Deutsche Exportschlager: Wie machen sich Gosens, Götze und Max?

Götze (PSV), Gosens (Atalanta), Max (PSV) Collage
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Spotlight | In dieser Ausgabe unserer Serie „Deutsche Exportschlager“ beleuchten wir heute Robin Gosens, Mario Götze und Philipp Max. Während Gosens bei der EM 2021 auch die Allgemeinheit auf sich aufmerksam machen konnte, machen Götze und Max in der Eredivisie von sich Reden. 

EM 2021: Gosens tritt ins Rampenlicht

„In meiner Dorf­truppe in Rhede war ich ein kleiner Star, aber dort war ich ein Nie­mand.“ Das sind die Worte von Robin Gosens (27). Die Rede ist von dem Probetraining, das er damals in der U19 des BVB absolviert hatte. Dass Gosens alles andere als ein Niemand ist, hat er in den letzten Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Seine jüngsten Leistungen für die deutsche Nationalmannschaft dürften ihn nun auch bei der fußballinteressierten Allgemeinheit in den Fokus gerückt haben.

 

Gosens hat nicht die übliche Vita eines Nationalspielers vorzuweisen. Denn der Außenbahnspieler hat nie in einem Jugendleistungszentrum oder für eine Junioren-Nationalmannschaft gespielt. Dennoch war der Traum des Profidaseins immer da. „Natür­lich hatte ich den Traum im Hin­ter­kopf. Aber ich hatte damit abge­schlossen“, erklärte Gosens 2019 in einem Interview mit 11Freunde. Das „katastrophale“ Probetraining sollte dem Aufstieg des heute 27-Jährigen allerdings nicht im Weg stehen. Bereits wenige Wochen später fiel er einem Scout von Vitesse Arnheim auf.

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Das folgende Probetraining bei der U19 lief ganz anders als das des BVB. „Ich muss dich haben. Unbe­dingt“, soll damals der U19-Trainer von Arnheim nach der Einheit gesagt haben. Von da an nahm die Karriere des Linksfußes Fahrt auf. Für die Profis von Vitesse sollte er allerdings nie eine Partie absolvieren. In der Rückrunde der Saison 2014/2015 wurde Gosens an den FC Dordrecht ausgeliehen, wo er wertvolle Spielpraxis sammeln konnte. Erst dort wurde er zum Linksverteidiger umgeschult, agierte bis dahin oft auf der Sechs oder als Achter.

Gosens: Bundesliga-Wechsel im Hinterkopf

Trotz der neuen Position machte er seine Sache gut. So gut, dass seine Leistungen für den niederländischen Zweitligisten das Interesse von Heracles Almelo erregten, die ihn 2015 für 200.000 Euro von Vitesse loseisten. Nach zwei starken Jahren folgte dann 2017 der nächste Schritt in die Serie A zu Atalanta. Dort explodierte die Entwicklungskurve Gosens förmlich. Seine Rolle im 3-4-1-2-System von Gian Piero Gasperini (63) scheint ihm wie auf den Leib geschnitten zu sein. In seiner ersten Saison etablierte er sich zum Ende der Spielzeit als Stammspieler und ist seitdem nicht mehr aus der Startelf wegzudenken.

Trotz seiner guten Rolle bei Atalanta machte Gosens aber deutlich, dass er durchaus noch einmal woanders spielen könnte. „Ich habe noch nie in Deutsch­land auf hohem Niveau gespielt. Die Bun­des­liga bleibt also mein Traum“, betonte der Linksfuß.  Er stellte allerdings auch klar, dass er nicht nach einem Wechsel strebt. „Ich fühle mich in Ber­gamo zu Hause“, lautete die Liebeserklärung zu Atalanta. Auch und vor allem durch seine Leistung im EM-Spiel gegen Portugal (4:2) hat sich Gosens nun auch in die Notizbücher größerer Vereine gespielt. Sollte er sich irgendwann für einen Wechsel entscheiden, dürfte diese Schlagzeile nicht nur in Lokalzeitungen rund um Rhede zu sehen sein.

Gosens (Atalanta) bejubelt Treffer

Photo: Francesco Scaccianoce / Imago

Götze: Bei Eindhoven zurück zu alter Stärke

„Es ist das komplette Paket“, sagte Mario Götze (29) zu den Gründen für seinen Wechsel zu PSV Eindhoven gegenüber Sky. „Die Fans, der Klub, der Trainer: All das war ausschlaggebend für meine Entscheidung, hierher zu kommen.“ Zudem versprach er „viele Tore, viele Assists“. Dies sollten die PSV-Fans auch bekommen. Unter Trainer Roger Schmidt (54) war Götze vom Start weg eine der Schlüsselfiguren in der Mannschaft. Bei seinem Debüt gegen den PEC Zwolle (3:0) erzielte er direkt seinen ersten Treffer für Eindhoven. Und auch in den nächsten Partien folgten weitere Tore.

„Ich habe sofort gespielt, ich habe getroffen und hatte einen Impact auf die Spiele. Das alles ist sehr zufriedenstellend in den ersten Wochen“, stellte Götze selbst in einem Interview mit Sport1 fest. Insgesamt ist der positive Einfluss des kreativen Kopfes nicht von der Hand zu weisen. Zuletzt glänzte Götze in der Champions-League-Qualifikation gegen Galatasaray. Beim 5:1 über Gala erzielte der Offensivakteur zwei Treffer. Götze scheint die Freude am Fußball wiedergefunden zu haben.

