Premier League | Besitzer-Check: Welchem Reichen jubel ich zu?

Sheikh MansSheikh Mansour bin Zayed Al Nahyan auf der Tribüne
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Spotlight | Die Premier League startet in eine neue Saison und gilt allgemein als leuchtendes Beispiel für sportliche Qualität. Doch wer bezahlt für den Spaß eigentlich?

Premier League: Besitzer unter sich

Es ist soweit. Die vermeintlich beste Liga der Fußballwelt startet in eine neue Spielzeit. Unbestritten ist die Stardichte, auf dem Platz und der Trainerbank, sowie die allgemeine Kaderqualität wohl nirgendwo höher als auf der Insel. Das liegt nicht nur an atemberaubenden TV-Deals, sondern auch an dem Fakt, dass kein einziger Klub im englischen Oberhaus in Mitgliederhand ist. Alle zwanzig Vereine haben „Owner“, der Erfolg englischer Mannschaften unter diesem Modell wird gerne auch hierzulande als Argument für die Auflösung der 50+1-Regel vorgebracht. Grund genug um sich vor Anpfiff der neuen Spielzeit einmal die Besitzer der größten Klubs der Liga genauer anzuschauen und damit vielleicht auch eine Entscheidungshilfe zu bieten, welchem Team man die Daumen drücken möchte. Denn nie vergessen: In England feuert man nicht nur einen Verein an, sondern auch sehr reiche Leute.

Arsenal: Stan Kroenke

Arsenal London gehört mehrheitlich dem us-amerikanischen Milliardär Stan Kroenke. Sein Vermögen (geschätzt über 10 Milliarden) liegt in der Immobilienentwicklung und dem Immobilienbesitz seiner Firmen begründet. Da wir in einer Leistungsgesellschaft leben, muss er sehr viel gemauert haben um sich sein Geld zu verdienen. Ein bisschen Glück bei der Partnerwahl kommt dann auch noch dazu: Seine Frau ist Walmart-Erbin und bringt ebenfalls über acht Milliarden in die Ehe ein (Auch Erben ist eine Leistung). Da kann man sich auch ein paar Sportvereine gönnen. Neben seiner Beteiligung an den Gunners ist er unter anderm an den LA Rams in der NFL und den Denver Nuggets in der NBA beteiligt. Seit er in London die Fäden zieht, gab es viel Kritik von Fanseite. Kroenke würde nicht genug Geld in den Klub investieren und habe großen Anteil am Abschwung des Klubs in den letzten Jahren. In diesem Jahr war Arsenal dann mal richtig aktiv auf dem Transfermarkt, sicherte sich unter anderem die Dienste von Gabriel Jesus. Na dann ist ja alles gut.

Proteste gegen Stan Kroenke vor einem Premier League Spiel

Photo by Justin Setterfield/Getty Images

Chelsea: Todd Boehly

Der neueste Besitzer im Premier-League-Quartett ist Todd Boehly. Seit Ende Mai steht fest, dass der us-amerikanische Milliardär Boehly gemeinsam mit der Clearlake Capital Group, Mark Walter und Hansjörg Wyss die Kontrolle über die Blues übernimmt. Diese Übernahme-Chance ergab sich, weil der langjährige Besitzer Chelseas, Roman Abramowitsch im Zuge der Sanktionen gegen Russland seinen Besitz am Londoner Klub abgeben musste. Ein weiteres, leuchtendes Beispiel dafür, dass man bei der Premier League, entgegen anders lautender Aussagen, wenig Kontrolle darüber ausübt wer einen Klub besitzt und woher dessen Geld kommt. Boehlys Geld hingegen stammt in großen Teilen aus dem ehrwürdigen Feld der Vermögensverwaltung. Noch bleibt abzuwarten, wie sich die neue Ära bei den Blues gestaltet, bis jetzt lassen sich in jedem Falle einige Schwierigkeiten auf dem Transfermarkt und ein angesäuerter Thomas Tuchel feststellen.

Tottenham: Daniel Levy

Daniel Levy ist seit 2001 der Präsident von Tottenham und damit der am längsten amtierende Präsident in der Premier League. In Besitz ist der Klub faktisch von der Investmentgesellschaft ENIC, an der Levy wiederum 29,4 % der Anteile hält. Faktisch ist er also nicht der Mehrheitseigner, sondern sein Geschäftspartner Joe Lewis, der 70,6 % der Anteile an ENIC besitzt. Im Fokus steht bei den Spurs aber Levy. Er gilt bei vielen Anhängern als knausrig, allerdings trifft diese Eigenheit zumindest nicht auf sein eigenes Gehalt zu. Seit Jahren zählt sein Gehalt bei den Spurs zu den höchsten der Liga und bewegt sich im Bereich mehrerer Millionen Pfund. Andere Ausgaben innerhalb des Vereines werden unter Levy deutlich fürsorglicher abgewogen, 2018 vermeldete der Verein einen Gewinn von 113 Millionen Pfund.

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Liverpool: John Henry

John W. Henry ist Leiter und Gründer der Fenway Sportsway Group, die wiederum den Liverpool FC besitzt und ihr Geld mit Sportvermarktung verdient. Zum Portfolio der Firma gehört unter anderem auch der MLB-Verein Boston Redsox. FSG übernimmt dabei auch die Vermarktung des sagenumwobenen Stadions an der Anfield Road. Einerseits ist Henry als Besitzer dafür bekannt, kluge Entscheidungen zu treffen und der Erfolg der Reds unterstreicht das. Andererseits gehört er zu der Gruppe an Besitzern, die eben auch den Profit ihres Vereines in den Vordergrund stellen. Die Beteiligung an den Planungen einer möglichen Super League unterstreichen, dass es sich hier um einen Geschäftsmann und nicht um einen Wohltäter handelt. Fußball als Spekulationsware, dass kennt auch Erzrivale Manchester United all zu gut.

