CL-Vorschau Gruppe C: FC Bayern, Barcelona, Inter, Viktoria Plzeň

Champions League FC Bayern
Vorschau

Vorschau | FC Bayern, FC Barcelona, Inter Milan, Viktoria Plzeň. So liest sich die Gruppe C der Champions-League-Saison 2022/23. Am 6. September geht es in medias res. Zeit, auf die Konstellationen zu schauen. 

FC Bayern: Wie ein Treffer den Münchener Jugendstil ins Rollen brachte

Leon Goretzka fuhr sich frustriert durch die Haare, Kingsley Coman schlug die Hände über dem Kopf zusammen. In der Allianz Arena herrschte Schockstarre. Am 12. April dieses Jahres, um 22:47 Uhr erlebte München einen Moment, „der hier alle lähmt“. So fasste Kommentator Jonas Friedrich den Treffer von Samu Chukwueze bei Amazon Prime Video Sport zusammen. Auch Julian Nagelsmann ließ sich nach Abpfiff in seinen Sitz zurückfallen und nahm einen großen Schluck aus der Wasserflasche.

 



 

Der FC Bayern war im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden. Mal wieder. Bereits im Herbst kam man nicht über die zweite Pokalrunde hinaus. Mal wieder. Und mal wieder sollte der Marienplatz am Saisonende „nur“ die Meisterschale zu sehen bekommen. Dreimal Viertelfinale, einmal Halbfinale, einmal der Titel. So lautet die Bilanz des Rekordmeisters der letzten fünf Saisons in der Königsklasse. Eine deutliche Abwärtstendenz zu der Zeit zwischen 2011/12 und 2015/16, als man jedes Mal mindestens das Halbfinale erreichte, zweimal im Endspiel stand und dieses 2013 gewann. Zu allem Übel passierte nun etwas, was dem FC Bayern äußerst selten unterläuft: Man zog mit Villarreal gegen einen klaren Außenseiter den Kürzeren und musste zusehen, wie, beispielsweise, Liverpool sein drittes Finale in den letzten fünf Saisons bestritt. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war auf dem Tiefpunkt. Robert Lewandowski machte keinen Hehl aus seinen Abwanderungsgedanken. Auch Niklas Süle wollte den Verein verlassen – im besten Fußballeralter, zum größten Rivalen und ablösefrei.

Gruppe als optimaler Härtetest für den „neuen“ FC Bayern

Kurz nach Ende der Saison schien es, als könne auch die nationale Konkurrenz näher an den FC Bayern heranrücken. Dass an der Säbener Straße alles auf den Prüfstand gestellt wurde, war die logische Konsequenz. Dabei heraus kam ein, man muss es so sagen, Meisterwerk von einem Transferfenster. Nicht nur gelang es Hasan Salihamidžić und seinem Team mit Sadio Mané (€32 Millionen), Matthijs de Ligt (€67 Millionen), Ryan Gravenberch (€18,50 Millionen), Noussair Mazraoui (ablösefrei) sowie Mathys Tel (€20 Millionen) 100 Prozent der anvisierten Profile zu verpflichten. Man tat es weit kostengünstiger, als anfangs kolportiert. Schaut man sich an, für welche Preise Deals dieser Tage in London oder Manchester über die Bühne gehen, wäre man fast geneigt, auch 67 Millionen als Schnäppchen zu bezeichnen.

Die Münchener wissen, dass es Vereine gibt, die ihnen finanziell überlegen sind. Daher wollen sie sich erst gar nicht auf ein Wettbieten einlassen, sondern die einzelnen, vornehmlich jungen, Spieler vom eigenen Projekt überzeugen. So wie im Fall von de Ligt, als Chelsea versuchte, sich zuerst mit Juventus und dann mit der Spielerseite zu einigen. Bei Mathys Tel erahnte man bereits, dass sein Marktwert in den kommenden Jahren explodieren könnte. Deshalb wollte man ihn verpflichten, solange er international noch unter dem Radar fliegt. Im Fall von Robert Lewandowski war von Beginn an klar, dass es nur wenige Stürmer gibt, die den Polen gleichwertig ersetzen können. Im Grunde genommen fängt die Liste mit Erling an und hört bei Haaland auf. Als klar war, dass es den Dortmunder zu Manchester City zog, suchte man erst gar nicht nach einer 1B-Lösung, sondern probierte mit Sadio Mané ein neues System – das bislang Früchte trägt.

