Serie A | Inter und die doppelt historische Meisterschaft

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Spotlight | Am gestrigen Sonntag endete eine Ära im italienischen Fußball. Erstmals seit zehn Jahren gewann eine andere Mannschaft als Juventus die Serie A. Antonio Conte führte Inter zum 19. Meistertitel, der für sie gleich doppelt historisch ist.

Serie A: Conte hat’s gegeben, Conte hat’s genommen – Inter zum 19. Mal Meister

„Wir haben eine Herrschaft gestürzt, die neun Jahre hielt“, frohlockte Antonio Conte (51) nach dem feststehenden Meistertitel für Inter. Zum ersten Mal seit 2011 wurde wieder eine andere Mannschaft als Juventus Meister, damals war es Milan. Seitdem ging der Titel nahezu abbonementmäßig in den Piemont. Bis zu diesem Jahr.

Dass außgerechnet Conte diese Worte äußerte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. War er doch derjenige der jene „Herrschaft“ mit drei Scudetti in Folge zwischen 2012 und 2014 startete, bevor es ihn zur italienischen Nationalmannschaft zog.

Nun gewann Conte seinen vierten. Und wie es sich für Inter gehört, in pragmatischstmöglichem Stil. Zwar war der Saisonstart für Inter und Conte mit eher durchwachsen und es sah danach aus, als würde der Scudetto zwar nach Milan gehen, aber zu AC und nicht Inter. Am 22. Spieltag übernahmen sie dann mit einem 3:1 gegen Lazio die Tabellenführung, die sie nun sicher ins Ziel brachten.

 

 

Maßgeblich dafür verantwortlich war das 3.5-2, das Conte seiner Mannschaft auf den Leib geschneidert hat. Hinten halten Alessandro Bastoni (22), Stefan De Vrij (29) und Milan Skriniar (26) den Laden dicht. Marcelo Brozovic (28) und Nicolò Barella (24) sorgen für Stabilität wie Kreativität im Mittelfeld und setzen das Sturmduo aus Lautaro Martínez (23) sowie Romelu Lukaku (27) in Szene.

Besonders der Belgier befindet sich in der Form seines Lebens. Mit 21 Treffern liegt er nur hinter Cristiano Ronaldo (36/27 Tore). Zudem ist er – und das ist für einen Stürmer durchaus nicht alltäglich – neben Ruslan Malinovskiy (27/Atalanta) sowie Juan Cuadrado (32/Juventus) mit zehn Assists führender Vorlagengeber der Serie A.

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Inter doppelt historisch – aber reicht das für Contes Verbleib?

So darf Inter den ersten Meistertitel seit 2010 bejubeln. Jenem Jahr, in dem sie unter José Mourinho (58) sogar das Triple feierten. Danach allerdings verschwanden sie für Jahre in den Niederungen des Tabellenmittelfelds, verschlissen sagenhafte zehn Trainer und kannten zwischen 2012 und 2019 die Champions League nur vom Hörensagen.

Schon die Rückkehr in die Königsklasse 2018 sorgte für große Freude unter den Tifosi, der Scudetto dürfte es umso mehr tun. Damit haben sie nicht nur der Serie ihres Erzrivalen Juventus, den man besonders unter Inter-Anhängern als „Rubentus“ (vom italienischen rubare „stehlen“) kennt, beendet. Mit ihrem 19. Meistertitel sind sie nun auch an Stadtrivale AC Milan vorbeigezogen und nun alleiniger Zweiter in der ewigen Rangliste. Dieser Triumph soll nun gebührend gefeiert werden. Die Fans versprachen „ein Fest, das es so noch nie gab. Wir werden Milano auch vom Himmel in Schwarz und Blau tünchen.“

Copyright: Claudio Furlan/LaPresse/imago

Die Frage ist nun, ob Inter dieses Level aufrechterhalten kann, wie sie es schon Mitte der Zweitausender taten, als sie infolge des Calciopoli-Skandals und des daraus resultierenden Zwangsabstieg Juventus‘ fünfmal in Folge Meister wurden. Dafür wäre es nicht von Nachteil, wenn Antonio Conte gehalten werden könnte. Maßgeblich dafür wird sein, wie groß das Transferbudget ausfällt. Auch an Suning, den Besitzern des Klubs unter der Leitung von Präsident Steven Zhang (29), geht die Pandemie nicht spurlos vorbei. So wurden die Spieler bereits gebeten, auf ihren Meisterbonus zu verzichten. Ein Gespräch zwischen Conte und Zhang steht noch an. Wie wichtig ihm gerade diese Thematik ist, verriet Conte schon bei seinem Abgang von Juventus 2014. „Man kann nicht mit zehn Euro in der Tasche ein Sterne-Restaurant betreten“, gab er damals leicht resigniert zu Kenntnis.

Besonders in puncto Champions League dürfte der ein oder andere Top-Transfer sicherlich hilfreich sein. Zwar führte Conte Inter 2020 schon in das Finale der Europa League. Dort mussten sie sich allerdings nach rasanten 90 Minuten dem FC Sevilla 2:3 geschlagen geben. Sollten sie nun auch anfangen, sich international wieder zu etablieren, würde beim nächsten Mal die Party größer ausfallen, als ohnehin schon.

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Victor Catalina

 

 

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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