Premier League: Wieso wir jetzt einen echten Titelkampf haben

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5 Awards zum 18. Spieltag der Premier League: Haben wir einen echten Titelkampf zwischen Arsenal und Manchester City? Tottenhams Schweizer Käse und „Aus die Moyes“ in West Ham? 

„Doch nicht so eindeutig“ – Award: Das Titelrennen der Premier League

Tabellenführer mit sieben Punkten Vorsprung, erst die fünfte Mannschaft in der Geschichte der ersten englischen Liga, die nach 16 Spielen 43 Punkte auf dem Konto hat…und doch kein Titelfavorit?



Zugegeben, dass die Mehrheit der Fans und Experten den FC Arsenal trotz dieser Zahlen nicht als Favoriten für die Meisterschaft sieht, liegt nicht an den Gunners selbst. Beim 4:2-Auswärtssieg gegen Brighton & Hove Albion – einer der anspruchsvolleren Gegner der Premier League – hatte das Team von Mikel Arteta zwar weniger Spielanteile als gewohnt, überzeugte aber durch Effizienz und ließ den Ball phasenweise mit der Präzision, dem ausgefeiltem Positionsspiel und der Finesse eines Meisters über den Rasen laufen. Alleine der Assist von Martin Ödegaard zum zwischenzeitlichen 4:1 hätte einen eigenen Award verdient.

Nein, der Grund, wieso der Meister 2023 für viele ein anderer wird heißt „Manchester City“. Die Cityzens haben einen, wenn nicht den besten Trainer der Welt an der Seitenlinie, schier unendliche finanzielle Ressourcen und einen Kader, der einer Weltauswahl gleicht. Bei all dem berechtigten Lob für die jungen Gunners; mit den Mitteln, der Tiefe und der Erfahrung ManCitys – gerade in einem nervenaufreibenden Titelkampf – können sie es in diesem Stadium ihrer Entwicklung noch nicht aufnehmen.

Oder vielleicht doch? Ist diese Aussage vielleicht zu despektierlich gegenüber der Mannschaft, die 16 Spiele lang die spielerisch reifste, mental stärkste und schlichtweg überzeugendste der Premier League war? Während Arsenal auch ohne einen vermeintlich unersetzlichen Gabriel Jesus von Sieg zu Sieg eilt, ließ Manchester City gegen Everton (1:1) bereits zum fünften Mal Punkte liegen. Unglücklich, ja. Aber die Defensive ist weiterhin nicht ganz sattelfest. Die Offensive tut sich trotz der Naturgewalt Erling Haaland noch immer mit tief-stehenden Gegnern schwer.

All das ist eine Momentaufnahme. Denn aktuell ist nicht mal die Hälfte der Saison gespielt. Und sieben Punkte Rückstand auf Platz eins hat alleine City in der Premier League schon zweimal aufgeholt (2011/12 und 2013/2014) – Liverpool 2021/2022 um ein Haar sogar ganze 14. Stand heute deutet zu viel daraufhin, dass Manchester City in diesem Titelrennen den längeren Atem haben wird. Und trotzdem ist es nicht so eindeutig, wie es vor wenigen Wochen noch schien.

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„Schweizer Käse“ – Award: Tottenham Hotspur

Während der bittere Stadtrivale in einem Titelrennen involviert ist, krachte Tottenham diesen Spieltag aus den Top-Four. Gegen Aston Villa, ausgerechnet von Ex-Gunner Unai Emery trainiert, setzte es eine verdiente 0:2-Niederlage.

Während die Spurs früh in der Saison pragmatisch Punkte sammelten und für viele ein Außenseiter im Titelrennen waren, zweifelten wir hier schon früh an der Spielweise unter Antonio Conte. Denn dies schien zu berechenbar und zu abhängig von der individuellen Qualität eines Harry Kanes oder Heung-min Son.

Deutlich alarmierender sind jedoch die Entwicklungen in der Defensive, die trotz der Rückkehr von Cristian Romero (Verletzung, dann WM 2022) auch gegen Aston Villa einem Schweizer Käse glich. Das 0:1 fiel, nachdem Hugo Lloris einen leichten Flachschuss abklatschen ließ – laut Opta der fünfte individuelle Fehler, der in dieser Saison in einem Tor resultierte (Spitzenwert). Schlimmer noch: Für Tottenham war es das siebte Spiel in Folge mit mindestens zwei Gegentoren – der schlechteste Lauf seit 1988.