FC Bayern Champions League

Photo by INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Auf der Abgangsseite knackten die Münchener mit 104,40 Millionen Euro diese Saison nicht nur erstmals in der Vereinsgeschichte die 100-Millionen-Marke. Man konnte sämtliche Spieler gewinnbringend transferieren, die sich über die vergangenen Jahre im Kader nicht durchzusetzen vermochten. Bei solchen, in denen der Verein noch Entwicklungspotential sieht, darunter Tanguy Nianzou (€16 Millionen, Sevilla FC) oder Joshua Zirkzee (€8,50 Millionen, Bologna FC) ließ man sich allerlei Klauseln in den Vertrag einbauen, um sie entweder zurückholen zu können oder bei einem Weiterverkauf kräftig mitzuverdienen. Vielversprechende Talente wie Malik Tillman (Rangers FC) und Gabriel Vidović (Vitesse Arnhem) wurden zu Vereinen verliehen, bei denen sie nicht nur die Spielpraxis bekommen, die sie verdienen und für ihre Entwicklung brauchen, sondern auch regelmäßig in Europa vertreten sind. Sogar für die ewigen Leihkandidaten Adrian Fein (Excelsior Rotterdam, ablösefrei) und Lukas Mai (1,60 Millionen, FC Lugano) fanden sich Abnehmer. Zudem blieb man in den Verhandlungen um Robert Lewandowski so lange beharrlich, bis der FC Barcelona sämtliche Transferbedingungen der Münchener akzeptierte.

Verrechnet man alle Transfers dieses Sommers, kommt man auf ein überschaubares Minus von 33,10 Millionen Euro. Dass fünf Spieler, vor allem jüngere, gewisse Zeit brauchen, um sich einzufinden, ist völlig normal. Bereits nach vier Bundesligapartien zeigt sich jedoch, dass der Kader intakt ist, sportlich wie als Gruppe. Im Anschluss an das 7:0 in Bochum lobte Julian Nagelsmann die „positive Energie“, die der Kader ausstrahle, wie sehr jeder jedem alles gönne und dass gerade das letzte Saison nicht so gewesen sei. Auch das 1:1 gegen Borussia Mönchengladbach vergangenen Samstag war – trotz des Punktverlustes – spielerisch ein Fortschritt. „Wenn die Bayern in jedem Spiel so spielen, wie gegen Borussia Mönchengladbach, dann wird das der größte Start-Ziel-Sieg der letzten 15 Jahre“, schreibt Lothar Matthäus in seiner Sky-Kolumne So sehe ich das. Dieses Spiel mache keine Hoffnung auf eine spannende Meisterschaft, sondern sei eher eine Drohung, dass die Bayern mit einem noch nie dagewesenen Abstand Meister werden.

Wie vergangene Saison zu sehen war, liegen die Ziele des Rekordmeisters ohnehin woanders: In der Geschichte der Champions League konnte nur Real Madrid mehr Punkte sammeln, als der FC Bayern. Lediglich einen Triumph ist man noch entfernt, dass auch nach Titeln kenntlich zu machen. Davor steht jedoch eine Gruppe mit Vorjahresgegner FC Barcelona, Inter sowie Viktoria Plzeň. 17 der letzten 18 Gruppenspiele konnten die Münchener gewinnen. Die Ausnahme bildete ein 1:1 bei Atlético Madrid am 5. Spieltag 2020/21, als man bereits Gruppensieger war und mit einer C-Elf antrat. Letzte Auswärtsniederlage in der Gruppe: 27. September 2017, 0:3 bei Paris Saint-Germain. Für die letzte Heimniederlage muss man sogar bis zum 10. Dezember 2013 zurückgehen. Damals gab es ein 2:3 gegen Manchester City. Wenn die aktuelle Spielweise den FC Bayern nicht zum Favoriten in der Gruppe macht, dann spätestens diese Statistiken.

