Graham Potter bei Chelsea – 5 Fragen & Antworten zum neuen Blues-Trainer

Graham Potter jubelt
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Premier League | Graham Potter übernimmt nun also den Job als Trainer des Chelsea FC. Am Mittwoch gibt er sein Debüt an der Seitenlinie. Doch wie tickt der neue Coach, was können die Fans erwarten? Welche Spieler werden nun eine neue Chance bekommen, welche bekommen Probleme? Dies und mehr wollen wir im Folgenden etwas genauer erläutern. 

1. Wer ist Graham Potter?

Graham Potter (47) hat einen sehr ungewöhnlichen Weg hinter sich. Nach seiner aktiven Karriere, in der er unterklassig in England unterwegs war, wurde Potter während seines Studiums in Leeds Trainer der Universitätsmannschaft, anschließend nahm er den Job des technischen Direktors der ghanaischen Frauennationalmannschaft an. 2010 ging es nach Schweden zum Östersunds FK, die er in siebeneinhalb Jahren aus der vierten Liga bis in die Europa League führte, wo man unter anderem Hertha BSC in der Gruppe hinter sich lassen und beim Arsenal FC gewinnen konnte. 2018 führte ihn sein Weg zurück nach Großbritannien, genauer nach Wales. Dort übernahm Potter den Trainerjob bei Swansea City.



Nach nur einer Saison in Swansea bekam er das Angebot von Brighton, die er am 20.05.2019 übernahm. Potter ist auch neben dem Platz die Weiterbildung seiner Spieler sehr wichtig. So lässt er sie Theaterstücke aufführen, gibt ihnen die Lektüre von Klassikern an die Hand und vieles mehr. In seiner Zeit an der Universität schloss Potter ein Studium zum Erlernen von Führungsqualitäten (Sozialwissenschaften) mit Nebenfach „Soziale Intelligenz“ mit der Note 2,1 ab.

2. Wie lässt Potter spielen?

Potter ist ein Verfechter des Ballbesitzspiels. Egal, ob sein Team individuell über- oder unterlegen ist, er will den Ball haben. Entsprechend hatte Brighton unter ihm selbst zu Zeiten, in denen man vom reinen Talentlevel im Kader her noch zu den Abstiegskandidaten zählte, mit den meisten Ballbesitz in der Liga. Dieses genannte Talentlevel verhinderte, dass Brighton schon früher in die obere Tabellenhälfte vorstoßen konnte. Vor allem im Torabschluss stellte man sich regelmäßig mehr als unglücklich an, Brighton unterbot die expected Goals in fast jedem Spiel.

Dabei wird jedoch anders als bei vielen anderen Offensivtrainern auch die Defensive nicht vernachlässigt. Zunächst kassierte man auch hier noch mehr Gegentore als es die expected Goals against eigentlich prognostizierten, doch seit Nachwuchstorhüter Robert Sanchez (24) im Dezember 2020 zum Stammkeeper wurde, lief es an diesem Ende des Feldes hervorragend. Sanchez, der es inzwischen in die spanische Nationalmannschaft geschafft hat, musste in 70 Ligapartien unter Potter nur 74-mal hinter sich greifen.

Potter und Sanchez jubeln

(Photo by PAUL ELLIS/AFP via Getty Images)

Taktisch präferiert Potter das 3-4-2-1, ist jedoch sehr flexibel und verlangt diese Flexibilität auch von seinen Spielern. Regelmäßig kam es vor, dass er in Spielen taktisch auf den Gegner reagierte, ohne dabei auf Auswechslungen angewiesen zu sein. Allein in dieser Saison stellte Brighton beispielsweise gegen West Ham (2:0) zur Pause auf ein 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld um, gegen Manchester United (2:1) spielte man in der zweiten Hälfte in einem 4-2-3-1.

3. Welche Spieler könnten nun eine neue Chance bekommen, wer Probleme?

Auf dem Papier lässt Potter dasselbe System spielen wie Vorgänger Thomas Tuchel (49). Die Anforderungen an die Spieler sind jedoch ganz andere. Entsprechend dürfte es auch die ein oder andere Änderung in der Stammelf geben. Potter möchte vor allem fußballerisch starke Spieler in seiner Mannschaft haben. In Brighton hatte er auf nahezu jeder Position einen am Ball überdurchschnittlich begabten Spieler stehen.

Kepa und Mendy im Torwartduell

(Photo by GLYN KIRK/AFP via Getty Images)

Entsprechend könnte sich schon im Tor der erste Wechsel ergeben. Kepa Arrizabalaga (27) gilt nicht ohne Grund als einer der besten mitspielenden Keeper der Welt, während Edouard Mendys (30) große Schwäche die Phase des Spiels ist, bei der er den Ball am Fuß hat. Kepa könnte hier also trotz seiner Schwächen bei hohen Bällen und Fernschüssen durchaus den Zuschlag bekommen.

