Premier League: Liverpools Botschaft, X-Faktor Haaland und ten Hags Umdenken

Die Anzeige lügt nicht: Der FC Liverpool hat Bournemouth am vierten Spieltag der Premier League mit 9:0 aus dem Stadion gejagt.
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Der FC Liverpool hat der Premier League eine Botschaft gesendet. Erling Haaland ist der X-Faktor für Manchester City und Manchester Uniteds Erik ten Hag fängt bei Null an. Die Erkenntnisse des vierten Spieltags. 

Der FC Liverpool ist angekommen

Es war ein seltsamer Saisonstart für den FC Liverpool. Gegen Fulham und Crystal Palace gab es trotz spielerischer Überlegenheit und Chancenplus jeweils nur ein Remis: Es fehlte die letzte Zielstrebigkeit und Konzentration, vorne und hinten. Am dritten Spieltag enttäuschten die Reds sogar auf ganzer Linie. Ausgerechnet gegen Manchester United, bis dato das Krisenkind der Liga, kamen die dezimierten Reds überhaupt nicht in die Gänge. Statt Klopp’scher Intensität, herrschte rote Lethargie, mit und ohne Ball.

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Am Samstag wachte das Team von Jürgen Klopp endlich aus dem Tiefschlaf auf. Und wie. Mit sage und schreibe 9:0 fertigte der FC Liverpool Aufsteiger AFC Bournemouth ab und stellte damit einen Vereinsrekord ein. Die Reds schwärmten aus den Startlöchern, nahmen den überforderten Gegner in die Zange und ließen nicht locker. Es war das reinste Offensivfeuerwerk mit dem revitalisierten Roberto Firmino als Dirigent. Angriffswelle um Angriffswelle, Abschluss nach Abschluss. Nach 45 Minuten stand es 5:0, doch der Vizemeister kannte keine Gnade. Liverpool nutzte das Spiel, um eine Botschaft an die Premier League zu senden: „Wir sind in der Saison angekommen.“

„Nach drei enttäuschenden Spielen hatten wir etwas zu beweisen“, gestand Trent Alexander-Arnold. „Es fühlt sich wie ein sehr wichtiges Ergebnis an“, sagte auch Klopp und erklärte, dass er an ein paar „Schrauben“ drehte. „Wenn es so läuft wie heute, ist es fantastisch.“

Wenn es so läuft, wird der Saisonstart schnell vergessen und die sieben Punkte Rückstand auf die Spitze in Windeseile geschmolzen sein.

 

Manchester City: Haaland ist der X-Faktor

Obwohl der ein oder andere Experte daran zweifelte, war bereits am ersten Spieltag zu erkennen, welchen Impact Erling Haaland auch in der Premier League haben würde. Wie wichtig er für die Cityzens aber sein wird, zeigte das Spiel am Samstag gegen Crystal Palace.

Es schien wieder eines dieser Spiele zu werden, die Manchester City kurioserweise meistens gegen Palace aber auch gegen Tottenham erlebt: Viel Ballbesitz, viel Kontrolle, aber kein Endprodukt. Die organisierten und konterstarken Gäste aus London dagegen brauchten zwei Standards und zack stand es nach 21 Minuten 0:2. Doch es wurde nicht eines dieser Spiele und das lag an Haaland.

Nachdem Bernardo Silva den Anschluss erzielte, tat der 22-jährige Norweger genau das, wozu er geholt wurde: Er band Gegenspieler und Aufmerksamkeit der Defensive, riss somit Lücken und gab seinen Mitspielern ein Ziel. Vor allem nutze er seinen einzigartigen Mix aus Antizipations- und Antrittsstärke, um die gefährlichen Zonen zu attackieren und abzuschließen: Erst per Kopf nach starker Flanke Phil Fodens, dann hielt er den Fuß hin und zu guter Letzt startete er durch, schirmte den Ball unnachahmlich ab und schob zum 4:2-Endstand ein. Drei Tore in 19 Minuten, alle unterschiedlich und doch allesamt exemplarisch für Haalands Stärken.

Manchester City musste letzte Saison neun Punktverluste hinnehmen. In allen Spielen hatten die Cityzens mehr Ballbesitz und Abschlüsse, nur in einem weniger expected Goals (xG) als der Gegner. Mit Haaland haben sie nun einen Spieler, der dafür sorgen wird, dass die Dominanz auch in Tore umgemünzt wird. Ob er sie selbst schießt oder nicht.