„Woutomat defekt“ – Award: Wout Faes

In einer wechselhaften Saison für Leicester City war Neuzugang Wout Faes bislang eigentlich noch einer der konstantesten Akteure und der Grund, wieso sich die Ergebnisse der Mannschaft von Brendan Rodgers nach desolatem Saisonstart zuletzt stabilisierten. Am Freitag aber war der bislang so zuverlässige „Woutomat“ jedoch leider defekt.

Das Timing hätte nicht schlechter kommen können, denn die Foxes lieferten beim FC Liverpool eine gute Vorstellung ab und führten bis zur 38. Minute sogar verdient mit 1:0. Dann passierte es. Binnen sieben Minute traf Faes gleich zwei Mal ins eigene Tor. Ein Eigentor war schlimmer als das andere.

Beim ersten Treffer versuchte der belgische Innenverteidiger eine flache Flanke zu klären, obwohl Keeper Danny Ward eindeutig den Ball für sich beanspruchen wollte. Faes‘ überhastete Abwehrtat landete in einem hohen Bogen im eigenen Tor.

Das zweite Eigentor war mehr Pech als Unvermögen. Nachdem Darwin Nunez’s Lupfer an den Pfosten prallte, konnte der heraneilende Faes nicht genügend Geschwindigkeit rausnehmen und versenkte den Klärungsversuch in den eigenen Maschen.

Die Pannenshow brach Leicester das Genick, es blieb beim 2:1 für die Reds. Und Faes wurde nach Jamie Carragher (1999, Liverpool gegen Manchester United), Michael Proctor (2003, Sunderland gegen Charlton) und Jonathan Walters (2013, Stoke gegen Chelsea) der vierte Spieler in der Geschichte der Premier League, der in einem Spiel zwei Eigentore erzielte.

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„Besser spät als nie“ – Award: Marcus Rashford

Erst letzten Spieltag sprachen wir an dieser Stelle davon, wie Marcus Rashford bei Manchester United zu alter Form gefunden hat. Um so verwunderlicher war am Samstagmorgen die Meldung, dass er beim Auswärtsspiel gegen die Wolverhampton Wanderers nicht in der Startaufstellung stand. Wie sich herausstellte, hatte das disziplinarische Gründe. Der 25-Jährige hatte verschlafen, daher ein Teammeeting verpasst und landete auf der Bank. Aber er kam.

„Besser spät als nie“, wie Rashford nach dem Spiel tweetete. Denn nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit der Red Devils war die Strafe abgesessen und Erik ten Hag wechselte ihn ein. 14 Minuten vor Schluss folgte der Dank und die Erlösung für ManUtd: nach starker Kombination mit Bruno Fernandes, schirmte der Engländer den Ball mit viel Physis und technischem Geschick ab und schloss eiskalt zum 1:0-Endstand ab. ManUtd klettert dadurch auf Rang vier.

Für Rashford war es laut Opta übrigens der fünfte Matchwinner als Joker – keiner in der Geschichte der Premier League hat mehr. Verschlafen oder nicht.

„Aus die Moyes“ – Award: David Moyes

Letzte Saison stand West Ham United noch im Halbfinale der Europa League, erreichte unter David Moyes einen starken siebten Platz in der Premier League. Heißt es sieben Monate später schon wieder „aus die Moyes“?

Denn trotz signifikanter Neuverpflichtungen auf dem Transfermarkt ist die Weiterentwicklung der Hammers diese Saison ausgeblieben. Die 0:2-Pleite gegen Brentford war die fünfte Niederlage in Folge – der schlechteste Lauf seit 2017. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge ist auf einen Zähler geschmolzen und die Stimmung im Osten Londons am Tiefpunkt.

Auch gegen Brentford enttäuschte das Team, das qualitativ eigentlich ins Mittelfeld gehört, auf ganzer Linie. Das pragmatische Offensivspiel der Vorsaison ist zu berechenbar geworden und zu einfallslos. Am erschreckendsten ist jedoch, dass es mittlerweile an den Basics hapert. Also das, was West Ham 2021/2022 so unspektakulär gut machte: Organisation, Intensität, Physis und Kampf. Tugenden, die nichts mit Qualität zu tun haben. Und wenn diese fehlen, ist der Trainerwechsel meist nicht weit entfernt.

(Photo by Mike Hewitt/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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