Drei Tage Werben in Barcelona, ein aufgestocktes Budget, der Wunschtrainer zum Greifen nah – und am Ende ein Nein. Pep Guardiola wird nicht italienischer Nationaltrainer. Für die Azzurri beginnt die Suche damit wieder bei null.
Es ist die Absage, die der italienische Verband am wenigsten gebrauchen konnte. Technikdirektor Paolo Maldini und Berater Leonardo hatten den Katalanen in seiner Wahlheimat umworben, laut Sky Sport Italia fast drei Tage lang. In der Nacht zum Freitag kam die Antwort – und sie fiel gegen Italien aus.
Die Vorgeschichte ist ein Trümmerfeld
Um zu verstehen, warum der Verband so hoch pokerte, muss man die Ausgangslage sehen – und die korrigiert gleich ein verbreitetes Missverständnis. Italien hat bei dieser WM nicht enttäuscht. Italien war nicht dabei. Zum dritten Mal in Folge scheiterte der viermalige Weltmeister in der Qualifikation, diesmal im Playoff-Finale gegen Bosnien-Herzegowina. Das letzte WM-Spiel der Squadra Azzurra datiert aus dem Jahr 2014.
Die Konsequenzen waren radikal. Nationaltrainer Gennaro Gattuso, Sportdirektor Gianluigi Buffon und Verbandspräsident Gabriele Gravina räumten ihre Posten. Der neue Verbandschef Giovanni Malagò installierte Maldini als Technischen Direktor – mit einem einzigen Auftrag: einen Trainer finden, der diesen Namen verdient. Die ursprünglichen Gespräche in Barcelona waren der Versuch, genau das mit einem Paukenschlag zu erledigen.
Warum Pep absagte
Guardiola hatte Manchester City nach zehn Jahren und rund zwanzig Titeln verlassen und ein Sabbatjahr angekündigt. Genau daran scheiterte der Coup. Der 55-Jährige will nach eigenen Worten entdecken, was jenseits des Fußballs liegt, und mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Ein Mann, der nächste Woche einen Nationaltrainer-Vertrag unterschreibt, klingt anders.
Dabei hätte die Geschichte einen schönen Bogen gehabt. Als Spieler trug Guardiola die Trikots von Brescia und der AS Rom; als Coach wäre er der erste ausländische Nationaltrainer Italiens seit dem Ungarn Lajos Czeizler gewesen, dessen Amtszeit 1954 endete. Es blieb bei der Fußnote, die nie geschrieben wurde.
Wer rettet jetzt die Azzurri?
Der Verband fuhr von Anfang an zweigleisig, und der zweite Gang heißt nun Hauptplan. Roberto Mancini, der Italien 2021 zum EM-Titel führte, und Andrea Pirlo gelten als Favoriten. Malagò ließ zugleich durchblicken, dass auf seiner Liste nicht nur diese beiden Namen stehen: „Vielleicht wird es eine Überraschung geben.“
| Kandidat | Wofür er steht | Das Risiko |
|---|---|---|
| Roberto Mancini | EM-Titel 2021, kennt Verband und Land | Ging 2023 nach Saudi-Arabien – die Vertrauensfrage bleibt |
| Andrea Pirlo | Weltmeister 2006, großer Name | Als Trainer bei Juventus und Sampdoria gescheitert |
| Die „Überraschung“ | Malagòs offen gehaltene Option | Reines Rätselraten – kostet weitere Zeit |
Ein großer Name repariert keine Quali
Denn Italiens Krise sitzt tiefer als auf der Trainerbank. Wer dreimal nacheinander an der WM-Qualifikation scheitert, hat kein Namensproblem, sondern ein strukturelles. Guardiola hätte dem Land ein Signal gegeben, so wie es Klopp dem DFB gab – ein Versprechen, keine Garantie. Nun bekommt Italien vermutlich Mancini oder Pirlo, und im September warten mit Frankreich und Belgien bereits Gegner, die keine Rücksicht auf Neuanfänge nehmen. Der prominenteste Trainer der Welt hätte die Azzurri nicht jünger, schneller oder tiefer aufgestellt gemacht. Er hätte nur besser ausgesehen dabei. Vielleicht ist die Absage für Italien am Ende die ehrlichere Lektion.

