Die Premier League startet in die Restsaison: Was bisher geschah

Pep Guardiola (links) und Mikel Arteta (rechts) liefern sich mit Manchester City und dem FC Arsenal ein Duell um die Meisterschaft in der Premier League.
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Nach der WM 2022 startet die Premier League in die Restsaison 2022/2023. Arsenal und Manchester City duellieren sich an der Spitze, dahinter gibt es Überraschungen und Enttäuschungen. Was bisher geschah. 

Premier League: Manchester City und Arsenal duellieren sich an der Spitze

Kaum einem Klub in Europa dürfte die WM-Pause so ungelegen gekommen sein, wie dem FC Arsenal. Zum einen, weil die Gunners am letzten Spieltag die Tabellenführung der Premier League auf fünf Zähler ausbauten (37). Zum anderen, weil sich einer der wichtigsten Spieler des Kaders in Katar eine Knieverletzung zuzog und etwa drei Monate fehlen wird: Gabriel Jesus.



Der pressing- und kombinationsstarke Stürmer war das letzte Puzzlestück eines radikalen Umbruchs bei den Gunners, bei dem im dritten Jahr unter Mikel Arteta aus einer Vision nun Realität wird. Der Ball rollt mit Plan, Spielwitz und einer City-artigen Kontrolle über den Rasen. Der 21-jährige William Saliba erinnert in der besten Defensive der Premier League an einen jungen Virgil Van Dijk, Thomas Partey und Granit Xhaka bilden eine der cleversten und ballsichersten Mittelfeldzentralen Europas und der zweitbeste Angriff (33 Tore) um Martin Ödegaard, Bukayo Saka, Gabriel Martinelli ist elektrisierend und emsig zugleich.

Und trotzdem heißt der Titelfavorit weiterhin Manchester City (32 Punkte). Nicht nur weil Jesus‘ Ausfall so schwer wiegt. Selbst wenn die Gunners einen Ersatz verpflichten, das Team von Pep Guardiola hat in Sachen Ressourcen, Qualität, Tiefe und Erfahrung im Titelkampf schlichtweg zu viele Vorteile. Ach ja, dann wäre da noch Erling Haaland, der in seiner Debütsaison – oh wunder – kein Flop ist, sondern mit 18 Toren in nur 13 Spielen bereits zahlreiche Rekorde gebrochen und weitere vor der Nase hat.

Unter der Leitung des kreativen Dirigenten Kevin De Bruyne, der die meisten Assists auf dem Konto hat (9), läuft Manchester City auch in dieser Saison wie ein Uhrwerk, hat sogar genauso viele Punkte auf dem Konto wie zum gleichen Zeitpunkt letzte Saison. Das macht die Entwicklung der Gunners zwar umso erstaunlicher, zeigt aber auch, dass keine Ausrutscher erlaubt sind.

Die Spieler des FC Arsenal feiern in der Premier League einen Auswärtssieg gegen Chelsea.

(Photo by GLYN KIRK/AFP via Getty Images)

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Newcastle mischt die Top-Four auf

Der größte Konkurrent des Spitzenduos ist überraschenderweise weder der FC Liverpool noch der FC Chelsea sondern die neureichen Magpies: Newcastle ist mit 30 Punkten in Schlagdistanz. Der Beigeschmack des saudi-arabischen Besitzerkonsortiums lässt sich nicht leugnen, auf rein sportlicher Ebene dagegen hat der Traditionsklub mit den neuen Mitteln binnen kürzester Zeit Beachtliches geleistet.

Es wurde nicht mit Geld um sich geworfen – was alleine das britische und europäische Financial Fair Play erschweren – sondern klug und nachhaltig investiert. Zugegeben, Alexander Isak muss seine 70 Millionen Euro Ablöse noch rechtfertigen. Aber Innenverteidiger Sven Botman, Keeper Nick Pope und vor allem Bruno Guimarães, der mit viel Finesse die Fäden zieht, waren absolute Volltreffer. Gleiches gilt für Trainer Eddie Howe, der eine ausbalancierte Truppe entwickelt hat, die es an ihrem Tag mit jedem Gegner der Liga aufnehmen Kann. Die Qualifikation zur Champions League ist in Reichweite.

