwich schmerzte extrem. Vor allem offensiv möchte es nicht mehr klicken, nur zehn Treffer in den elf Spielen ist viel zu wenig. Nicht ganz unschuldig hieran ist Toney. Er traf zwar in den letzten drei Spielen, doch alle drei Treffer waren Elfmeter. Aus dem Spiel heraus verströmt der Stürmer aktuell kaum Torgefahr. Drei Tore aus dem Spiel heraus in den letzten 15 Spielen sind ein eindeutiges Zeichen.

Restspielplan

03.04. Huddersfield Town (A, 18.); 06.04. Birmingham City (H, 23.); 10.04. Preston North End (A, 16.); 17.04. Millwall FC (H, 10.); 20.04. Cardiff City (H, 8.); 24.04. AFC Bournemouth (A, 7.); 27.04. Rotherham United (H, 22.); 01.05. Watford FC (H, 2.); 08.05. Bristol City (A, 14.)

Prognose

Norwich hat aufgrund des Vorsprungs von 14 Punkten die besten Karten. Die Canaries werden sich am Ende auch die Meisterschaft und damit den Aufstieg sichern. Um den zweiten Platz wird es bis zum Schluss spannend bleiben. Watford hat zwar aktuell noch Vorsprung, doch auch das mit Abstand schwerste Restprogramm. Dennoch sollte die baldige Rückkehr von Kapitän Deeney den nötigen Schub geben, damit die Hornets am Ende knapp auf dem zweiten direkten Aufstiegsplatz landen. Brentford und Swansea müssen sich also erneut mit Plätzen in den Playoffs begnügen, sind hier jedoch die klaren Favoriten und haben gute Chancen, sich über den „zweiten Bildungsweg“ für die Premier League zu qualifizieren.

Photo: Mike Eggerton / Imago

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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