Nach seinem Siegtor im WM-Finale 2014 war es offensichtlich keine leichte Zeit für den Rechtsfuß. Der Treffer gegen Argentinien schien mehr Last denn Push zu sein. Die Welt schaute auf Götze. Beim FC Bayern München war er kein unumstrittener Stammspieler, kam oft nur von der Bank. Seine Rückkehr nach Dortmund 2016 sollte auch nur von mäßigem Erfolg geprägt sein. Schließlich folgte 2020 der Wechsel zu Eindhoven, wo er unumstritten ist.

Götze (PSV) im Dribbling

Photo: HMB Media/ Imago

Gesamtpaket Eindhoven lässt Götze aufblühen

„Ich stehe wieder regelmäßig auf dem Platz, spiele international und habe einen Trainer, der mir vertraut. Das macht mich als Fußballer sehr glücklich“, erklärte der mittlerweile 29-Jährige gegenüber Sport1. Und auch die privaten Umstände tragen Sorge für Götzes gute Laune. „Das alles plus meine familiäre Situation, meine Partnerin und mein Sohn, diese Kombination spiegelt mich derzeit wider. (…) Auf einmal ist alles andere egal und es wird einem klar, dass es wichtigere Themen als Fußball gibt. Da hat ein Prozess in mir stattgefunden, der mich lockerer auf den Fußball schauen lässt“, so Götze über die Geburt seines Sohnes.

Leistungstechnisch lieferte der ehemalige Dortmunder ab. In 18 Ligapartien war er an elf Toren direkt beteiligt (fünf Treffer, sechs Assists) und maßgeblich für den guten zweiten Platz in der Eredivisie verantwortlich. Das Ziel für die neue Saison ist zweifelsohne der Titel. Götze wird dabei von einem anderen deutschen Spieler, der in der Niederlande für Furore sorgt, unterstützt.

Empfiehlt sich Max über Eindhoven für größere Aufgaben?

Dieser Profi hört auf den Namen Philipp Max (27). Über seinen Teamkollegen Götze hatte Max nur lobende Worte übrig. „Er bringt uns auf ein anderes Level“, sagte er in einem Interview mit dem kicker. Wie Götze ging auch Max im Sommer 2020 den unorthodoxen Weg in die Eredivisie. Aufgrund starker Leistungen hatten viele Experten den Linksverteidiger auch als potentiellen Kandidaten für die EM 2021 auf dem Zettel. Letztlich wurde es aber nichts, vielleicht auch aufgrund von Löws System mit Dreierkette. „Jetzt ist das Ziel wieder da, noch eine bessere Saison zu spielen und sich wieder anzubieten“, gab sich der 27-Jährige in einem Interview mit web.de kämpferisch.

Für PSV war Max in der abgelaufenen Saison der Dauerbrenner, stand wettbewerbsübergreifend in 44 Partien auf dem Platz. Vereinsintern war Max mit zwölf Assists Top-Vorlagengeber und mit insgesamt 18 Torbeteiligungen (sechs Tore, zwölf Assists) unter den besten drei Scorern im Team. Der ominöse „nächste Schritt“ ist dem Linksfuß gelungen. Max wird mit Eindhoven in dieser Saison sogar international mitmischen. In der 3. Runde der Champions-League-Qualifikation wird sich gegen den dänischen Vertreter FC Midtjylland entscheiden, ob es die Europa League oder die Königsklasse wird.

Max (PSV), Jesse Tamunobaraboye Sekidika (Galatasaray) im Zweikampf

Photo: VI ANP Sport
ANP IV / Imago

Wie in vielen Spielen in der Eredivisie wird Eindhoven auch in diese Duelle als Favorit gehen. „Das ist eine geile Situation und ein wichtiger Entwicklungsschritt in meiner Karriere.“, sagte Max gegenüber Sport1. „Es ist gut, diese Seite kennenzulernen und nicht immer nur tief zu stehen und auf Konter zu spielen, sondern selbst die Initiative zu ergreifen.“ Damit spielt er auf seine Zeit beim FC Augsburg an, wo man zumeist als Underdog in die Spiele ging.

Rückkehr in die Bundesliga?

Insgesamt fünf Jahre lang trug Max das Trikot der Fuggerstädter, entwickelte sich dort zu einem der besten Linksverteidiger der Bundesliga. Angeblich wurde unter anderem Borussia Dortmund Interesse am deutschen Nationalspieler nachgesagt, daher überraschte der Wechsel nach Eindhoven auf den ersten Blick. Auch wenn ein Wechsel zum BVB nicht zustande kam, könnte die Zukunft des Linksverteidigers trotzdem in der Bundesliga liegen. Max selbst machte keinen Hehl daraus. „Irgendwann möchte ich zurück in der Bundesliga sein und meine Karriere dort ausklingen lassen“, offenbarte er.

Allerdings trägt die Entscheidung, zu Eindhoven zu wechseln, nun Früchte. „Vergangene Saison sind wir Zweiter geworden – wenn man besser werden will, bleibt nur noch ein Ziel: Erster zu werden“, betonte Max. „Und dann, wenn’s geht, natürlich auch den Titel gewinnen!“ Und wer weiß, vielleicht sehen wir Götze, Gosens und Max eines Tages noch einmal in der Bundesliga.

Photo by Imago

Sarom Siebenhaar

Die Oranje-Connection entfachte seine Leidenschaft für den HSV. Durch zahlreiche Tiefen schmecken die vereinzelten Höhen umso süßer. Schätzt attraktiven Offensivfußball genauso wie kämpferische Höchstleistungen. Internationaler Top-Fußball findet sich nicht nur in den Big Five. Seit 2021 bei 90PLUS.

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