Das liegt natürlich auch daran, dass die üblichen Verdächtigen aus den Top-Four ins Straucheln geraten sind. Einzig Tottenham befindet sich – entgegen einiger überambitionierten Prognosen (zumindest in den Augen von 90PLUS) – mit 29 Punkten in Soll. Ergebnistechnisch zumindest, was auch an der Effizienz von Heung-min Son und Harry Kane lag. Denn rein spielerisch waren die Spurs unter Antonio Conte leicht auszurechnen. Verdaut der Engländer seinen verschossenen Elfmeter beim WM-Aus? Der Vorsprung auf Platz fünf beträgt nur einen Zähler.

Newcastle United, hier um Trainer Eddie Howe und Joelinton, ist eine der Überraschungsmannschaften der Premier League.

(Photo by Nigel Roddis/Getty Images)

Premier League: Manchester Uniteds (Ronaldo-loses) Revival

Dort folgt überraschenderweise Manchester United. Nicht, weil man den Namen dort nicht erwartet, sondern viel mehr, weil der Auftakt der Ära Erik ten Hag mit einer Pleite gegen Brighton und einer Klatsche gegen Brentford (0:4) einem Horrorfilm glich. Seitdem aber hat der Niederländer seine Form von Fußball hinten an gestellt und mit einer deutlich pragmatischeren Spielweise Punkte und damit Selbstvertrauen in das Old Trafford zurückgeholt. Zum Leidwesen Cristiano Ronaldos, der als pressingscheuer und egozentrischer Altstar weder charakterlich noch spielerisch zum Neustart der Red Devils passte. Der 36-Jährige wählte die Flucht und erzwang mit einem skurrilen Interview eine Vertragsauflösung.

Der Kader Uniteds hat weiterhin zu viele teure Pflaster und zu wenig ten-Hag-Spieler, was eine Qualifikation zur Champions League zweifelhaft wirken lässt. Erst recht, weil der Trainer perspektivisch zweifelsohne seinen Ajax-Fußball implementieren wollen wird. Nichtsdestotrotz scheint man mit dem 52-jährigen Niederländer einen Trainer gefunden zu haben, der United zurück in glorreiche Tage finden könnte. Sofern die Klubbesitzer – ob die Glazers oder sonst wer – es zulassen.

…die Abstürze von Chelsea und Liverpool

Stichwort Klubbesitzer. Der Grund dafür, dass Chelsea sich mit acht Punkten Rückstand auf die Top-Four auf dem achten Platz befindet, ist vor allem an der Spitze auszumachen. Nach der Vereinsübernahme durch den US-Amerikaner Todd Boehly, folgte ein wildes Transferfenster, das einen klaren Plan vermissen ließ. Erst recht, als nur sechs Tage nach Transferschluss der Trainerwechsel von Thomas Tuchel zu Graham Potter folgte. Warum das einem Armutszeugnis glich, lest ihr hier.

Der 47-jährige Engländer entwickelte bei Brighton and Hove Albion mit limitierten Mitteln, eine Mannschaft, die seine (attraktive) Art von Fußball verinnerlichte und umsetzte. Dafür bedurfte es viel Zeit und Geduld. Drei Siege aus den ersten acht Spielen (und acht Punkte Rückstand auf die Top-Four) zeigen, dass dies auch an der Stamford Bridge nicht über Nacht gehen wird.

Das gelang selbst Jürgen Klopp nicht. Beim FC Liverpool züchtete er mit der Hilfe einer natürlichen Entwicklung und cleveren Transferaktivitäten ein Monster, das sich mit spielerischer Klasse und roher Intensität den Premier-League-Titel 2020 und die Champions-League-Trophäe 2019 regelrecht an sich riss. 2022 ist das einst so kräftige Rot verblasst. Die Mannschaft wirkt nach der massiven Beanspruchung in den letzten sieben Jahren psychisch und physisch ausgebrannt. Einstige Leistungsträger wie van Dijk oder Trent Alexander-Arnold sind von der Rolle, eine Vielzahl von Verletzungen tut ihr Übriges.

