Premier League: ManUtd lebt, Newcastles Statement, Chelseas Baustellen

Newcastle feiert das 1:0 gegen Manchester City, am Ende trennten sie sich am dritten Spieltag der Premier League mit 3:3.
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Manchester United lebt, Newcastle United setzt gegen Manchester City ein Ausrufezeichen und Chelsea hat noch einige Baustellen. Das und mehr in den Erkenntnissen des 3. Spieltags der Premier League. 



Manchester United lebt – doch wie lange?

1:2 gegen Brighton, 0:4 gegen Brentford. Nein, dass Manchester United gegen den FC Liverpool gewinnt, damit war nun wirklich nicht zu rechnen. So desolat waren die Vorstellungen, besonders vergangene Woche. Genau das ist am Montagabend aber passiert. Die Red Devils zeigten Leben, Kampf und hohe Intensität, gingen den FC Liverpool früh an und kreierten so Stress und Umschaltmomente. Zugegeben: Das (dezimierte) Team von Jürgen Klopp wirkte alles andere als spritzig und sortiert, hat nach drei Spielen erst zwei Punkte auf dem Konto.

Nichtsdestotrotz bekam Erik ten Hag die Reaktion, die er in Sachen Einstellung und Laufbereitschaft forderte. Dazu musste er zunächst reagieren: Der Niederländer traf die unbequemen, aber richtigen Entscheidungen, indem er Kapitän Harry Maguire und Cristiano Ronaldo auf der Bank ließ: Raphael Varane hatte eine beruhigende Wirkung auf die Innenverteidigung und im Angriff tat Marcus Rashford das, was CR7 nunmal nicht macht: Viel laufen und pressen. Der Schlüssel an diesem Tag.

Die Erkenntnis? Erik ten Hag hat den Mut, im Sinne seiner Überzeugung und der Mannschaft zu handeln. Die Entscheidung, Maguire und Ronaldo raus zu nehmen, war unbequem, wäre bei einer Pleite massiv hinterfragt worden, aber sie war richtig. Um nur eine Chance zu haben, bei ManUtd – wo trotz des Überraschungssieges einiges im Argen liegt – etwas zu bewirken, ist das essenziell. Zu einer größeren Erkenntnis langt es noch nicht. Dazu stand Manchester United zu sehr in der Pflicht, irgend eine Reaktion zu zeigen. Dazu ist es zu leicht, sich in einem ausverkauften Old Trafford gegen Liverpool zu motivieren. Und dazu war die Leistung zu pragmatisch (29% Ballbesitz), der Gegner zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Die Reaktion auf die Reaktion, ein Auswärtsspiel gegen den FC Southampton nächste Woche, wird und schon eher zeigen, wo Manchester United steht.

Newcastle ist ernst zu nehmen

Es war ein fantastisches Spiel zwischen Newcastle United und Manchester City (3:3). Und ein Spiel, das uns mehr über die neureichen Magpies als den Meister verriet.

Nachdem Ilkay Gündogan die Cityzens nach fünf Minuten in Führung brachte, sah es für City eigentlich nach dem dritten Sieg im dritten Spiel aus. Um so beeindruckender war die Vorstellung, die Newcastle im Anschluss bot. Das Team von Eddie Howe war nach einer kurzen Schockstarre zwar nicht die kontrollierende – dazu ist City zu eingespielt und zu gut besetzt – aber für den Rest der Halbzeit tatsächlich die bessere Mannschaft.

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Sie attackierte ManCity mit Mut, Überzeugung, viel Intensität und Hirn. Der Matchplan, die Außenverteidigung anzugreifen, erwies sich als Geniestreich. Insbesondere Allan Saint-Maximin bewies, dass er mehr ist als ein FIFA-Ultimate-Team-Cheatcode, bescherte Kyle Walker durch seine Tempodribblings einen der schwersten Arbeitstage seiner Premier-League-Karriere. Saint-Maximins zwei Vorlagen machten aus einem 0:1 ein 2:1, Kieran Trippiers Beckham-esquer Freistoß sogar 3:1.

In der letzten halben Stunde demonstrierte ManCity zwar all seine Erfahrung und individuelle sowie kollektive Klasse, stellte auf 3:3. Es wäre auch nicht verwunderlich gewesen, wenn Pep Guardiolas Team das Spiel komplett zurückgedreht hätte. Und dennoch bleibt vor allem eine Erkenntnis: Newcastle United, nun bei sieben Punkte aus den ersten drei Spielen, ist ein ernstzunehmender Kandidat auf einen der europäischen Plätze.

Nach der vielkritisierten Übernahme hat der Klub nicht planlos mit Geld um sich geworfen, sondern klug und ganz im Sinne von Eddie Howes Spielphilosophie rekrutiert. Keeper Nick Pope, Innenverteidiger Sven Botman, Mittelfelddynamo Bruno Guimarães oder Knipser Callum Wilson bilden eine stabile Achse, um die Howe eine spielfreudige und eifrige Mannschaft gebaut hat, die trotz Rückstand mal eben Manchester City für 40 Minuten mehr als nur Paroli bot. Damit sind sie schon einigen Mittelfeldklubs der Premier League voraus.