Manchester United: Die Glazers

Die Red Devils sind einer der größten und umsatzstärksten Fußballklubs der Welt. Das sind in den letzten Jahren aber vor allem gute Nachrichten für die Besitzerfamilie der Glazers und seltener für die eigenen Fans gewesen. Denn während der Verein Jahr für Jahr hübsche Dividenden für die Milliardäre abwarf, blieb der sportliche Erfolg mehr und mehr auf der Strecke. Das mit Ed Woodward lange ein vertrauter Banker an der Spitze des Klubs sein Unwesen treiben durfte, unterstreicht die Zielsetzung der Glazers. Genialerweise mussten diese nicht einmal wirklich Geld für den Kauf ihrer neuen Gelddruckmaschine aufbringen. Das nötige Darlehen über 790 Millionen Pfund ließ der findige Geschäftsmann auf den Verein umschreiben, der sich seither selber abbezahlt. Ein scheinendes Beispiel dafür, dass man an der Leidenschaft vieler Fußballfans auch ganz vortrefflich verdienen kann, wenn man sportlich keine gute Arbeit abliefert.

Ein Zettel mit der Aufschrift "GO - Glazers Out" im Old Trafford

Photo by Phil Noble – Pool/Getty Images

Manchester City: Abu-Dhabi?

Manchester City, der bis vor gar nicht allzu langer Zeit eher unbedeutende Nachbar von Manchester United ist mittlerweile das Maß aller Dinge in der Premier League. Das liegt natürlich hauptsächlich an dem generösen Besitzer Abu-Dhabi. Ach nein, ein Land darf ja keinen Klub in der englischen Liga besitzen. Also machen wir es richtig: Manchester City gehört zur City Football Group, die zu 78 % der Herscherfamilie Abu-Dhabis gehört. Nochmal: Das liegt natürlich hauptsächlich an dem generösen Besitzer City Football Group. Auch wenn Trainer Pep Guardiola sich nicht zu Schade ist, öffentlich über begrenzte Budgets und unfaire Behandlungen zu klagen. Abu-Dhabi, natürlich nicht Besitzer von den Skyblues, ist übrigens das größte Emirat der vereinigten arabischen Emirate. Über diese heißt es bei Amnesty International: „Die staatlichen Stellen begingen weiterhin schwere Menschenrechtsverletzungen, darunter willkürliche Inhaftierungen, grausame und unmenschliche Behandlung von Gefangenen, Unterdrückung des Rechts auf freie Meinungsäußerung und Verletzung des Rechts auf Privatsphäre.“ Was solls, you go Pep!

Newcastle United: Saudi-Arabien?

So wirklich korrekt ist die Aussage, dass Newcastle United seit der letzten Saison dem Staat Saudi-Arabien gehört auch nicht. Newcastle United gehört einem Konsortium, zu dem zu 80 % der Saudi-arabische Staatsfond gehört. Clever, oder? So konnte man einige Hürden und Regelungen der Liga umgehen, die den Besitz eines Klubs durch ein Land „eigentlich“ (siehe Manchester City) untersagen und hat prompt ein Trikot in den Landesfarben eingeführt. Ein Funfact über die neuen Besitzer, die von den Magpies unter Freudenjubel aufgenommen wurden: Freedom House scheint im Einleitungssatz zum Land: „Saudi-Arabiens absolute Monarchie beschneidet fast alle politischen Rechte und bürgerlichen Freiheiten“. Hoffentlich wird das zumindest vom zugehörigen Medienrummel in England immer mal wieder aufgebracht und in Folge dessen niemand zersägt.

Fans von Newcastle United im "Scheich-Outfit"

Photo by Ian MacNicol/Getty Images

50+1 würde der Premier League gut tun

Das sind sie also, die größten Klubs der englischen Liga und ihre Besitzer, wie schon in der Einleitung des Textes festgestellt, gibt es keinen Klub, der ohne „Owner“ auskommt. Natürlich macht diese Stichprobe auch ein paar Unterschiede innerhalb dieser Besitzerklasse deutlich. Es gibt Investorengruppen und Milliardäre, die Vereine als gewinnbringende Projekte sehen, es gibt Besitzer, die viel Geld in den Verein investieren und sich damit die Gunst der Fans sichern und es gibt ganze Staaten mit, sehr nett ausgedrückt, Problemen im Bereich der Menschenrechte, die glasklares Sportswashing betreiben. Was übrigens gerade im Fall von Manchester City immer besser zu funktionieren scheint, über die Struktur des Vereines wird kaum noch gesprochen, eher der herausragende Fußball gelobt. Was es in jedem Falle in dieser hochgelobten Liga nicht mehr gibt, sind Vereine die den Fans gehören. In der Spitzengruppe findet sich ehrlich gesagt kein Klub, der für einen gesellschaftlichen Mehrwert existiert und die Seele dieses Sportes noch tief in sich trägt. Vereine wie United und Liverpool, mit großer und leidenschaftlicher Fanbase kämpfen auf den Rängen um diese Bedeutung, aber die Deutungshoheit haben sie verloren. Wenn man also das nächste Mal nach England schaut wenn über 50+1 diskutiert wird, sollte man die richtigen Schlüsse ziehen.

Julius Eid

ANDREW YATES/AFP via Getty Images

Julius Eid

Seit 2018 bei 90PLUS, seit Riquelme Fußballfan. Gerade die emotionale Seite des Sports und Fan-Themen sind Julius‘ Steckenpferd. Alleine deshalb gilt: Klopp vor Guardiola.

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