Boxing Day | Der Ursprung und die besten Spiele des letzten Jahrzehnts

Weihnachtsgrüße aus Brighton
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Während sich der Profifußball in Deutschland „zwischen den Jahren“ in der Winterpause befindet, rollt anderswo in Europa der Ball. Besonders bekannt und beliebt ist hierbei der „Boxing Day“ in England, der traditionell am 26. Dezember stattfindet. Wir wollen im Folgenden einmal auf den Ursprung dieses Spieltags blicken sowie die besten Boxing-Day-Spiele der letzten Jahre in Erinnerung rufen.

Der Ursprung des Boxing Day

Der Begriff „Boxing Day“ hat im Commonwealth of Nation eine längere Tradition als es den Fußball überhaupt gibt. Er entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Beschreibung dafür, dass Angestellte an diesem Tag frei hatten und von ihren Dienstherren ihr Weihnachtspaket bekamen, welches sie dann auspackten.



Und auch im Fußball ist die Geschichte dieses Spieltags lang. Schon vor 1900 wurden an Weihnachten Fußballspiele organisiert. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand der Spieltag dabei am 25. Dezember statt, da an diesem Tag die Fans nicht zur Arbeit mussten und ins Stadion pilgern konnten.

In den 1950ern wurde diese Handhabe mehr und mehr aufgeweicht, ehe seit 1966 der 26. Dezember fest als neuer Spieltag verankert wurde. Grund hierfür war, dass auch die meisten Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsbetriebe am ersten Weihnachtsfeiertag frei hatten. Daher war es den Mannschaften und Fans nicht möglich, mit Bus oder Bahn zu den Spielen zu kommen. Seit einigen Jahren findet der Spieltag nicht mehr ausschließlich am 26. Dezember statt, sondern auch am 27. Dezember. In dieser Saison fallen nach jetzigem Stand allerdings drei Spiele aufgrund von Corona-Ausbrüchen aus.

Statistiken am Boxing Day

Die meisten Tore: Robbie Fowler (9), Alan Shearer, Robbie Keane, Harry Kane (alle 8)

Die meisten Spiele: Gareth Barry (18), Frank Lampard (17), Ryan Giggs, Steven Gerrard, Aaron Hughes, Sol Campbell, Michael Carrick, James Milner (alle 14)

Die Top3 Spiele der letzten zehn Jahre

3. AFC Bournemouth – West Ham 3:3

Was aktuell etwas seltsam klingt, war vor vier Jahren tatsächlich Realität: West Ham United war ein Abstiegskandidat und musste darum kämpfen, nicht in die Championship gehen zu müssen. Am Boxing Day 2017/18 kam es zu einem echten Kellerduell. Der 18. AFC Bournemouth empfing den 17. West Ham. Einen Punkt trennte beide Mannschaften, nach 19 Spielen wiesen sie nur 17 respektive 16 Punkte auf. Während Bournemouth vor allem offensiv Probleme hatte (nur 15 Tore, Platz 18), war bei den Hammers die Defensive das Sorgenkind. Bereits 35 Gegentore hatte man kassiert, nur Stoke City war noch schlechter.

Es entwickelte sich ein sehr durch Standardsituationen geprägtes Spiel. Es begann gut für die Gäste, Innenverteidiger James Collins (mittlerweile 38) traf zur frühen Führung. Der Waliser verwandelte eine Ecke von Aaron Cresswell (32) per Kopf (7.). Diese Führung hielt jedoch nur knapp 20 Minuten, Dan Gosling (31) traf per Abstauber nach einer Ecke zum verdienten Ausgleich (29.). Die Cherries waren insgesamt die bessere Mannschaft, doch es blieb zur Pause beim 1:1. Nach der Pause drehten die Hausherren dann die Partie. Gosling fungierte diesmal als Vorbereiter, seine Flanke verwertete Innenverteidiger Nathan Ake (26) nach knapp einer Stunde (57.).

Wilson trifft gegen West Ham

(Photo by Steve Bardens/Getty Images)

Diese Führung hielt bis in die Schlussphase. Dort unterlief Keeper Asmir Begovic (34) ein folgenschwerer Fehler, er rutschte bei dem Versuch, den Ball nach vorne zu schlagen, aus, und Marko Arnautovic (32) hatte keine Mühe, von der Strafraumkante zum Ausgleich ins leere Tor einzuschieben (81.). Wenig später war der Österreicher erneut zur Stelle, als Begovic einen Kopfball nur unzureichend abwehren konnte, und traf aus kurzer Distanz zur erneuten Führung für West Ham (89.). Die Hammers jubelten jedoch zu früh. Mit der letzten Aktion im Spiel kam der Ball noch einmal hoch in ihren Strafraum, Ake legte per Kopf quer und Callum Wilson (29) markierte den vielumjubelten 3:3-Ausgleichstreffer (90+3.).