In der Abwehr dürfte vor allem Neuzugang Kalidou Koulibaly (31) seine liebe Müh und Not haben, seinen Platz in der Startelf zu behalten. Potter hat in der letzten Rückrunde in Brighton ein neuartiges 1-8-1-System implementiert, bei dem zwei der drei Innenverteidigerpositionen von gelernten Außenverteidigern übernommen werden. Nur in der Mitte steht ein Innenverteidiger, der als eine Art Libero agieren soll. Diesen Posten dürften sich, wenn dieses System so übernommen wird, die spielerisch deutlich besseren Wesley Fofana (21) und Thiago Silva (37) teilen.

Unsere Analyse zu Potters neuem System findet ihr hier!

Vor allem der auch sehr kopfballstarke Fofana wird Potter gefallen, er wirkt wie eine jüngere, bessere Version von Lewis Dunk (30), der diese Position in Brighton gespielt hat. Neben Fofana ist es sehr gut denkbar, dass die gelernten Außenverteidiger Reece James (22) und Marc Cucurella (24) die Innenverteidiger bilden. Beide kennen diese Position und können sie wie von Potter gewünscht offensiv interpretieren. Cucurella kennt Potter ja bereits aus einem gemeinsamen Jahr, der Spanier hat letzte Saison in Brighton herausragende Leistungen als linker Innenverteidiger gezeigt.

Profitieren Ziyech und Pulisic vom Trainerwechsel?

(Photo by GLYN KIRK/AFP via Getty Images)

Da Potter die Wingback-Positionen gerne von Flügelspielern bekleiden lässt, dürften hier vor allem Christian Pulisic (23) und Hakim Ziyech (29) eine Chance bekommen. In Brighton übernahmen die Rollen zuletzt fast ausschließlich Solly March (28) und Leandro Trossard (27). Beide agierten sehr offensiv, auch gegen den Ball blieb vor allem Trossard sehr offensiv und bildete nicht wie bei einem System mit drei Innenverteidigern üblich eine Fünferkette in der Abwehr. Die Spielweise ähnlich umzusetzen ist Pulisic und Ziyech durchaus zuzutrauen.

4. Welche Neuzugänge braucht Potter im Winter?

Das kommt ganz darauf an, wie sich die Spieler im Kader auf die neue Spielweise einstellen. Auf dem Papier hat Chelsea alles, was Potter braucht. Ob jedoch vor allem die Außenspieler und Kepa die nötigen Gesamtpakete mitbringen wird sich zeigen müssen. So kann es sehr gut sein, dass Chelsea sich im Winter nach einem vielseitigen Keeper umsieht. Kandidaten wären hier Sanchez aus Brighton, Illan Meslier (22) von Leeds United oder Diogo Costa (22) aus Porto.

Unseren Kommentar zur Entlassung von Thomas Tuchel findet ihr hier!

Auf den Außenbahnen könnte vor allem eine frühzeitige Rückkehr von Leihspieler Callum Hudson-Odoi (21) aus Leverkusen eine interessante Option sein. Der Engländer hat unter Tuchel bereits als Wingback ausgeholfen, war für Tuchels Fußball jedoch defensiv zu schwach. Unter Potter könnte Hudson-Odoi seine Offensivqualitäten voll ausspielen. Für die rechte Seite könnte dazu der Name Michael Olise (20) interessant werden. Den französischen Juniorennationalspieler wollte Potter bereits zu Brighton lotsen, bevor er 2021 zu Crystal Palace wechselte.

5. Wie wird Potter funktionieren?

Durch sein Studium dürfte er anders als viele andere junge Trainer nicht zu Beginn ein Problem damit haben, die Superstars richtig anzufassen. In Sachen Menschenführung macht Potter kaum jemand etwas vor. Das sieht man auch daran, dass unter ihm auch schwierige Charaktere wie etwa Yves Bissouma (26) hervorragend funktionierten.

Unsere Analyse zu Brightons Entwicklung findet ihr hier!

Lässt man dem Engländer Zeit, sein System zu implementieren, kann Potter bei Chelsea eigentlich nur funktionieren. Das mit der Zeit wird die große Frage sein: Entweder die Entlassung Tuchels zeigt, wie schnell der Knopf „Trainerentlassung“ unter den neuen Besitzern der Blues gedrückt wird, oder man wollte lediglich alle alten Zöpfe abschneiden und mit dem „eigenen Mann“ auf der Trainerbank eine neue Ära beginnen. Ist Zweiteres der Fall, hat man sich mit Potter genau den richtigen Mann ausgesucht.

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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