Unser Powerranking zu den Sky Bet Championship Aufstiegsplayoffs

David Brooks
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Am Freitag beginnen in der englischen zweiten Liga, der Championship, die Aufstiegsplayoffs. Anlässlich des Beginns wollen wir euch im folgenden die Teams etwas vorstellen und ein Powerranking erstellen.

Der Aufstieg ist in England so gestaltet, dass der Meister und der Tabellenzweite direkt aufsteigen. Die auf Platz drei bis sechs einlaufenden Teams spielen in zwei Halbfinals und einem Finale den dritten Aufsteiger aus. Dabei spielt der Dritte gegen den Sechsten und der Vierte gegen den Fünften jeweils in Hin- und Rückspiel, das Finale findet dann im Wembley Stadion in London statt.



Die Abschlusstabelle der Championship

Abschlusstabelle der Championship

Screenshot von OneFootball

1. Sheffield United

Neben dem Fulham FC könnte noch ein zweiter Absteiger den sofortigen Weg zurück in die Premier League finden. Die Blades hatten im vergangen Sommer kaum Abgänge zu beklagen. Von den letztjährigen Stammspielern verließen nur Keeper Aaron Ramsdale (23) und Mittelfeldspieler John Lundstram (28) den Verein. Und das sieht man auch. Wenn alle Spieler verfügbar sind, ist man vielleicht sogar das individuell am besten besetzte Team der Liga.

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Warum man trotzdem den Weg über die Playoffs gehen muss, liegt an zwei Gründen: Zum einen hatte man einen sehr schwachen Saisonstart. Der im Sommer 2021 gekommene Trainer Slavisa Jokanovic (53) versuchte, den Spielstil radikal zu verändern, und das ging ordentlich nach hinten los. Aus den 19 Ligaspielen unter dem Serben holte Sheffield nur 23 Punkte und stand in der unteren Tabellenhälfte. Seit dem Trainerwechsel hin zu Paul Heckingbottom (44), der zuvor in der U23 der Blades tätig war, läuft es wesentlich besser. Das liegt vor allem an der Rückkehr zu dem für die Spieler gewohnten System mit drei Innenverteidigern.

Paul Heckingbottom, Trainer von Sheffield

(Photo by George Wood/Getty Images)

Der andere Grund sind Verletzungen. John Egan (29) und Oliver Norwood (31) sind die einzigen Spieler mit mehr als 40 Einsätzen, essentielle Spieler wie Sander Berge (24), David McGoldrick (34) oder George Baldock (29) vielen lange aus. Innenverteidiger Jack O’Connell (28) hat sogar überhaupt kein Spiel absolviert. Und so musste auch Heckingbottom seine Mannschaft öfter verändern als es ihm lieb sein dürfte. Der Kader ist jedoch breit genug, um die Ausfälle halbwegs adäquat auffangen zu können.

Wer aus der Mannschaft regelmäßig heraussticht ist Morgan Gibbs-White (22). Der offensive Mittelfeldspieler kam im Sommer leihweise von seinem Stammverein Wolverhampton Wanderers und zeigt, dass er eigentlich zu gut für die Championship ist. Er führt die Mannschaft in nahezu jeder offensiven Statistik an. Er hat die meisten Schüsse (2,4 pro Spiel), die meisten Key-Pässe (1,6), die meisten erfolgreichen Dribblings (1,4) und wird am öftesten gefoult (1,3). In 35 Spielen traf Gibbs-White elfmal und legte neun Treffer auf. An ihm werden die Wolves in den nächsten Jahren viel Spaß haben.

2. Nottingham Forest

Die Reds gehen als einer der Favoriten in die Playoffs. Grund hierfür ist vor allem ein Mann: Steve Cooper (42). Der Trainer übernahm Ende September nach einem grauenhaften Saisonstart und brachten den ganzen Verein, der die letzten Jahre als Chaosclub galt, wieder auf Linie. Der Waliser, der seine ersten Schritte im Trainergeschäft in der Jugend des Liverpool FC und in den U-Mannschaften des Verbands gemacht hatte, war die beiden letzten Jahre in Swansea tätig und führte die Schwäne zweimal in Folge in die Playoffs. Wie groß sein Einfluss in Wales war sieht man daran, dass Swansea mit nahezu der identischen Mannschaft diese Saison auf Platz 15 beendet hat.

Bei Forest hat Cooper trotz fehlender Vorbereitung ähnliches geschafft. Als er kam, stand man mit vier Punkten aus acht Spielen auf Rang 23. Nur Derby County, das mit -21 Punkten gestartet war, war noch hinter Nottingham. Seither holten die Reds in 38 Spielen starke 76 Punkte. Mit dem Punkteschnitt von 2,0 über die ganze Saison wäre Nottingham souverän direkt aufgestiegen und vielleicht sogar Meister geworden, je nachdem, ob Fulham auch bei einem spannenden Meisterschaftsrennen am Ende so viele Punkte abgegeben hätte. Cooper stellte sowohl das System als auch die Taktik um. Systematisch spielt Nottingham fast durchgehend mit Dreierkette sowie zwei Spitzen.