Nur ist das mit dem Favoritenstatus immer etwas, das es auf dem Platz nachzuweisen gilt. Gerade hier müssen die Münchener dem Mythos, dass ihre Saison erst im März oder April wirklich beginnt, entgegenwirken. Dass sie wieder die volle Punktzahl holen, ist möglich, wenngleich unwahrscheinlich. Vielmehr ist diese Gruppe der optimale Härtetest für Julian Nagelsmann, das neue Münchener 4-2-2-2 und die über den Sommer gewonnene Kaderbreite. Man muss davon ausgehen, dass der FC Barcelona sein Heimspiel gegen Viktoria Plzeň nicht allzu hoch verlieren wird. Daher wäre es aus Sicht des FC Bayern eminent wichtig, ebenfalls mit einem Erfolg im San Siro zu starten, um in der Lage zu sein, am 2. Spieltag die Tabellenspitze zu übernehmen. Die Münchener müssen zu jedem Zeitpunkt komplett fokussiert sein und dürfen sich in dieser Gruppe noch weniger Fehler erlauben, als ohnehin. Die Konstellation erinnert ein wenig an die Gruppe F 2013/14 mit Borussia Dortmund, Arsenal, der SSC Napoli und Olympique Marseille. Der BVB unterlag Napoli zum Auftakt 1:2 und wurde so erst am 6. Spieltag über die Tordifferenz Gruppensieger, weil sie, Arsenal und Napoli allesamt auf zwölf Punkte kamen.

Im Fokus: Jamal Musiala

Der vielleicht größte Gewinner von Bayerns Systemumstellung. Performte zwar auch als Kaderspieler im 4-2-3-1 der vergangenen Jahre. Jedoch schien vor allem sein offensives Talent auf der Sechs verschwendet. Für einen reinen Flügelspieler ist er zudem zentral zu stark. Die Position als linker Zehner im 4-2-2-2 ist daher wie für ihn gemacht. Musiala kann entweder aus der Tiefe heraus inszenieren oder im Strafraum mit seiner extrem engen Ballführung und den Fähigkeiten in jenen Räumen auflegen, beziehungsweise selbst Tore erzielen.

Bereits mit 19 Jahren ist Musiala nicht aus der Startformation wegzudenken. Fünf Tore und zwei Assists in drei Startelfeinsätzen zeigen, welchen Unterschied er – selbst auf diesem Niveau – macht. Es ist kein Zufall, dass er den Code hatte, um den Gladbacher Tresor vergangenen Samstag zu knacken. Momentan der Genius in einem Team voller Hochbegabter.

FC Barcelona setzt alle Hebel in Bewegung

Es war ein ereignisreicher Sommer für den FC Barcelona. Wie der FC Bayern hatten auch sie etwas gutzumachen. Erstmals seit der Saison 2000/01 kamen die Katalanen nicht über die Gruppenphase der Champions League hinaus. Aufgrund eines 0:3 in München ging es in die Europa League, wo nach zwei Auswärtsspielen gegen Eintracht Frankfurt (1:1, 2:3) endgültig Schluss war.

Analog zum FC Bayern suchte auch der FC Barcelona sein Glück auf dem Transfermarkt. Im Gegensatz zu den Münchenern stecken die Katalanen allerdings rund 1,3 Milliarden Euro im Minus und müssen zeitgleich auch noch die Gehaltsvorgaben La Ligas erfüllen. Dass es den Vereinsoberen um Präsident Joan Laporta und Mateu Alemany gelungen ist, Spieler die aus den verschiedensten Gründen keine Zukunft im Klub haben, darunter Philippe Coutinho, Antoine Griezmann, Clément Lenglet, Óscar Mingueza, Riqui Puig oder Samuel Umtiti zu veräußern, darf durchaus als cleveres Business verstanden werden.