Chelsea: Tuchel braucht weitere Spieler

Leeds United verdient für den 3:0-Erfolg über den FC Chelsea jedes erdenkliche Lob. Das hervorragende eingestellte Team von Jesse Marsch lief die Blues an diesem heißen Sonntagmittag schonungslos aber in ausgewählten Momenten an, machte ihnen im Ballbesitz das Leben zur Hölle und schaltete nach Balleroberung hervorragend um. Jack Harrison brillierte als unermüdlicher Taktgeber, präziser Standardschütze und verdiente sich den Treffer zum 3:0. Leeds ist hervorragend gestartet (sieben Punkte) und scheinbar endgültig in der Marsch-Ära angekommen.

Die Schlagzeilen wird dennoch der FC Chelsea erobern. Zu signifikant waren Ergebnis, Vorstellung und Ursachen. Es ist leicht auf den Fehler von Keeper Edouard Mendy zu deuten, der sich vor dem eigenen Tor den Ball abluchsen ließ – das 1:0. Es ist richtig, dass Chelsea auch das 2:0 nach einem Standard besser verteidigen muss. Viel bedenklicher ist allerdings die Erkenntnis, dass die Blues noch erhebliche Baustellen im Spiel nach vorne haben.

Das beginnt in der Innenverteidigung. Hier braucht es einen guten Verteidiger, der es Reece James ermöglichen würde, vorzurücken und seine Torgefahr auf dem rechten Flügel auszuspielen. Im Mittelfeld fehlt es ohne die verletzten N’Golo Kanté und Mateo Kovacic an Dynamik und ohnehin an Zielstrebigkeit. Das größte Problem ist nach dem Abgang von Romelu Lukaku womöglich der Angriff, wo ein Vollstrecker fehlt (Raheem Sterling verpasste eine Großchance zu Beginn). „Wir haben das Spiel in den ersten 20 Minuten verloren, in denen wir klar besser waren und große Chancen hatten“, sagte auch Tuchel.

Das Transferfenster hat noch bis Ende des Monats geöffnet. Bleibt abzuwarten, in wie fern sich der FC Chelsea tatsächlich noch verstärkt. Denn obwohl bereits 200 Millionen Euro ausgegeben wurden, war ein klarer Rekrutierungsplan seit dem Besitzerwechsel schwer zu erkennen: Die Namen sind groß, die Ablösesummen ebenfalls. Die großen Probleme dagegen, wurden bislang kaum gelöst.

Chelsea-Trainer Thomas Tuchel wirkt bedient. Sein Team verlor am 3. Spieltag der Premier League mit 0:3 bei Leeds United.

(Photo by Michael Regan/Getty Images)

Premier League: London dominiert die Kurzpässe zum Spieltag

Harry Kane erzielte am Wochenende sein 185. Premier-League-Tor und hat damit den Ligarekord für die meisten Tore für einen Klub von Sergio Agüero (184 Tore für ManCity) gebrochen. Beim 1:0-Sieg über Wolverhampton war sein Treffer zudem der spielentscheidende. Seine Effizienz könnte wieder der Schlüssel für die Spurs sein, bei denen die Offensive noch nicht so frei fließen will.

Bleiben wir in Nordlondon. Beim FC Arsenal ist nach drei Siegen in drei Spielen Gabriel Jesus (zwei Tore, drei Vorlagen) zwar der Mann der Stunde. Doch es gibt auch andere Spieler, die für Aufsehen sorgen. So auch William Saliba, der nach zwei Leihsaisons endlich bei den Gunners zeigen darf, wieso sie 2019 30 Millionen Euro für ihn ausgaben. Der 21-jährige Innenverteidiger besticht durch Schnelligkeit, Zweikampfgeschick und eine beachtliche Präsenz. Darüber hinaus glänzte er mit einem herrlichen Weitschusstreffer beim 3:0-Erfolg über Bournemouth. Saliba dürfte nicht nur gesetzt sein, er könnte ein absoluter Schlüsselspieler für Mikel Arteta werden.

Weiter im Westen ist Aufsteiger Fulham nach zwei Remis, eins davon gegen Liverpool, und nun einem 3:2-Sieg gegen Brentford gut in der Premier League angekommen. Es ist zwar noch früh, doch das Team von Marco Silva deutet nach zwei Aufstiegen und direkten Wiederabstiegen in Serie an, beim dritten Mal kein Fallobst zu sein. Fulham wirkt, nach einem ruhigerem Sommer als sonst, eingespielt und setzt Silvas Fußball mit viel Intensität und Direktheit derzeit stark um.

(Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Chris McCarthy

Gründer und der Mann für die Insel. Bei Chris dreht sich alles um die Premier League. Wengerball im Herzen, Kick and Rush in den Genen.

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