Die Taktik ist inzwischen sehr auf schnelles Vertikalspiel ausgelegt, weniger auf Ballbesitz. Nur 50,2% Ballbesitz hat die Mannschaft, bei Ballgewinnen soll es schnell nach vorne gehen. Wem dies vor allem entgegen kommt ist Djed Spence (21). Die Leihgabe aus Middlesbrough ist zwar gelernter Rechtsverteidiger, hat seine Stärken jedoch klar in der Offensive. Durch das neue System kann er seine Geschwindigkeit und Dribbelstärke voll ausspielen. Spence überzeugt dermaßen, dass einigen ganz großen Vereinen Interesse nachgesagt wird, unter anderem dem FC Bayern München. Etwas ärgerlich ist für Forest, dass sie für Spence keine Kaufoption besitzen. Wenn er sie in die Premier League führt, werden sie dies aber verkraften können.

Spence und Johnson von Nottingham Forest

(Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Ein zweiter sehr interessanter Name ist der von Brennan Johnson (20). Der walisische Nationalspieler ist offensiv extrem vielseitig einsetzbar und überzeugt auf jeder Position. Zu Saisonbeginn spielte er vorwiegend auf einer der Außenbahnen, seit der Systemumstellung ist er entweder auf der Zehn oder als hängende Spitze zu finden. Die 16 Tore und neun Vorlagen, die Johnson diese Saison geliefert hat, zeigen dabei noch nicht einmal sein eigentliches Leistungsvermögen. Auch er wird kommende Saison definitiv Premier League spielen, ob mit Forest oder anderswo. Gerüchte gab es zuletzt vor allem hinsichtlich eines Wechsels zu Newcastle, Everton oder Brentford. In den Playoffs wird es noch stärker auf ihn ankommen, da Kapitän und Mittelstürmer Lewis Grabban (34) wohl fehlen wird.

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3. Huddersfield Town

Huddersfield dürfte vor der Saison kaum jemand in den Aufstiegs-Playoffs erwartet haben. Die Terriers kämpften nach dem Abstieg aus der Premier League die letzten beiden Jahre ausschließlich gegen den Gang in die League One. 2019/20 wurde man 18., 2020/21 sogar 20. Womit also lässt sich dieser Aufschwung erklären? Mit den getätigten Transfers auf den ersten Blick jedenfalls nicht. Da Huddersfield kein Geld zur Verfügung hatte, kamen fast ausschließlich ablösefreie erfahrene Spieler aus der Championship oder der drittklassigen League One. Die Neuzugänge von Championship-Konkurrenten zählten dabei keinesfalls zu den besseren Spielern der Liga. Dazu musste man auch noch mit Juninho Bacuna (24), Isaac Mbenza (25) oder Christopher Schindler (31) Säulen der vergangenen Jahre ziehen lassen.

Der Grund für den märchenhaften Wandel zu einem Aufstiegskandidaten ist vor allem das Besinnen auf eine klare Spielidee. Diese ist dieselbe wie bei Nottingham, nämlich defensiv gut zu stehen und schnell umzuschalten. Huddersfield hat mit 47,5% sogar nochmal weniger Ballbesitz als Forest und steht ligaweit nur auf Platz 13 in dieser Statistik. Dazu sind die Terriers extrem stark bei ruhenden Bällen. 20 Tore erzielte man aus diesen Situationen, Bestwert in der Liga. Auch was den Saisonverlauf betrifft gibt es Parallelen zu Nottingham. Man startete schlecht, nur um dann seit Dezember nur noch zwei von 25 Spielen zu verlieren. Es ist also wie so oft in der Championship, dass sich individuell eigentlich unterdurchschnittliche Teams im Laufe einer Saison in einen Rausch spielen und dann in den Playoffs landen.

Levi Colwill von Huddersfield

(Photo by Joe Portlock/Getty Images)

Die defensive Taktik funktioniert vor allem dank der sehr stabilen Abwehr so gut. Keeper Lee Nicholls (29), der von Drittligist MK Dons kam, hatte keinerlei Probleme, sich an das neue Niveau anzupassen, dazu agieren Tom Lees (31, von Sheffield Wednesday gekommen) und Matty Pearson (28, aus Luton gekommen) in der Innenverteidigung auf sehr hohem Niveau. Der wohl essentiellste Spieler ist jedoch ein Leihspieler. Innenverteidiger Levi Colwill (19) kam für ein Jahr vom Chelsea FC und zeigt, warum ihm Insider noch mehr Talent nachsagen als Fikayo Tomori (24) oder Marc Guehi (21). Colwill bringt alles mit, was ein moderner Innenverteidiger braucht. Er ist schnell, gut am Ball, mit 1,87 Metern körperlich stark und hat ein gutes Kopfballspiel. Ihn werden wir also auf jeden Fall kommende Saison in der Premier League bestaunen dürfen, ob bei Huddersfield, Chelsea oder sonst wo. Zum Problem von Huddersfield könnte werden, dass mit Sorba Thomas (23) der beste Vorlagengeber aufgrund einer Knieverletzung nicht zur Verfügung stehen wird.