Allerdings sind die Einnahmen, die man daraus generieren konnte, äußerst überschaubar. 20 Millionen Euro gab es von Aston Villa für Coutinho, 14 Millionen überwies Chelsea für Pierre-Emerick Aubameyang, drei Millionen war Celta de Vigo Mingueza wert und weitere drei Millionen bezahlte Sporting CP als Leihgebühr für Francisco Trincão. Alle anderen Spieler verließen den Verein entweder ablösefrei oder wurden ausgeliehen. Daher hat Laporta diesen Sommer die Fußballwelt um eine Vokabel erweitert: palancas, levers, Hebel. Wann immer es finanziell eng zu werden drohte, legte Laporta Hebel um, wie einst Dr. Frankenstein und ließ den Klub Anteile verkaufen.

Kurzfristiger Erfolg statt ökonomischem Wachstum

Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Der FC Barcelona setzt mit seiner Strategie alles auf den kurzfristigen Erfolg, um mit eventuellen Einnahmen den eigenen Schuldenberg weiter zu tilgen. Einen ökonomischen Abbau, der mehrere Jahre dauern würde, aber zulasten des Erfolgs geht, will sich der Verein qua Selbstverständlichkeit nicht leisten. Barcelona muss immer um die großen Titel mitspielen.

Also, Kreditkarte raus und ab auf Shoppingtour: Robert Lewandowski (€45 Millionen, FC Bayern), Jules Koundé (€50 Millionen, Sevilla FC), Raphinha (€58 Millionen, Leeds United), Franck Kessié (ablösefrei, AC Milan), Andreas Christensen (ablösefrei, Chelsea FC) und Héctor Bellerín (ablösefrei, Arsenal FC) kamen über den Sommer neu dazu. Zuletzt sogar noch Marcos Alonso.

Mit viel Ach und noch mehr Krach gelang es den Katalanen, alle Spieler rechtzeitig bei La Liga registrieren zu lassen. Nun liegt der Druck bei Xavi, mit dieser Mannschaft auch den gewünschten Erfolg einzufahren. Viertelfinale, Viertelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Viertelfinale, Achtelfinale, Gruppenphase. So liest sich die Ausbeute seit dem letzten Titelgewinn 2015.

FC Barcelona Champions League

Photo by Alex Caparros/Getty Images

Die ersten Partien lassen sich vielversprechend an. Zwar verlief der Saisoneinstand mit einem 0:0 gegen Rayo Vallecano eher enttäuschend. Darauf ließ Barcelona jedoch ein 4:1 bei Real Sociedad sowie ein 4:0 gegen Real Valladolid folgen. Ergibt in der Tabelle Platz 3, hinter den noch verlustpunktfreien Real Madrid und Real Betis. Beide treffen dieses Wochenende aufeinander, sodass Barcelona mit einem Sieg im Ramón Sánchez Pizjuán zu Sevilla an mindestens einem der Teams vorbeiziehen könnte.

Besonders die Offensive machte in den ersten Partien einen vielversprechenden Eindruck – und damit ist ausdrücklich nicht nur Robert Lewandowski gemeint. Ousmane Dembélé und Ansu Fati stehen nach drei Partien bei drei Scorern, Pedri traf gegen Real Valladolid zum zwischenzeitlichen 2:0. Zudem konnte der Verein die Lücke auf den Außenverteidigerpositionen schließen. Héctor Bellerín bringt viel Erfahrung mit. Alex Baldé verdrängte fürs Erste Jordi Alba – und legte Lewandowski bei Real Sociedad sein Debüttor auf. Für die Defensive ist ein Gegentor nach drei Partien mehr als solide, wenngleich die ganz großen Prüfungen noch kommen werden.