2. Manchester United – Newcastle United 4:3

Chicarito trifft gegen Newcastle

(Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Wenn der Tabellenführer den 15. empfängt, sollte die Partie eigentlich eine klare Angelegenheit sein. Nicht so am Boxing Day im Jahr 2012. Newcastle United reiste am 26. Dezember ins Old Trafford zum damals noch von Sir Alex Ferguson (79) trainierten Team. Es war, obwohl es erst der 19. Spieltag war, bereits das Rückspiel. Im Hinspiel Anfang Oktober konnten die Red Devils auswärts problemlos mit 3:0 gewinnen. Doch diesmal sollte es anders laufen.

Bereits in der 4. Spielminute gingen die Gäste in Führung, James Perch (36) verwertete einen Abpraller nach einem Schuss von Demba Ba (36). Mitte der ersten Halbzeit traf Manchesters Innenverteidiger Jonny Evans (33) gleich zweimal innerhalb kürzester Zeit. Zunächst markierte er den Ausgleich (25.), nur um dann einen Fernschuss zur erneuten Führung Newcastles ins eigene Tor abzulenken (28.). Mit dem 1:2 ging es dann auch in die Pause.

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Danach rannten die Red Devils an, konnten in Persona Patrice Evra (40) nach einer Stunde ausgleichen (58.). Wer jetzt dachte, Manchester United würde das Spiel nun drehen, hatte sich getäuscht. Der ehemalige Freiburger Papiss Demba Cisse (36) traf nach flachem Rückpass von der Grundlinie ins kurze Eck zum 2:3 (68.). Robin van Persie (38) war es, der nur drei Minuten später den Ausgleich markierte (71.). Als sich einige schon mit dem Remis angefreundet hatten, traf Chicharito (33) zum vielumjubelten Siegtreffer für die Red Devils (90.).

1. Wolverhampton Wanderers – Manchester City 3:2

Noch gar nicht allzu lange ist es her, da trug sich eines der besten Spiele überhaupt an den Feiertagen zu. Die Wolverhampton Wanderers empfingen 2019 Manchester City im Molineux Stadium. Während die Wolves sich anschickten, auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg um Europa mitzuspielen, benötigten die Skyblues jeden Punkt, um dem schier unglaublich spielenden Liverpool FC auf den Fersen zu bleiben.

Früh nahm die Partie eine unerwartete Wendung. Gästekeeper Ederson (28) verließ nach einem langen Ball der Wolves seinen Strafraum, traf die Kugel nicht, stattdessen Diogo Jota (25), Schiedsrichter Martin Atkinson (50) zeigte dem Brasilianer die rote Karte. Dennoch gingen die Gäste in Führung, Raheem Sterling (27) traf im Nachschuss an einen selbst vergebenen Elfmeter (25.). Danach blieb City trotz Unterzahl die bessere Mannschaft und erzielte abermals durch Sterling sogar das 2:0 (50.).

Die Tabelle der Premier League

Entscheidend für die weitere Dramatik des Spiels war, dass die Wolves in Person von Adama Traore (25) nur fünf Minuten nach dem 2:0 den Anschluss erzielen konnten (55.). In der Folge drückten die Gastgeber, angefeuert durch ein frenetisches Publikum, auf den Ausgleich. Nachdem man zunächst zahlreiche Chancen ausgelassen hatte, erzielte diesen schließlich kurz vor Schluss Raul Jimenez (30). Ein Großteil des Tores gehört jedoch Traore, der den Ball durch robusten Körpereinsatz im gegnerischen Strafraum eroberte und mustergültig quer legte (82.).

Wolves jubeln gegen Manchester City

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Kurz schien es, als würde den Wolves dieser Punkte genügen. Doch die Zuschauer im Hexenkessel Molineux sorgten schnell dafür, dass die Wanderers nun auf Sieg spielten. Und dann passierte es wirklich: Außenverteidiger Matt Doherty (29) zog nochmals einen Sprint an, spielte einen Doppelpass mit Jimenez und traf mit seinem schwachen Fuß von der Strafraumkante unhaltbar ins lange Eck zum viel umjubelten 3:2 (89.). Hiervon kam Manchester City nicht mehr zurück, verlor das Spiel und letztlich auch die Meisterschaft.

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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