4. Luton Town

Luton hat es tatsächlich in die Aufstiegsplayoffs geschafft. Der kleine Verein aus einer Londoner Vorstadt hat finanziell betrachtet eigentlich überhaupt nichts in diesen Tabellenregionen verloren. Doch mit einem seit Jahren starken Konzept, dass sich von der Vereinsspitze bis zu den Jugendmannschaften durchzieht, ist man innerhalb von acht Jahren den Weg aus der fünftklassigen National League bis hierher gegangen. Der Hauptgrund für den Erfolg ist sicherlich der Trainer. Nathan Jones (48) ist bereits zum zweiten Mal Trainer der Hatters. Von Januar 2016 bis Januar 2019 führte er den Verein von der vierten in die dritte Liga und formte eine derart starke Mannschaft, sodass diese auch ohne ihn in die Championship aufstieg. Nach einem kurzen und erfolglosen Intermezzo in Stoke kehrte der Waliser Anfang 2020 nach Luton zurück. Zunächst rettete er den Verein vor dem Abstieg, um ihn dann sukzessive weiterzuentwickeln. Der vorläufige Höhepunkt ist das Erreichen der Playoffs.

Unser Reisebericht aus Luton und Tottenham

Und das alles ohne die großen wirtschaftlichen Möglichkeiten. Im Gegenteil, immer wieder musste man abgewanderte Stammspieler mit wenig Geld ersetzen. Dabei sieht man sich gerne bei besseren Teams nach Spielern um, die dort entweder noch nicht oder nicht mehr gebraucht werden. Immer wieder tätigt man clevere Leihen wie die von Kiernan Dewsbury-Hall (23), der letztes Jahr in Luton spielte und nun Stammspieler bei Leicester City ist. Feste Transfers gab es beispielsweise von Rechtsverteidiger James Bree (24), der von Aston Villa kam, oder den von Stürmer und Toptorschützen Elijah Adebayo (24), der aus der Fulham-Jugend kommt. Ob Adebayo gegen Huddersfield mitspielen kann, ist aufgrund einer Oberschenkelverletzung allerdings noch nicht klar. Sein Ausfall wäre eine herbe Schwächung.

Luton Town jubelt

(Photo by Alex Burstow/Getty Images)

Luton kommt hauptsächlich über das kämpferische Element. Der Ball wird gejagt soweit die Füße tragen, den Gegnern wird keine Luft zum Atmen gelassen. Auch Luton spielt in einem 3-5-2, einem System, das in der Championship immer mehr Anklang findet. Die Außenverteidiger sind in vielen Fällen mehr Leichtathleten als Fußballer, das Zentrum wird extrem verdichtet und auf der vordersten Linie laufen teilweise vier Spieler gleichzeitig die gegnerischen Aufbauspieler an. Mit dem Ball kann und will Luton nichts anfangen. 43,8% sind der niedrigste Wert der gesamten Liga, auch die Passquote von 65,5% ist Platz 24 ligaweit. Wenn man den Ball gewinnt, geht in es aller Regel schnell und mit riskanten Pässen nach vorne, gerne auch hoch. Folgerichtig bestreitet Luton die viertmeisten Kopfballduelle in der Championship. Offensiv ist Luton entsprechend auch besonders bei Standards gefährlich. Nur drei Teams erzielten hier mehr Tore.

Prognose

 

Sheffield geht ob der individuellen Qualität als leichter Favorit in die Championship-Playoffs. Doch das Halbfinale gegen Nottingham wird knallhart, die Reds sind auf dem Papier wohl die zweitbeste Mannschaft. Beide direkten Duelle endeten 1:1. Da in Wembley jedoch –  wie in der Vergangenheit oft genug gesehen – vieles möglich ist, kann man keinesfalls von einem vorgezogenen Finale sprechen. Auch der Gewinner von Huddersfield gegen Luton hat gute Chancen auf den Aufstieg. Hier ist Huddersfield der Favorit, auch da Luton es in den beiden direkten Duellen der regulären Saison nicht geschafft hat, einen Treffer zu erzielen (2:0 Huddersfield und 0:0).

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Lukas Heigl

Liebhaber des britischen Fußballs: Von Brighton über Reading und Wimbledon bis nach Inverness. Ist mehr für Spiele der dritten englischen Liga als für den Classico zu begeistern. Durch das Kommentatoren-Duo Galler/Menuge auch am französischen Fußball interessiert

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