Erling Haaland feiert einen seiner drei Treffer beim 4:2-Erfolg Manchester Citys über Crystal Palace in der Premier League

(Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

 

Manchester United: Ten Hag fängt bei Null an

Nach einem unterirdischen Saisonstart (1:2 gegen Brighton, 0:4 gegen Brentford) bezwang Manchester United vergangene Woche überraschend den FC Liverpool. Die Wende? So weit wollten wir nicht gehen. „Die Reaktion auf die Reaktion, ein Auswärtsspiel gegen den FC Southampton nächste Woche, wird und schon eher zeigen, wo Manchester United steht“, sagten wir beispielsweise letzte Woche.

Die Reaktion auf die Reaktion war der zweite Saisonsieg, ein knapper 1:0-Arbeitssieg gegen Southampton. Und wo steht Manchester United nun? Ziemlich am Anfang. Denn der Auftritt bei den Saints war keinesfalls überzeugend und ziemlich pragmatisch – Southampton hatte 17:11 Abschlüsse und statt gepflegten Aufbauspiel von hinten raus, griff United gerne mal zum langen Holz und zu Kontern. Doch das soll keine Kritik sein. Im Gegenteil.

Ten Hag hat erkannt, dass er über einen teuren und talentierten, allerdings unbalancierten und für seine kurzpass- und pressingorientierte Spielphilosophie nur bedingt kompatiblen Kader verfügt. Darüber hinaus herrscht in und um die Mannschaft Unruhe, ein Cristiano Ronaldo möchte nicht da sein, andere Spieler sitzen Verträge ab oder haben kein Selbstbewusstsein. Viel Arbeit, nicht nur an der Taktiktafel sondern auch in Sachen Moral.

„Wir können über Taktik reden, aber es geht um Einstellung“, sagte ten Hag daher nach dem Sieg gegen United, ein Spiel, in dem er auf viel Laufbereitschaft und Gegenangriffe setzte und daher auch der pressingscheue Ronaldo beispielsweise die Bank drücken musste. Alles im Sinne der Mannschaft. „Jetzt sieht man, dass wir Einstellung auf den Platz bringen, dass es Kommunikation gibt, dass es Kampfgeist gibt und dass es ein Team gibt.“

Das war nun auch der Fokus gegen Southampton und da das Team über genügend individuelle Qualität verfügt, wird das auch zu Punkten und folglich mehr Selbstbewusstsein führen. Das wichtigste aber ist, dass die Basics mit solchen glanzlosen aber kampfintensiven und geschlossenen Auftritten gefestigt werden. Erst dann kann eine neue Spielphilosophie gedeihen. Denn wie auch ten Hag sagt: „Wir sind erst am Anfang unseres Weges.“

Erik ten Hag sieht zu wie die Spieler von Manchester United feiern.

(Photo by Steve Bardens/Getty Images)

Kurzpässe zum vierten Spieltag der Premier League: Arsenal, Chelsea, Tottenham und Aston Villa

Mit dem FC Arsenal ist diese Saison zu rechnen. Die Gunners verpassten letzte Saison nur haarscharf die Champions League, ohne echten Stürmer und adäquate Tiefe für eine Top-Four-Mannschaft. Beides hat sich in diesem Sommer deutlich geändert. Ebenso wie die Mentalität. Arsenal hatte ein leichtes Auftaktprogramm, bewies aber gegen ein unangenehmes Crystal Palace Resilienz und am Wochenende gegen Fulham Comebackqualitäten (2:1). Als einzige Mannschaft der Premier League haben die Gunners nun zwölf Punkte. Der massive Umbruch unter Mikel Arteta, sowohl personell als auch mental, scheint auf der Zielgeraden.

Tottenham ist den Gunners mit zehn Punkten dicht auf den Fersen, gewann am Sonntag mit 2:0 bei Nottingham. Die Ausbeute gibt Antonio Conte recht, doch die Spurs müssen spielerisch schleunigst nachlegen. Sich alleine auf die eiskalten Harry Kane und Heung-min Son zu verlassen, wird nicht immer gut gehen, erst recht gegen qualitativ hochwertigere Gegner.

Raheem Sterling war beim 2:1-Arbeitssieg des FC Chelsea gegen Leicester der Mann des Tages. Seine zwei Treffer waren nicht nur entscheidend sondern könnten für neues Selbstbewusstsein sorgen. Das Offensivspiel der Blues ist noch immer etwas blass, um so wichtiger wird es sein, dass der Neuzugang dynamischer und vor allem effizienter wird.

Weiter unten in der Tabelle bei Aston Villa steigt der Druck auf den einstigen Hoffnungsträger Steven Gerrard. Die Ausbeute (drei Punkte aus vier Spielen) ist enttäuschend, der Fußball noch enttäuschender. Und nun folgen Spiele gegen Tabellenführer Arsenal und Meister Manchester City.

(Photo by OLI SCARFF/AFP via Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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