Den Auftakt in die Champions League macht Barcelona gegen Viktoria Plzeň. Ein must-win für die Katalanen. Sollten sie patzen, stehen sie am kommenden Spieltag in München direkt unter Druck. Bereits in der Vorsaison startete man mit zwei 0:3-Niederlagen gegen den FC Bayern sowie bei Benfica und lief der Musik von Beginn an hinterher.

Für Xavi ist es die erste richtige Champions-League-Saison als Trainer. In der vergangenen Spielzeit durfte er an den letzten beiden Spieltagen ran, versuchte zu retten, was noch zu retten war. Letztendlich lief er aber in eine Konstellation hinein, die dem frisch umgebauten FC Barcelona einen Sieg in München abverlangte, was gegen den formstarken FC Bayern und mit den eigenen Mitteln nicht machbar war.

Im Fokus: Robert Lewandowski

Dort steht er sowieso immer und fühlt sich auch am wohlsten. Für 45 Millionen Euro kam Robert Lewandowski aus München und soll den FC Barcelona vor allem international wieder konkurrenzfähig machen. Gleichzeitig war seine Verpflichtung auch ein Zeichen nach außen: Seht her, auch wenn wir in den letzten Jahren weit weg vom Titel waren und einen erdrückenden Schuldenberg haben, sind wir noch immer in der Lage, die weltbesten Spieler anzulocken.

Viel Anlaufzeit brauchte Lewandowski in La Liga nicht. Gerade einmal 90 Minuten und 46 Sekunden, um genau zu sein. Nach dem 0:0 gegen Rayo Vallecano war in der Reale Arena noch keine Minute gespielt, als der Pole eine Schussflanke von Alex Baldé über die Linie drückte. In der zweiten Hälfte erhöhte Lewandowski noch auf 1:3. Beim 4:0 gegen Real Valladolid war er nach einer Raphinha-Flanke zur Stelle und versenkte in der zweiten Hälfte artistisch per Hacke durch die Beine von Gegenspieler Joaquín zum 3:0. Macht vier Treffer nach drei Partien. Einzig Radamel Falcao erwischte 2011/12 mit fünf Treffern in seinen ersten drei Spielen für Atlético Madrid einen noch besseren Start. Jetzt gilt es für ihn nur noch, diese Form auch in die Champions League zu übertragen.

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Inter: Langsam, aber sicher den Anschluss finden

Sieben Jahre lang waren die Nerazzurri komplett weg aus der Champions League. Nun arbeiten sie sich immer mehr an das europäische Spitzenniveau heran. 2018/19 und 2019/20 reichte es in der Gruppe jeweils zu Platz 3. In letztgenannter Saison gelang Inter sogar der Sprung ins Europa-League-Finale, das man allerdings gegen den Sevilla FC 2:3 verlor. 2020/21 wurde man hinter Real Madrid, Borussia Mönchengladbach sowie Shakhtar Donezk Letzter, bevor in der vergangenen Saison als Zweiter hinter Real Madrid erstmals seit 2011/12 wieder der Einzig in die K.O.-Runde gelang.

Zwar machte man dort gegen den Liverpool FC zwei ansprechende Spiele, konnte dank des Treffers von Lautaro Martínez sogar in Anfield gewinnen. Da man das Hinspiel jedoch 0:2 verlor, waren es Jürgen Klopp und die Seinen, die ins Viertelfinale einzogen.

Inter Milan Champions League

Photo by ISABELLA BONOTTO/AFP via Getty Images

Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung, die der Verein in den letzten Jahren genommen hat, durchweg positiv. Unter Antonio Conte gelang es, Juventus‘ neunjährige Meisterserie zu beenden – die er selbst 2012 ins Rollen brachte. Als Conte den Verein verließ, verpflichtete Inter mit Simone Inzaghi den perfekten Nachfolger. Wie Conte lässt auch er im 3-5-2 spielen. Als Ertrag fielen – jeweils gegen Juventus – die Supercoppa (2:1 n.V.) sowie die Coppa Italia (4:2 n.V.) vom Baum. In der Liga musste man Stadtrivale Milan den Vortritt lassen.