Trotzdem ist es Klopp und Co. am ehesten zuzutrauen, den Weg zurück in die Top-Four zu finden. Der Rückstand beträgt nur vier Zähler, die Auszeit vom stressigen Ligaalltag könnte die Köpfe freigemacht haben.

Cristiano Ronaldo und Spieler des FC Liverpool haben bei einer Premier-League-Partie eine Meinungsverschiedenheit.

(Photo by OLI SCARFF/AFP via Getty Images)

Zur Tabelle der Premier League

Premier League: Die Liga ohne Mittelfeld?

Ab Rang neun beginnt normalerweise das Niemandsland, 2022/2023 aufgrund der lediglich sechs Punkte Vorsprung allerdings wohl schon der Abstiegskampf. Hier tummeln sich Aufsteiger FC Fulham, das nach starkem Start stark nachließ oder der FC Brentford (beide 19 Punkte).

Auf dem Platz überzeugen die Bees mit mutigem Fußball, abseits bahnt sich dagegen ein Problem an. Ivan Toney, mit zehn Treffern immerhin auf Platz drei der Torjägerliste, wird von der FA vorgeworfen, in 262 Fällen gegen die Wettregeln verstoßen zu haben. Ihm droht eine Sperre, bei einem Toranteil von 43,5 Prozent wäre das ein massiver Rückschlag.

In der Tabelle dahinter, in Sachen Qualität aber wohl überlegen, sind Crystal Palace (19 Punkte) und Aston Villa (18), wo nach einem trostlosen Auftakt nicht mehr Steven Gerrard sondern Unai Emery die Geschicke leitet.

Gleiches gilt eigentlich für West Ham (14) und Leicester (17), wenngleich die Fragezeichen hier größer sind. Bei den Hammers sind die Seifenblasen unter David Moyes nach Platz sieben im Vorjahr wieder geplatzt. Die Foxes wurden durch Misswirtschaft eingeholt, sind dank vier Siegen in den letzten fünf Spielen aber wieder auf einem soliden Weg.

Ralph Hasenhüttl an der Seitenlinie des FC Southampton. Das Spiel gegen Newcastle in der Premier League war sein letztes als Trainer der Saints.

(Photo by David Cannon/Getty Images)

Diese Klubs kämpfen ums Überleben

Deutlich enger wird es für Leeds United (15 Punkte), Woche für Woche zwischen Genie und Wahnsinn, und den FC Everton (14), wo der einst so herausragende Spieler Frank Lampard als Trainer weiterhin ein Offensivkonzept vermissen lässt. Der AFC Bournemouth (16) hat zwar mehr Zähler, dafür aber wohl die geringste Qualität aller 20 Premier-League-Mannschaften. Der Trainerwechsel von Scott Parker zu Gary O’Neil zeigte zwar zwischenzeitlich Wirkung, zuletzt setzte es für den Aufsteiger jedoch vier Pleiten in fünf Spielen.

Die Cherries sind einer der Favoriten für den Abstieg in die Championship. Umso mehr Hoffnung für die letzten drei Teams? Aufsteiger Nottingham Forest (13) brauchte eine gewisse Anlaufzeit, was nach 22 (!) Neuzugängen verständlich ist – Steven Cooper holte mit neuem System acht Punkte aus den letzten fünf Spielen. Der FC Southampton (12) brauchte nach vier Achterbahn-Jahren (und zwei 0:9-Pleiten) unter Ralph Hasenhüttl neue Impulse. Der Österreicher holte aus den limitierten Mitteln wohl noch das Maximum heraus, seine Idee von mehr Ballbesitzfußball schlug jedoch fehl. Unter Nathan Jones heißt es nun back to the roots und damit zum Pressing.

Den letzten Platz belegen die Wolverhampton Wanderers. Unter Bruno Lage zwar spielerisch solide, im Angriff aber zu zahnlos, soll nach einer (viel zu langen) Trainersuche nun Julen Lopetegui Konstanz einkehren. Die Vorzeichen könnten besser sein, noch im Oktober hatte der Spanier den Wolves einen Korb erteilt.

Photo by David Ramos (left) and Richard Heathcote (right) /Getty Images

 

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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