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90PLUS » 23 Millionen gegen Argentinien – das Ergebnis bleibt
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23 Millionen gegen Argentinien – das Ergebnis bleibt

Fritz Pecker
24.07.26, 15:42
Fritz Pecker
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WM-Finale: Argentinien vs Spanien
Foto: Getty Images

Über 23 Millionen Menschen unterschrieben eine Petition gegen Argentinien. Am Ende entschied eine viel kleinere Zahl das Turnier: die 1 auf der Anzeigetafel des Finales – für Spanien. Verstummt ist der Netz-Groll damit nicht. Im Gegenteil.

Argentinien verlor das Finale mit 0:1 gegen Spanien, entschieden durch Ferran Torres in der Verlängerung. Trotzdem läuft die digitale Empörungsmaschine weiter, als hätte die Albiceleste den Titel gestohlen. Ein Blick auf das, was real ist – und was nur laut.

23 Millionen Unterschriften – gegen was eigentlich?

Die prominenteste Kampagne heißt „Argentina Out“, gehostet auf einer Seite ohne jede Verbindung zur FIFA. Sie schloss mit exakt 23.316.108 Unterschriften aus rund 170 Ländern – knapp unter dem Guinness-Rekord für die größte Petition der Geschichte. Der Vorwurf: FIFA und Schiedsrichter hätten Messi und Argentinien systematisch bevorzugt. Die Forderung aber zielte nicht auf das Finale, sondern in die Zukunft – ein Ausschluss Argentiniens von kommenden Weltmeisterschaften.

Die Pointe schrieb das Turnier selbst: Der Klub, dessen Sieg angeblich feststand, verlor am Ende. „Warum soll der Rest der Welt spielen, wenn der Gewinner schon feststeht?“, hieß es sinngemäß in der Petition. Die Antwort lieferte Spanien.

Kurios: Auch aus der Gegenrichtung wird unterschrieben. Argentinische Fans starteten ihrerseits eine Petition auf eine Wiederholung des Finales – sie fühlen sich vom slowenischen Referee Slavko Vinčić betrogen. Zwei Lager, zwei Wahrheiten, ein Ergebnis.

Petition Forderung Unterschriften
„Argentina Out“ Ausschluss von künftigen WMs rund 23,3 Mio.
Change.org (argentinische Fans) Wiederholung des Finales über 80.000

Was die FIFA tun wird – und was nicht

So laut die Zahlen sind, so eindeutig ist die Lage: Eine Online-Petition hat in den FIFA-Statuten kein Gewicht. Es gibt kein Verfahren, mit dem Klicks eine Nation sperren, ein Ergebnis annullieren oder einen Vize-Titel aberkennen könnten. Disziplinarverfahren beginnen mit konkreten Regelverstößen, nicht mit Stimmungslagen. Der Ausgang des Turniers steht – regelkonform und endgültig.

Was die FIFA tatsächlich prüft, hat mit der Petition nichts zu tun: Nach dem Finale nahm der Verband das Verhalten einiger argentinischer Spieler unter die Lupe, unter anderem rund um den Platzverweis von Enzo Fernández. Ein separates Kapitel – und kein Hebel für die 23 Millionen.

Woher der Groll kommt

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Wut nicht. Argentiniens Weg durch das Turnier war von Schiedsrichter-Diskussionen begleitet, am heftigsten beim Achtelfinale gegen Ägypten. Auch das Finale lieferte Zündstoff für alle Seiten: Vinčić pfiff 46 Fouls, 25 davon gegen Argentinien, ließ strittige Szenen um Mac Allister und Tagliafico ungeahndet, während Spanien gleich zwei Treffer aberkannt bekam und Enzo Fernández mit Gelb-Rot vom Platz flog. „Eine Schande“, schimpfte Gary Neville im englischen Fernsehen. Aus solchen Szenen speist sich Verdacht – aus dem Verdacht wird im Netz Verschwörung, und aus der Verschwörung eine Rekord-Petition.

Die Geschichte, die im Lärm untergeht

Während das Netz tobt, erzählt dasselbe Turnier eine ganz andere Geschichte – und sie handelt ausgerechnet von Messi. In der ersten K.-o.-Runde rang Argentinien den WM-Debütanten Kap Verde erst nach Verlängerung mit 3:2 nieder. Im Tor der Insel-Nation stand der 40-jährige Vozinha, der mit einer Serie von Paraden zum Turnier-Helden wurde.

Nach dem Spiel umarmte Messi den Keeper, lobte ihn – „Du bist großartig“ – und tauschte im Spielertunnel das Trikot. Damit nicht genug: Vor dem Finale ließ Messi über seine Vertreter kostenlose Tickets für Menschen organisieren, die sich den Stadionbesuch nicht leisten konnten. Vier Angehörige von Vozinha saßen deshalb auf der Tribüne. Eine Geste, die keine Kamera einfing – und die kein Meme je erreichen wird.

23 Millionen Klicks, ein Handschlag

Am Ende stehen sich zwei Bilder gegenüber. Auf der einen Seite 23 Millionen Unterschriften, die ein Ergebnis nicht um einen Millimeter verschieben. Auf der anderen ein Weltstar, der einem 40-jährigen Torhüter aus einem 500.000-Einwohner-Staat die Familie ins Finale holt. Das eine wird in ein paar Wochen vergessen sein. Das andere erzählt Vozinha noch seinen Enkeln. Welche der beiden Geschichten der Fußball verdient hat, muss niemand per Petition abstimmen.

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