Leistungsträger bleiben, Altbekannte kommen zurück

Die aktuelle Spielzeit lässt sich durchaus vielversprechend an. Drei Siege gab es aus den ersten vier Partien. Lediglich bei Simone Inzaghis Ex-Klub Lazio erlaubte man sich einen Patzer in Form eines 1:3. Am heutigen Samstag um 18:00 Uhr ist Derbytime, bevor Inter den FC Bayern zum Champions-League-Auftakt empfängt. Anders als die Münchener und der FC Barcelona können die Nerazzurri die Saison etwas lockerer angehen lassen. Eine eventuelle Niederlage gegen den FC Bayern ließe sich mit einem Sieg gegen Viktoria Plzeň wettmachen, bevor die beiden Partien gegen Barcelona anstehen.

Über den Sommer konnte Inter Joaquín Correa fest von Lazio verpflichten. Zudem kehrte Romelu Lukaku leihweise von Chelsea zurück. Mit André Onana hat man einen Konkurrenten/potentiellen Nachfolger für den bereits 38-jährigen Samir Handanovič verpflichtet. Francesco Acerbi und Raoul Bellanova sind zusätzliche Optionen für die Defensive und mit Henrikh Mkhitaryan kommt ein Schuss Kreativität ins Mittelfeld. Bis auf Ivan Perišić (Tottenham, ablösefrei), Alexis Sánchez (Olympique Marseille, ablösefrei) sowie Arturo Vidal (CR Flamengo, ablösefrei) musste man auch keine größeren Abgänge hinnehmen. Dass man trotz heftiger Avancen seitens Paris Saint-Germain Milan Škriniar halten konnte, darf ebenfalls als Gewinn verbucht werden.

Im Fokus: Romelu Lukaku

Der verlorene Sohn ist wieder da. Nach einer persönlich eher unbefriedigend verlaufenden Saison 2021/22 kehrt Romelu Lukaku – zumindest leihweise – zu Inter zurück. Bereits im Vorfeld hatte er in zahlreichen Interviews durchklingen lassen, wie sehr er seine Zeit in Italien schätzt.

Fakt ist, dass er 2020/21 eine Saison hingelegt hat, die das Prädikat „Weltklasse“ rechtfertigt. Seine 24 Tore wurden nur von Cristiano Ronaldo übertroffen (29). Die elf Assists nur von Ruslan Malinovskyi (zwölf) – und die 35 Scorer von überhaupt niemandem. Lukaku wirkte – trotz seiner 1,91 Meter und 95 Kilogramm – schnell, leichtfüßig und extrem agil. Die Frage bei ihm ist natürlich: Inwiefern gelingt es dem Belgier, wieder an diese Form anzuknüpfen und wenn ja, wieviel Anlaufzeit braucht er? Wenn Lukaku wieder zu seiner alten Form zurückfindet, kann er im bereits zuvor wunderbar funktionierenden Sturmduo mit Lautaro Martínez ein wichtiges Asset für Inters K.O.-Runden-Hoffnungen sein.

Viktoria Plzeň: Die Chance nutzen, die man nicht hat

Am 23. August um 22:27 ließ der Ex-Stuttgarter Jan Kliment die Doosan Arena ausrasten. Qarabağ Ağdams Hintermannschaft vermochte eine Flanke von rechts nicht zu klären. So kam Kliment im Fünfmeterraum an den Ball und schob durch die Beine von Keeper Shahrudin Mahammadaliyev zum 2:1-Endstand ein. Damit stand fest, dass Viktoria Plzeň erstmals seit der Saison 2018/19 wieder Champions League spielen wird. Damals wurde man in einer Gruppe mit Real Madrid, der AS Roma sowie ZSKA Moskau über den direkten Vergleich mit den Russen Dritter. Ein 2:1 gegen die Roma gab am 6. Spieltag den Ausschlag zur Punktgleichheit.

Champions League Viktoria Plzen

Photo by JEROEN PUTMANS/ANP/AFP via Getty Images

Eingestiegen sind die Tschechen diese Saison bereits in der zweiten Qualifikationsrunde. Die Reise begann in Helsinki, bei HJK (2:1, 5:0). Dann taten sie es Bob Marley gleich und erschossen den Sheriff (2:1, 2:1), bevor Kliment – nach einem torlosen Remis in Azerbaijan – mit seinem Treffer die Tür zur Gruppenphase öffnete.

Viktoria überrascht in der Liga – und auch der Champions League?

Die gute Nachricht für Viktoria Plzeň in dieser Gruppe ist, dass sie eigentlich nur gewinnen können. Jeder erwartet, dass der FC Bayern, Barcelona und Inter Gruppensieg, Weiterkommen sowie die Europa League unter sich ausmachen. Daher können sich die Tschechen voll und ganz darauf konzentrieren, der unangenehmstmögliche Gegner zu sein – und vielleicht hier und da das Zünglein an der Waage.

Vergangene Saison gelang es, erstmals seit 2017/18 die Hegemonie Slavia Prags zu durchbrechen. In der Meisterrunde setzte man sich gegen die Mannschaft von Jindřich Trpišovský durch. Diese Spielzeit reicht es bislang zu Platz 2, zwei Zähler hinter Tabellenführer Slavia, mit einer Partie in der Hinterhand.

Transfertechnisch bewegt sich Viktoria Plzeň selbstredend in anderen Sphären, als die Gruppengegner. Innenverteidiger Václav Jemelka, der von Sigma Olomouc kam, war mit einer Ablöse von einer Million Euro der teuerste Neuzugang. Leistungsträger musste der Verein praktisch keine abgeben.

Im Fokus: Jhon Mosquera

In den letzten Wochen und Monaten Viktoria Plzeňs Go-To-Guy. Traf beim 2:0 bei Hradec Králové, dass den Verein offiziell zum Meister machte. Erzielte zudem den Siegtreffer gegen Sheriff Tiraspol und legte Jan Kliment das 2:1 gegen Qarabağ Ağdam auf.

Mosquera ist zudem vielseitig einsetzbar, kann entweder auf der linken Seite oder im Sturmzentrum agieren.

Prognose: Bayern Favorit auf den Gruppensieg, Inter muss den nächsten Schritt machen

Der FC Bayern ist – qua Frühform und Vorgeschichte in den letzten Gruppenphasen – Favorit. Momentan passt es bei den Münchenern an allen Ecken und Enden: Qualität, Kaderbreite, Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Sollte nichts komplett Utopisches passieren, wird sich der Rekordmeister erneut souverän für die K.O.-Runde qualifizieren, mit sehr guten Chancen auf den Gruppensieg. Dahinter hat der FC Barcelona die besten Karten. Inter muss nach der jahrelangen Abstinenz zeigen, dass sie nicht nur in der Lage sind, mit den großen Mannschaften Europas mitzuhalten, sondern auch den nächsten Schritt zu gehen, das Ergebnis zu holen. Vergangene Saison unterlag man beispielsweise Real Madrid in beiden Duellen (0:1, 0:2) oder vermochte sich 2019/20 nicht gegen eine B-Elf des FC Barcelona durchzusetzen, wovon Borussia Dortmund profitierte. Viktoria Plzeň wird in dieser Gruppe aller Voraussicht nach den olympischen Gedanken pflegen.

Photo by Lars Baron/Getty Images

Victor Catalina

Victor Catalina

Mit Hitzfelds Bayern aufgewachsen, in Dortmund studiert und Sheffield das eigene Handwerk perfektioniert. Für 90PLUS immer bestens über die Vergangenheit und Gegenwart des europäischen Fußballs sowie seine Statistiken informiert.

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